Stand: 25.11.2014 16:53 Uhr  | Archiv

RT Deutsch - Putins Propaganda-Kolonne rollt

von Charlotte Horn, NDR Info

Seit mehr als zwei Wochen sendet RT Deutsch als Ableger des russischen TV-Staatssenders Russia Today im Internet Berichte in deutscher Sprache. Der Sender ist Teil von Russlands neuer Image-Strategie, gezielt Medien im Ausland zu fördern. RT Deutsch wirbt bewusst damit, eine Alternative zu den deutschen Massenmedien zu sein. Deren Kritik wiederum: RT Deutsch sei der "Kreml-Sender", der gezielt manipuliere und Nachrichten positiv für Russland verdrehe. Doch wer steckt eigentlich hinter dem Sender?

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Die Internetseite von RT Deutsch wurde am 6. November freigeschaltet.

Moderatorin Jasmin Kosubek beginnt die halbstündige Sendung "Der fehlende Part" mit den Schlagzeilen: "Wie werden Kriege herbeimanipuliert? - Politik und Medien in Vorkriegslaune. Deutscher Überwachungsstaat - Wer weiß mehr als ein ehemaliger Top-Agent?". Kosubek ist 27 Jahre alt und gehört zu einem knappen Dutzend junger Leute, die die Sendung und die dazugehörige Internetseite von RT Deutsch produzieren. Bis vor einem halben Jahr hat sie noch studiert und als Werksstudentin gearbeitet.

Mehr als 90.000 Klicks bei YouTube

Die erste Sendung beginnt mit einer Umfrage in Berlin. Reporterin Lea Frings, politische Aktivistin und Mitglied bei den Linken, kündigt die Umfrage mit sarkastischem Unterton an: "An unserem Redaktionstisch sitzt jeden Morgen Putin. Heute Morgen hat er mich beauftragt die Leute mal nach ihrer Meinung nach RT Deutsch zu befragen." Die Antworten, die sie dann präsentiert, reichen von "Finde ich super" bis "Das ist eine Bereicherung". Es folgen Beiträge zu den Themen "Euro - Retten, was nicht zu retten ist" und "Wie gespalten ist die Ukraine wirklich". Bei YouTube haben die RT-Deutsch-Premierensendung mittlerweile mehr als 90.000 Zuschauer angeklickt.

Gegen die öffentliche Meinung ansenden

Auf der eigenen Webseite schreibt der Sender, das Ziel sei es, eine "Gegenöffentlichkeit" herzustellen. RT Deutsch zeige den "Rest vom Gesamtbild". Über die Kritik, der Sender versuche mit seinen Berichten zu manipulieren, machen sich die Macher lustig: "Natürlich waren das alles Komparsen, die wir ganz fleißig unter den Putin-Treuen rekrutiert haben", sagt Chefredakteur Ivan Rodionov im Studio zu Moderatorin Kosubek.

Während der Muttersender Russia Today wie eine russische Version des US-Nachrichtensenders CNN wirkt, erinnert RT Deutsch zum Start eher an eine Mischung aus dem Musikvideo-Sender Viva und dem Sat.1-Magazin "Akte". Deutsche Talkshows laden Chefredakteur Rodionov oft als eine Art Botschafter Putins ein.

"Propaganda-Instrument im Deckmantel des Journalismus"

N-Ost - Das Journalisten-Netzwerk

Die Journalisten von N-Ost beliefern vor allem Regionalzeitungen und Radiosender mit ihren Reportagen und Berichten aus Osteuropa. Zudem tauschen sie sich mit Journalisten aus Ost und West über die aktuelle Berichterstattung in der Ukraine aus.

N-Ost, das Journalisten-Netzwerk für osteuropäische Berichterstattung, sieht RT Deutsch kritisch. Für N-Ost-Geschäftsführer Hanno Gundert ist der Sender Teil der Strategie des Kremls, das Meinungsbild in Europa zu spalten: "Das ist ein Propaganda-Instrument im Deckmantel des Journalismus. Die einzige Regel, die alle befolgen sollten im Umgang mit diesem neuen Player auf dem deutschen Medienmarkt ist, dass man ihm keine Interviews geben sollte oder ihm den Anschein von Seriosität zu geben."

Vertrauen in Mainstream-Medien schwindet

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Krautreporter fragen nach ...

Medienjournalist Stefan Niggemeier hat für die Internetseite Krautreporter.de ein Interview mit dem RT-Deutsch-Reporter Nicolaj Gericke geführt. Hier ist der Link zum Gespräch. extern

Gundert erklärt sich den Erfolg von RT Deutsch damit, dass der Sender im richtigen Moment gekommen sei - in dem das Vertrauen in die Mainstream-Medien schwinde: "Ganz zentraler Punkt ist da bestimmt, die Kritiker, dass potenzielle Publikum von RT Deutsch, nicht einfach pauschal abzuurteilen, sondern auf sie zu reagieren. Und zwar nicht, indem man inhaltliche Zugeständnisse macht, sondern den Dialog sucht."

Stellungnahmen? Fehlanzeige

Auf Kritik reagieren die RT-Deutsch-Mitarbeiter auf ihre ganz eigene Art. Eine Anfrage des Medienmagazins Zapp lehnen sie ab - und filmen stattdessen selbst das NDR Fernsehteam. Auch NDR Info wird vertröstet.

Moderatorin Kosubek kontert Kritik in ihrer Sendung mit aufgesetzter Ironie: "Warum die Elefanten der Medienwelt so unglaubliche Angst vor unserem klitzekleinen Porzellanladen haben. Ich persönlich weiß es nicht. Aber vielleicht ja auch zu Recht. Denn wer weiß, was dieser klitzekleine Porzellanladen noch so alles vor hat ..." Angeblich ist RT Deutsch nach dem Start im Netz auch als Fernsehsender geplant.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 26.11.2014 | 07:38 Uhr