Stand: 13.06.2012 13:30 Uhr  | Archiv

Hamburger Schule setzt auf "Paducation"

von Kathrin Schmid, NDR Info
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Gehörten Tablet-Computer bald zum Schulunterricht wie Bücher, Stifte und Papier?

"Digitales Lernen" ist, so sagen es Bildungsexperten, die Herausforderung für Schulen, Lehrer und Schüler in den kommenden Jahren. Als erste Schule in Deutschland in Norddeutschland hat das Kurt-Körber-Gymnasium in Hamburg-Billstedt diese Vision schon ganz konsequent umgesetzt. Für jeden Schüler des elften Jahrgangs wurde ein iPad angeschafft. "Paducation" heißt dieses Pilotprojekt - und könnte in Klassenzimmern quer durch die Republik Schule machen.

Als zu Beginn des vergangenen Schuljahres alle Elftklässler ein iPad in die Hand bekamen, war die Begeisterung groß - und sie ist es immer noch. Kein Schüler will jetzt, Monate später, mehr darauf verzichten. "Ein technisches Wunder", "sehr praktisch", "man kommt schneller voran" - so oder ähnlich loben die Gymnasiasten den Tablet-Computer aus dem Hause Apple.

Pädagogische Lösungen finden

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Paducation

Informationen über das Projekt "iPads im Bildungsbereich". extern

Was für die Schüler vor allem praktisch ist, war für die Lehrer eine enorme Umstellung, sagt Schulleiter Christian Lenz. In fast allen Fächern kommt, neben Heft und Stift, jetzt auch das iPad zum Einsatz. Die klassische Unterrichtssituation funktioniere dann nicht mehr, denn der Lehrer wisse gar nicht genau, ob alle Schüler gerade dem Unterricht per iPad folgen: "Da fragt sich der Lehrer: Wer checkt Facebook? Wer chattet mit dem Nachbarn im anderen Kurs? Aber damit müssen wir kreativ umgehen und pädagogische Lösungen finden", so Lenz.

Lernfortschritt wird auf iPad dokumentiert

Als Konsequenz daraus arbeiten die Schüler im Projekt "Paducation" noch mehr in Gruppen, dokumentieren ihren Lernfortschritt auf dem iPad, und erstellen darauf Präsentationen. In Seminaren zu Medienkompetenz wird trainiert, Informationen im Netz zu finden, zu filtern, zusammenzuführen und Quellen zu bewerten.

Außerdem konnten seine Schüler erstmals unbegrenzt in ihre digitale Ausgabe von "Die Leiden des jungen Werthers" reinkritzeln. Lenz nennt noch ein anderes Beispiel, wo das iPad Mehrwert bieten kann: "Wenn ich am 31. Oktober frage: Was ist der Reformationstag eigentlich für ein Feiertag? Da kann man eben sehr schnell die Schlosskirche in Wittenberg und die Tür mit den 95 Thesen zeigen. Das macht natürlich Spaß."

Achtung, Ablenkungsgefahr!

Lenz ist stolz, dass sein Gymnasium das Pilotprojekt starten konnte. Bis weitere Hamburger Schulen mit einem Touch-Pad ausgestattet sein könnten, dauere es noch gut drei Jahre, heißt es im Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung. Es fehle in Teilen noch an ausgefeilter Lernsoftware. Und häufig - ganz klar - auch an der Akzeptanz.

Am Kurt-Körber-Gymnasium in Hamburg-Billstedt hat man versucht, skeptische Eltern mit bestimmten Einschränkungen zu beruhigen: Kamera- oder Tonaufnahmen beispielsweise sind verboten. Das nebenher auch mal gespielt wird, lässt sich nicht ausschließen. Nach fast einem Jahr Erfahrung ist die Ablenkungsgefahr bei den Schülern aber nicht mehr so hoch. "Im Großen und Ganzen klappt es eigentlich ganz gut", so die Selbsteinschätzung der Elftklässler.

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Mobile Lernbegleiter bald selbstverständlich?

Genauso fällt auch das Fazit von Schulleiter Lenz aus: weder hätten sich die schulischen Leistungen verschlechtert, noch wurde die Schulbibliothek abgeschafft. Eigentlich sei ein mobiler Lernbegleiter sowieso längst überfällig: "Es gibt viele Erwachsene, die einfach wie selbstverständlich das mobile Internet nutzen. Und da müssen wir uns als Schulen eben fragen: Was können wir ermöglichen?" Ziel sei es, Jugendliche stark zu machen, dass sie die Gesellschaft aktiv mitgestalten könnten: "Dazu brauchen sie einfach ein Wissen über die Medienwelt, die ihnen dann begegnet."

Das er mit "Paducation" einen Trend vorgibt, spürt er fast täglich. Gerade waren wieder Lehrer und Schulleiter aus Niedersachsen zu Besuch. Das Land will demnächst auch 20 Schulen versuchsweise mit iPads ausstatten.

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NDR Info | 14.06.2012 | 08:08 Uhr