Stand: 30.12.2015 20:35 Uhr

12.000 Besucher bei Hamburger Hacker-Kongress

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Nächstes Jahr will der Hackerclub noch einmal im CCH tagen, bevor dieses renoviert wird.

Zeit, die Laptops einzuklappen, Laser-Kunstinstallationen abzubauen und die Internet-Verbindung zu kappen: Am Mittwochabend ist in Hamburg der 32. Chaos Communication Congress zu Ende gegangen. Rund 12.000 Besucher kamen zum Hacker-Treffen des Chaos Computer Clubs (CCC) und seiner Freunde - mehr passten nicht ins Congress Centrum Hamburg. Im nächsten Jahr will der CCC Treffen dort noch einmal durchführen, bevor das CCH renoviert wird. Wenn das Besucherinteresse weiter so wächst, wird sich der Hackerverein etwas einfallen lassen müssten.

1.350 freiwillige Helfer unterstützen die Clubspitze bei der Logistik des viertägigen Treffens. Die digitale Bilanz: In der Spitzen waren 8.100 Geräte gleichzeitig im WLAN des Congresses angemeldet. Insgesamt wurden rund 660 Terabyte Daten hoch- und heruntergeladen.

Rückblick auf die "Sicherheitsalbträume" 2015

Zum Abschluss ließen CCC-Sprecher Frank Rieger und Kompagnon Ron noch einmal die "Sicherheitsalbträume" des Jahres Revue passieren. Unter anderen prangerten sie an, dass bei 500 Millionen im Umlauf befindlichen Android-Handys und Tablets die Nutzer-Daten nicht vollständig löschbar seien - ein Risiko beim Weiterverkauf des Geräts. Sie erinnerten an den Angriff auf das IT-System des Bundestags und den riesigen Diebstahl von elektronischen Personalakten bei der US-Regierung. Im Durchschnitt bleibe ein Einbruch in ein IT-System 200 Tage unentdeckt. Auch mit Schelte für Hersteller von elektronischen Geräten, die aus Nachlässigkeit Sicherheitslücken ließen, sparten die CCC-Aktivisten nicht.

2016 werde der Streit darüber, ob Hersteller von Verschlüsselungstechnologien der Polizei eine Art Generalschlüssel zur Verfügung stellen müssen, wieder aufflammen. Darüber wurde schon einmal heftig in den 1990er-Jahren debattiert: "Wir haben immer mehr das Gefühl, die Wiederholung einer schlechten amerikanischen Serie zu sehen."

"Nicht mehr Menschen, sondern Maschinen treffen Entscheidungen"

Ein Hauptthema des größten Hackerkongresses Deutschlands war die Datensammelwut von Firmen wie Facebook. Die Teilnehmer der Veranstaltung machten sich für die Verteidigung von Persönlichkeitsrechten in der digitalen Gesellschaft stark. Eine wachsende Zahl von Entscheidungen werde in der daten-getriebenen Gesellschaft nicht mehr von Menschen, sondern von Maschinen getroffen, warnte der Physiker Andreas Dewes.

Interview auf dem Chaos Computer Club.

Andreas Dewes: "Immer weniger nachvollziehbar"

ZAPP

Der Physiker und Datenwissenschaftler Andreas Dewes kritisiert, dass intransparente Algorithmen weitreichende Entscheidungen treffen.

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Mit Aufklärung gegen das Datensammeln

Firmen würden zunehmend automatisiert und ohne jede Kenntnis der Betroffenen Daten sammeln. Bei Facebook treffe dies auf etwa 90 Prozent der Daten zu, sagte der österreichische Datenschutzaktivist Max Schrems am Dienstag. Auf diese Weise lege die Firma "Schattenprofile" von Personen an, die gar nicht Mitglied der Online-Plattform seien. Schrems hat mit seiner Klage vor dem Europäischen Gerichtshof das sogenannte Safe-Harbor-Abkommen zur Datenübermittlung zwischen der EU und den USA gekippt. Das Abkommen sollte es Unternehmen ermöglichen, personenbezogene Daten aus einem Land der Europäischen Union in die USA zu übermitteln. Der Datenschutzaktivist fordert mehr Bildung und Aufklärung. "Es kann nicht sein, dass wir den Kindern in der Grundschule das Häkeln und Stricken beibringen - ihnen aber nicht erklären, wie ein Computer oder Server funktioniert", sagte Schrems.

Das Tor-Netzwerk ist großes Thema

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Um die Erfassung von Daten zu reduzieren, haben Hacker eine Reihe von Instrumenten entwickelt, die auf dem Kongress des CCCs in Vorträgen vorgestellt wurden. Zu den bekanntesten Möglichkeiten gehört das sogenannte Tor-Projekt, mit dem Nutzer anonym im Netz surfen. Das Tor-Netzwerk arbeitet mit dazwischen geschalteten Servern, so dass nicht mehr festgestellt werden kann, wer sich für eine bestimmte Webseite interessiert. Datenpakete werden dabei verschlüsselt weitergegeben. Weltweit nutzen mehr als zwei Millionen Menschen das Netzwerk.

Warnung vor Plastikmüll von 3D-Druckern

Neben der Datenflut war auch die Müllflut ein Thema auf dem Kongress. Der Karlsruher Experte Christian Lölkes warnte, dass der von 3D-Druckern erzeugte Plastikmüll zu einem zunehmenden Problem für die Umwelt werde. Fünf bis zehn Prozent aller Druckerzeugnisse seien Ausschuss und wanderten auf den Müll. Angesichts der lebensgefährlichen Bedrohungen etwa für Seevögel müssten dringend Strategien entwickelt werden, um den Müll zu reduzieren. Nach Schätzungen von Marktforschern soll die die Zahl der weltweit verkauften 3D-Drucker im nächsten Jahr von 200.000 auf 500.000 steigen. Grund für den Anstieg seien die geringen Einstiegspreise von inzwischen 500 Euro.

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