Stand: 27.08.2014 11:01 Uhr  | Archiv

Neue Hamburg-Domain: Ade ".de"?

von Hanna Grimm, NDR.de

Das Internet wird "lokaler": Ab sofort können sich Seitenbetreiber Adressen mit der Endung ".hamburg" sichern. Zum Beispiel könnte es dann www.meyer.hamburg oder www.wellensittich-verein.hamburg geben. Die neue Endung ".hamburg" ist eine sogenannte Top-Level-Domain, die genauso verwendet wird wie ".de" und ".com".

"Es gibt immer weniger freie Internetadressen. Durch '.hamburg' haben Seitenbetreiber neue Möglichkeiten für kurze und einprägsame Adressen", sagt Oliver Süme zu NDR.de. Der Anwalt betreibt mit seiner Firma die Hamburger Top-Level-Domain und vermarktet sie jetzt. Potenziellen Kunden macht er Hoffnung darauf, dass sie mit der neuen Adresse bei Suchmaschinen besser gefunden werden. 80.000 Mal wurde nach Sümes Angaben bereits eine ".hamburg"-Domain vorbestellt.

Nur ein "Weiterleitungsklassiker"?

Branchenkenner Michel Clement, Experte für Marketing und Medien an der Universität Hamburg, schätzt, dass sich viele weitere Unternehmen und Bürger eine lokale Adresse sichern werden. Doch er glaubt nicht, dass die neue Endung im Leben der Internetnutzer eine große Rolle spielen wird. Diejenigen, die bereits eine Internetpräsenz haben, würden ".hamburg" schlicht mitregistrieren und dann auf ihren Hauptwebauftritt verlinken, prognostiziert er. "Das wird ein Weiterleitungsklassiker", prophezeit der Experte.

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Multimedia statt Stadtrundfahrt

Auch die Stadt Hamburg ist an der neuen Top-Level-Domain beteiligt. Sie hält ein Prozent der Betreibergesellschaft inne und hat sich so ein Mitspracherecht gesichert. "Wir erhoffen uns durch die neue Domain einen Image-Zuwachs für Hamburg", sagt Senatssprecher Christoph Holstein. Früher habe man die Außenwahrnehmung einer Stadt mit Rundfahrten aufpoliert, heute müsse man im Multimedia-Bereich präsent sein. Außerdem rechnet die Stadt mit Einnahmen: Pro registrierter Domain kommen zwischen drei und sechs Euro in die Kasse der Stadt.

Prognosen, wie viel Gewinn Hamburg dadurch machen wird, will Holstein jedoch nicht abgeben. Orientierung, wie Städte-Domains ankommen, bietet die ".berlin". Sie ging im März als erste deutsche Städte-Endung an den Start: Hier sind nach Aussage des Betreibers bis heute 138.000 Domains registriert, die Stadt hat damit 800.000 Euro eingenommen.

Mehr als nur Werbung?

Für Kunden kostet die Domain 30 bis 60 Euro pro Jahr. Neben einer ".hamburg"-Internetadresse bekommen sie auch eine E-Mail-Adresse mit der Hamburg-Endung - zum Beispiel alfred@meyer.hamburg oder daniel@wellensittich-verein.hamburg. Ob es mehr sein wird als eine nettes Extra? "Wer es mag, soll die neue Domain gerne nutzen. Es ist ja auch ein wenig Werbung für Hamburg", sagt Experte Clement. Er vermutet jedoch: Diese Werbung wird nur sehr selten gesehen werden.

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