Stand: 02.03.2016 18:23 Uhr

Computer-Verkauf mit sozialer Verantwortung

von Anna Buch, NDR Info

Mobil im Internet unterwegs sein ist für viele Menschen Alltag, und doch nicht selbstverständlich. Menschen mit geringem oder gar keinem Einkommen können sich Smartphones oder Laptops kaum leisten. Aufs Internet möchten oder können sie aber dennoch nicht verzichten. In Hamburg haben sie nun eine neue Anlaufstelle: ein IT-Sozialkaufhaus. Auszubildende des Jugend- und Bildungswerks der Arbeiterwohlfahrt (AWO) reparieren und verkaufen dort gebrauchte Computer - je nach Ausführung und Zubehör zu Preisen zwischen 22 und 73 Euro.

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Im IT-Kaufhaus werden gebrauchte Computer erst repariert, bevor sie dann günstig verkauft werden.

"Meine Schwester und meine Familie leben in Tschechien. Wenn ich nach Hause komme, dann telefonieren wir über Skype." Ein Leben ohne Computer kann sich Karel Prerust nicht vorstellen - und das ist jetzt auch wieder vorbei: Im neuen IT-Sozialkaufhaus findet er am ersten Verkaufstag direkt das, was er sucht: einen funktionstüchtigen Computer - zu einem niedrigen Preis.

Fünf Azubis leiten den Betrieb

Mehrere Computer und Bildschirme stehen im Verkaufsraum des IT-Sozialkaufhauses des Jugend- und Bildungswerks der AWO in Hamburg-Wandsbek. © Nicola Maria Jäger Fotograf: Nicola Maria Jäger

IT-Sozialkaufhaus bietet gebrauchte PCs an

Menschen mit geringem oder gar keinem Einkommen können sich Neugeräte kaum leisten. Ein neues IT-Sozialkaufhaus repariert und verkauft dort gebrauchte Computer an Bedürftige.

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Zur Eröffnung sind viel zu viele Menschen in das kleine Kaufhaus gekommen. Es besteht eigentlich nur aus einem Raum, höchstens 30 Quadratmeter groß. Die Interessierten quetschen sich neben sauber aufgereihte Rechner, Monitore, Tastaturen.

Die gespendeten Computer reparieren fünf Azubis des AWO-Jugend- und Bildungswerks für den Verkauf in einem Nebenraum. Mathias Kurth ist einer von ihnen. Erstmals, so erzählt er, ist er hier mit Menschen in Kontakt gekommen, für die ein Computer ein Luxusgut ist: "Als wir aufgemacht haben, kamen tatsächlich auch Leute, die meinten: 'Ich habe keine Ahnung von dem ganzen Zeug. Ich habe keinen PC, also wirklich gar nichts zu Hause.' Da steht man dann schon da und denkt sich: Ja, das ist schon krass!"

Für viele Menschen ist der Computer ein Luxusgut

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Die insgesamt sechs Azubis leiten den Laden in Zukunft ziemlich selbständig.

Melina Schmidtke, Auszubildende für den Beruf der IT-Systemkauffrau, wird die Computer künftig verkaufen. Im IT-Sozialkaufhaus kommt sie am Eröffnungstag mit ersten Kunden ins Gespräch - zum Beispiel mit Nikolas Godoj, dessen Computer gerade kaputt gegangen ist und der deshalb nun schnell einen neuen braucht. Für den Kontakt zu Ämtern und Behörden, aber auch sonst ist ein Computer für ihn unverzichtbar: "Heute hätte ich auch einen gebraucht, um zu gucken, wo denn die Straße des IT-Sozialkaufhauses ist." Glück für ihn, dass ihm ein Nachbar mit einem Stadtplan aushelfen konnte. Für Godoj war der Blick auf den Faltplan aus Papier gewöhnungsbedürftig: "Wenn ich was suche und irgendwo hin will, dann gucke ich normalerweise bei Googlemaps auf den Stadtplan."

"Ohne Internet ist man ja heute außen vor"

Infos zum IT-Sozialkaufhaus

Das neue IT-Sozialkaufhaus der AWO in Hamburg-Wandsbek, Königslande 33, ist von Montag bis Donnerstag von 9 bis 12 und von 12.30 bis 16 Uhr geöffnet. Wer gerne Computer spenden möchte, kann sich einfach an das Jugend- und Bildungswerk der AWO Hamburg wenden.

Ein anderer Kunde am ersten Verkaufstag des IT-Sozialkaufhauses ist Rolf Wiechmann. Er hofft, dass er vielleicht bei der Eröffnungs-Tombola einen Computer gewinnt. Zu Hause habe er nämlich noch eine "ganz alte Kiste". Sie stammt noch aus den Neunzigern, er selbst hat sie vor zehn Jahren gebraucht gekauft. Sie funktioniert zwar noch, manchmal muss er aber fünf Minuten warten bis sich beim Surfen im Internet eine Seite aufgebaut ist. Dabei muss er dringend Arbeit finden, erzählt er: "Ohne Internet ist man ja heute außen vor. Stellenangebote raussuchen, Bewerbungen schreiben: Die meisten Arbeitgeber wollen ja keine schriftlichen mehr, sondern Onlinebewerbungen." Da es mit dem Gewinn bei der Tombola nicht klappt, entscheidet sich Rolf Wiechmann schließlich für einen Rechner für 70 Euro - Tastatur und Maus sind inklusive, dazu zwölf Monate Gewährleistung. Viel Geld für ihn, aber es stehen schon wieder neue Bewerbungen an.

Jugendliche übernehmen Verantwortung

Das Projekt des IT-Sozialkaufhauses ist nicht nur eine gute Sache für Kunden, die nicht viel Geld zur Verfügung haben. Den Laden komplett renoviert und eingerichtet haben die sechs Azubis des AWO-Jugend- und Bildungswerks nämlich in Eigenregie. Mithilfe ihrer Ausbilderin Roxen Star leiten die benachteiligten Jugendlichen den Laden in Zukunft ziemlich selbständig. Die Azubis sollen lernen, wie man mit Kunden umgeht und Verantwortung übernimmt.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 03.03.2016 | 08:08 Uhr