Stand: 10.02.2014 15:00 Uhr  | Archiv

Snowden-Reporter startet Investigativ-Plattform

von Fiete Stegers
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"The Intercept" heißt das neue investigative Webmagazin.

Dem Journalismus zurückgeben, was er verloren hat - die selbsterklärte Mission des neuen Medienunternehmens ist keine kleine. First Look Media, ins Leben gerufen und mit 250 Millionen Dollar ausgestattet von eBay-Gründer und Philantrop Pierre Omidyar, hat jetzt die ersten sichtbaren Schritte unternommen um diese Ansprüche mit Leben zu fühlen: Das Webmagazin "The Intercept" ist online gegangen und legt mit ersten neuen Enthüllungen zur Rolle der NSA im US-Drohnenkrieg vor.

Keine Überraschung: Zu dem Team der neuen Website gehören Autor Glenn Greenwald und Dokumentarfilmerin Laura Poitras, die beiden Journalisten, die Ex-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden in seinem Hotelzimmer in Hongkong interviewten und seitdem die Enthüllungen befeuern. Greenwald hatte seinen Ausstieg beim "Guardian" bereits vor einiger Zeit angekündigt. Zum Team gehören außerdem US-Militärreporter Jeremy Scahill, dessen Dokumentation "Schmutzige Kriege" über geheime Kommandoaktionen der USA im November im Ersten lief, sowie der bekannte Social-Media-Experte Andy Carvin (zuvor beim öffentlichen US-Rundfunksender PBS).

"Furchtloser und konfrontativer Journalismus"

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"Furchtloser und konfrontativer Journalismus" - das passt zu Greenwald.

Zum Start stellt "The Intercept" außerdem Bilder von US-Geheimdiensteinrichtungen ins Netz, fotografiert von Künstler Trevor Paglan. Das neue Magazin wird sich eigenen Angaben zunächst auf die Berichterstattung über geheimdienstliche Überwachung konzentrieren, später aber auch andere Themen aufnehmen. Neben Fakten und Dokumenten geht der Redaktion in ihrer Selbstbeschreibung vor allem um Haltung: "Furchtlos" und "konfrontativ" soll ihr Journalismus sein. Greenwald hatte zuletzt in einer Ansprache vor dem Chaos Communication Congress dafür plädiert, dass Journalisten im Fall der NSA-Enthüllungen Positionen beziehen und damit eine Debatte darüber ausgelöst, ob und wann Journalisten gleichzeitig Aktivisten sein können - oder sogar müssen.

Herausgeber und Wohltäter Omidyar verspricht dafür rechtliche und finanzielle Rückendeckung: "Wir werden den Journalisten die teure, aber notwendige Unterstützung zukommen lassen, die heutzutage leider häufig vernachlässigt wird", sagte er in einem Video in eigener Sache.

Teamarbeit und neue Finanzierungsmöglichkeiten

Journalisten sollen eng mit Faktenprüfern, Grafikdesignern, Daten-Analysten und Technologie-Entwicklern zusammenarbeiten können. Unter dem Dach des Technologie-Unternehmens First Look sollen neben "The Intercept" noch weitere Magazine mit anderen thematischen Schwerpunkten entstehen, "geleitet von erfahrenen, visioären Journalisten." Wie genau die Redaktionen nach Omidyars großzügiger Anschubsumme weiter finanziert werden, sagt der Milliardär nicht. Sondern nur, dass auf bekannte Methoden dafür zurückgegriffen und neue entwickelt würden.