Stand: 24.08.2016 17:01 Uhr  | Archiv

Mimikama - Auf der Jagd nach Gerüchten im Netz

von Beke Schulmann, NDR Info

Ein Mann kann ein Hühnerei befruchten, auf Weihnachtsmärkten wird Parfüm mit Drogen darin versprüht, und die Bundesregierung schmuggelt nachts heimlich Flüchtlinge nach Deutschland. Internet-Gerüchte gibt's reichlich - und jeden Tag neue. Der Verein Mimikama beschäftigt sich mit solchen Internet-Gerüchten und entlarvt sie. Doch nun fühlen sich die Mitglieder von Mimikama bedroht.

"Offiziell entspannt sich die Flüchtlingskrise in Deutschland: Immer weniger spazieren über die Balkanroute, man sieht kaum noch Sonderzüge oder Busse. Kein Wunder: Offenbar reisen sie mit dem Flugzeug an. Bei Nacht und Nebel landet Charterflug um Charterflug an deutschen Flughäfen."

Das berichtete der für Publikationen über Verschwörungstheorien bekannte Kopp Verlag Anfang des Monats - unter Berufung auf mehrere Informanten. Weitere Publiaktionen nahmen diese Meldung auf und verteilten sie großflächig im Internet. Dabei handelt es sich bei dieser Nachricht um einen sogenannten Fake, also eine Falschmeldung, sagt Andre Wolf vom Verein Mimikama: "Das ist wirklich ein richtig klassisches Internetgerücht. Und es wird auch von vielen Menschen weiterhin geglaubt, obwohl die Verlage, die ursprünglich propagiert haben, dass Nachtflüge existieren mit Flüchtlingen, mittlerweile selber soweit zurückgerudert sind und gesagt haben, dass sie einer Falschmeldung aufgesessen sind. Sprich, das hat sich so weit verselbstständigt, dass es in den Köpfen geblieben ist."

"Zuerst denken, dann klicken"

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Die Facebook-Seite "Zuerst denken, dann klicken" machte den Verein Mimikama bekannt.

Mimikama hat sich darauf spezialisiert, solche Gerüchte und Falschmeldungen aufzudecken, auf Abo-Fallen, Fake-Gewinnspiele und schädliche Links hinzuweisen. Mittlerweile spielt die Seite eine wichtige Rolle für Internet-Nutzer und Journalisten. Bekannt geworden ist der Verein aus Wien vor allem durch die Facebook-Seite "Zuerst denken, dann klicken". Hier korrigieren Andre Wolf und seine Kollegen täglich Fake-Meldungen. Sie prüfen die Quellen, nutzen Meldungen von Polizei und Behörden und Zeitungsartikel. Den Falschmeldungen setzen sie dann eine korrekte Version entgegen. "Wir wollen Internetnutzern auch ein bisschen Medienkompetenz beibringen, wir wollen sie an das Thema heranführen, sodass sie auf Dauer auch selbst erkennen können, ob ein Inhalt falsch oder richtig ist, ob ein Inhalt gefährlich oder manipulativ ist. Da sehen wir unsere Aufgabe", sagt Wolf.

Mimikama-Adresse taucht im "Migrantenschreck"-Impressum auf

Der Verein berichtete auch über eine Facebook-Seite mit offensichtlich fremdenfeindlichem Inhalt, auf der seit Mai für Waffen geworben wurde - Waffen von einer Plattform namens Migrantenschreck: "Und diese Waffen sollten dazu genutzt werden, auf Migranten zu schießen, Migranten niederzustrecken. Die Waffen sollten ebenso gegen Politiker genutzt werden, aber auch gegen unliebsame Personen." Mimikama beleuchtete dann nach eigener Aussage die Plattform näher, schaute auch auf die Hintergründe: "Und auf einmal tauchte unser Name im Impressum auf."

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Sie hetzte gegen Flüchtlinge, verteufelte die Kanzlerin und rief zuletzt zum Waffenkauf auf: Die Facebook-Seite des angeblichen "Anonymous Kollektivs" ist jetzt offline. mehr

Immer wieder landeten die Namen von Wolf und seinem Kollegen Tom Wannenmacher im Impressum der Seite - mitsamt der Mimikama-Vereinsadresse. Seitdem bekommen die beiden regelmäßig Post - von rechten Migrantenschreck-Fans und deren linken Gegnern. Post, die eigentlich an Migrantenschreck gehen soll. Auch Drohbriefe an Mimikama seien bereits darunter gewesen, sagt Wolf: "Das Problem ist einfach, wir sind zu zweit und müssen uns mit diesen Nickeligkeiten aufhalten. Es ist ärgerlich und das stört massiv den Mimikama-Ablauf."

Angst, das Büro zu verlassen

Und nicht nur das: Wolf und Wannenmacher fühlen sich bedroht. In einem Artikel machen sie auf ihre Situation aufmerksam, schreiben, dass das Böse offenbar gerade gewinne und sprechen auch von der Angst, das Büro zu verlassen: "Es ist nicht immer angenehm. Bei jedem Klingeln schauen wir dann schon runter. Wir haben das Glück in einem Büro zu sitzen, wo wir die Möglichkeit haben, runterzuschauen, wer da ist. Das Grummeln im Bauch ist nicht mehr ganz so groß."

Das habe vor allem mit der großen Solidarität und Unterstützung zu tun, die der Verein nach der Veröffentlichung erfahren habe. Und das habe auch dafür gesorgt, dass Mimikama trotz aller Drohungen weiterhin nicht ans Aufhören denke.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 25.08.2016 | 08:08 Uhr

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