Sendedatum: 24.09.2015 08:08 Uhr

Musikstreaming-Dienst von Discounter

Mobilfunk-Anbieter ist Aldi schon lange - jetzt vertreibt der Discounter auch eigene Online-Abos für Musik. Mit der Ankündigung hat der Discounter einige überrascht. Kann Aldi mit günstigen Preis das deutsche Geschäft mit dem Musik-Streaming aufmischen? 

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"Aldi life" heißt das neue Streaming-Angebot des Discounters.

Der Discount-Riese wagt sich auf einen stetig wachsenden Markt, der im ersten Halbjahr 2015 nach Angaben des Bundesverbands der Musikindustrie, um rund 90 Prozent zugelegt hat. Die Nutzer sehen viele praktische Vorteile beim digitalen Musikkonsum übers Netz:  "Mein Handy hab ich immer unterwegs dabei und kann so dann immer Musik hören" sagen sie. Oder: "Wichtig ist für mich ein großes Angebot, damit man möglichste viele Lieder anhören kann."

Wozu noch einzelne Titel auf CD oder digital kaufen und besitzen, wenn man sich für relativ kleines Geld auch den Zugriff auf ein riesiges Musik-Repertoire sichern kann? Das denken sich laut Branchenverband Bitkom immer mehr Nutzer, vor allem junge. Bei den unter 30-Jährigen hört demnach schon die Hälfte Musik hauptsächlich per Stream. Allein der Song Cheerleader von OMI in der Version des Hamburger DJs Felix Jaehn wurde im ersten Halbjahr 2015 gut 44 Millionen Mal abgerufen. Dimensionen, die bei Musikverkauf über Downloads oder CD undenkbar wären. 

Bei "Aldi life" kommt die Musik von Napster

Um nun auch beim trendigen Streaming mitzumischen, stampfen Aldi und sein Elektronikpartner Medion, der schon für Notebooks, Smartphones und den Mobilfunktarif im Hause Aldi sorgt, jedoch keinen eigenen Dienst aus dem Boden. Das Musik-Angebot "Aldi life" ist vielmehr "powered by Napster" - also eine Kooperation mit der Plattform, die vor Jahren als MP3-Tauschbörse bekannt wurde und nach Klagen mehreren Musiklabels abgeschaltet werden musste. Inzwischen ist die Marke Napster als Streaming-Plattform hierzulande die Nummer drei - mit leichten Image-Problemen.

Und der Druck steigt, nachdem sich zum weltweiten Marktführer Spotify auch Apple im Juni ins Streaming-Geschäft dazugesellt hat -  mit gewohnt viel Tamtam: "Das nächste Kapitel der Musik", kündigte Apple-Chef Tim Cook seinen Dienst an.

Branchenverband: Alle Anbieter profitieren von Aufmerksamkeit

Was bleibt da noch für weitere Anbieter? Beim Musik-Angebot unterscheiden sich die großen Plattformen kaum. Aldi macht zumindest seinem Discount-Image alle Ehre und bietet das Monats-Abo rund zwei Euro günstiger an, als die kostenpflichtigen Angebote von Spotify und Apple normalerweise verlangen. Und für Kunden des Mobilfunk-Tarifs "Aldi Talk" soll es Kombi-Angebote geben. Das könnte für manche Kunden entscheidend sein. Und jeder neue Anbieter könne die Branche insgesamt beflügeln, meint Florian Drücke vom Bundesverband Musikwirtschaft: "Entsprechend gibt es eine große Aufmerksamkeit - für ganz verschiedene Anbieter. Jeder versucht, den Kunden zu umwerben. Da ist es viel zu früh, um irgendwelche Konsolidierungseffekte zu erahnen. Wr sind in der Situation, wo das Thema Musikstreaming wirklich erst in der Breite der Bevölkerung ankommt.“

Wer bleibt nach einem Probe-Abo hängen?

Unklar bleibt aber, was bei allen Beteiligten hängen bleibt. Während Künstler, Autoren und mit ihnen der Deutscher Musikverleger-Verband klagen, dass ihre Einnahmen durch den Erfolg des Streaming-Modells drastisch sinken, ist auch die Rechnung der Anbieter noch nicht aussagekräftig.

Apple sprach kürzlich erstmals von 11 Millionen Nutzern ihres kostenlosen Probe-Abos von Apple Music - nach Informationen der "New York Times" sind es inzwischen 15 Millionen. Mit einem ähnlichen Gratis-Einstieg startet auch Aldi. Spannend wird, wie viele Nutzer nach der Schnuppertour zu zahlenden Abonnenten werden.

Junge Frau liegt entspannt auf dem Bett, hat Kopfhörer im Ohr und schaut auf ein Laptop. © picture-alliance / photoshot

Kann Aldi auch Musik-Streaming?

NDR Info - Netzwelt -

Bei Aldi spielt die Musik: Der Discounter steigt - in Kooperation mit Napster - ins Musikstreaming-Geschäft ein. Das ist hart umkämpft, begeistert aber auch immer mehr Nutzer.

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NDR Info | 24.09.2015 | 08:08 Uhr

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