Stand: 01.09.2016 16:24 Uhr  | Archiv

Rocket Beans: Gefeiertes Nerd-TV aus dem Netz

von Stefanie Groth
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Die Rocket Beans (v.l.: Simon Krätschmer, Daniel Budiman, Nils Bomhoff und Etienne Gardé) wurden bereits mit dem Webvideopreis ausgezeichnet.

Anderen Menschen dabei zuschauen, wie sie vor einem Bildschirm sitzen, Videospiele spielen und dabei munter vor sich hin kommentieren. Was für die einen das wohl langweiligste Format der Welt ist, versetzt andere in Begeisterung. Und da die sogenannten "Let's Play"-Videos bei vielen sehr gut ankommen und dazu geringen Produktionsaufwand haben, wurde daraus Fernsehen. Erst beim Sender GIGA, dann mit der Sendung "Game One" bei MTV. Und als dort nach acht Jahren und 307 Folgen Schluss war, folgte im Januar 2015 die Flucht nach vorn. Mit der eigenen Produktionsfirma mit Sitz in Hamburg brachten die Macher den eigenen Online-Sender Rocket Beans TV an den Start - und feiern damit Erfolge.

Ein Sender für Nerds - aus dem Netz per Livestream

"Ich glaub schon, dass wir für ein Nischenpublikum senden. Wir bezeichnen uns oft selbst als der Nerd-Sender", erklärt Arno Heinisch, CEO und einer von fünf Gründern, und fragt: "Aber was sind Nerds? Nerds sind ja Leute, die ein gewisses Überschusswissen zu einem Thema angehäuft haben, etwas mit Leidenschaft betreiben und eine Begeisterung dafür haben." Von diesen Leuten laufen bei Rocket Beans TV einige herum. Das Programm, mit dem sie per Livestream und on demand erfolgreich sind, lebt von einem jungen, kreativen Team. Das wächst seit Gründung vor anderthalb Jahren stetig: von anfangs zwanzig auf mittlerweile 60 Mitarbeiter. Tendenz steigend.

Kreatives Trial and Error als Arbeitsprinzip

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Annabell "Bell" Klindzan ist seit dem Start dabei und begeistert von ihrer Arbeit.

Spaß und die kreative Freiheit, sich austoben zu können. Nicht nur für "Bell" Klindzan macht das den Reiz aus, bei Rocket Beans TV zu arbeiten. Die 27-Jährige ist für die Bildregie zuständig und von Beginn an dabei: "Wir setzen die Sachen um, die wir uns in den Kopf gesetzt haben. Wenn wir eine blöde Idee haben, reiten wir drauf rum, bis es funktioniert, probieren es aus und sehen hinterher, ob es gut ankommt oder nicht funktioniert. Aber wir haben den Mut, alles umzusetzen, was wir vorhaben."

Mehr als Gamer-TV: "Popkulturelles Nischenfernsehen"

Bei Rocket Beans TV wird nur gemacht, wofür sie sich selber begeistern können. Bücher, Filme, Musikfestivals, Kino, Sport – die Schublade "Programm für Gamer" war für Rocket Beans TV eigentlich von Anfang an zu klein. Sie wollen "popkulturelles Nischenfernsehen" sein, erklärt Gründer Arno Heinisch: "Wir geben keine tolle Welt vor, haben keinen 'shiny floor', sondern wir zeigen: Wir sind so, wie wir sind. Und wir behandeln die Themen, die uns interessieren. Und das ist genau das, was der Zuschauer spürt. Im privaten Fernsehen ist es oft so, hab ich zumindest das Gefühl, dass die Zuschauer für dumm gehalten werden. Und die sind nicht dumm, die sind schlau!"

Die Community als Erfolgsfaktor

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Eine Bohne ist das Symbol der Rocket Beans - Beans deshalb, da sich das Wort aus den Anfangsbuchstaben der Gründer zusammensetzen lässt.

Das Startkapital für Rocket Beans TV kam damals per Crowdfunding auch von Zuschauern. Mittlerweile kommen die Haupteinnahmen über eine eigene Sales-Abteilung, Werbeeinnahmen, Product Placement, Sponsoren und Branded Content Formate. Die Zuschauer werden aber wie zu Beginn interaktiv ins Programm eingebunden. Sie dürfen, sollen mitgestalten. Dazu Krätschmer: "Wir brauchen die Community wie die Luft zum Atmen. Wir haben quasi immer einen Programmdirektor oder Redakteur mehr, und das ist die Community." Die Community sorgt auch für den Erfolg von Rocket Beans TV. Live senden sie auf der Plattform Twitch, haben dort 270.000 Follower und erreichen durchschnittlich 15.000 - zu Spitzenzeiten mehr als 50.000 Zuschauer. Die meisten erreichen sie allerdings über ihren YouTube-Kanal, quasi ihre Mediathek, und die sind in den Zahlen noch nicht mit eingerechnet.

Europas erfolgreichster Streaming-Kanal auf Twitch

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Sogar Fußballstar André Schürrle war schon bei den Rocket Beans zu Gast.

Inzwischen ist Rocket Beans TV europaweit der erfolgreichste Streaming-Kanal auf der Plattform Twitch, die in den USA und innerhalb der Gaming-Szene zwar ein Begriff ist, darüber hinaus aber kaum. Deshalb ziehen die Rocket Beans mit ihrem Live-Programm nun um. Ab 1. September senden sie auf YouTube. Auch dort gilt: Live-Streaming ist in den USA nichts Neues, bei uns schon. Zwar gibt es immer wieder sporadische Angebote, aber in der Form - 24/7-Streaming mit Live-Formaten - machen Rocket Beans TV den Anfang in Sachen YouTube-Live-Streaming in Deutschland. Noch ein Schritt weiter raus aus der Gaming-Ecke, hin zu einem breiteren Publikum, so die Hoffnung.

Das "gallische Dorf in der Medienlandschaft"

Sie wollen als Medienunternehmen wachsen, professioneller werden, sich inhaltlich noch breiter aufstellen. Ob es ihnen gelingt, dabei trotzdem transparent, authentisch, glaubwürdig zu bleiben, werden die kommenden Monate zeigen. Heinisch geht es mit einer großen Portion Humor und Enthusiasmus an: "Wir machen das so, wie wir das für richtig halten und haben den Luxus, dass wir uns nur vor uns selbst rechtfertigen müssen - und unserer Community. Das ist eine riesengroße Freiheit. Wir sind wie Asterix und Obelix, das gallische Dorf in der Medienlandschaft."

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 31.08.2016 | 23:20 Uhr

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