Stand: 20.09.2013 14:28 Uhr  | Archiv

Freifunker machen Lüneburg zum Hotspot

von Ann-Kristin Mennen
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Über 15 Router ist der freie Internetzugang in Lüneburg bislang möglich - die Freifunker arbeiten daran, dass es mehr werden.

Ein Internet ohne Grenzen - überall und für jedermann. Das ist das erklärte Ziel der Freifunk-Initiative Lüneburg. Sie will die Hansestadt zu einem einzigen großen Hotspot machen. Dabei wollen die Freifunker wesentlich mehr als nur kostenloses Internet. Der Initiative geht es auch um unbegrenztes Datenvolumen, Zensurfreiheit und mehr kommunale Interaktion, wie Claas Heinrich erklärte. "Wir bieten Internet pur", so der Informatiker, Mitinitiator der Freifunk-Initiative Lüneburg.

Jeder kann sich einwählen

Die Funktionsweise der selbst verwalteten lokalen Computer-Netzwerke ist simpel: Über eine spezielle Software verbinden die Freifunker ihre Rechner untereinander. Bei einer flächendeckenden Vernetzung via Funkverbindung reicht theoretisch ein Internetzugang aus, um eine ganze Stadt mit freiem W-LAN zu versorgen. Zusätzlich ermöglicht das Freifunknetz Aktivitäten ganz unabhängig vom Internet, betont Freifunker Claas Heinrich: "Mit den jeweiligen Programmen kann man in diesem Netz telefonieren, Daten austauschen oder Spiele spielen" - das gelte zumindest für alle, die über einen Freifunkrouter verbunden seien. Und auch wer sein W-LAN nicht der Allgemeinheit öffnet, kann Teil des nicht-kommerziellen Netzwerks sein. "Jeder kann sich ohne Zugangsvoraussetzungen einwählen", so Heinrich.  

"Freifunker" erobern Lüneburg

Verschleierung zum Schutz des Anschlussinhabers

Entsprechend  hoch wäre das Risiko für den Anschlussinhaber, im Falle von Urheberrechtsverletzungen durch einen Dritten strafrechtlich haften zu müssen. Dem beugen die Freifunker durch Verschleierung vor. Im Fall der Lüneburger Netzwerker gelangen die Router-Signale aus Lüneburg gebündelt nach Lübeck und werden verschlüsselt nach Schweden weitergeleitet. "Für Außenstehende agieren wir also allesamt aus Schweden", erklärte Heinrich. Die IP-Adresse des Anschlussinhabers sei dabei nicht mehr erkennbar. Dementsprechend müsste sich die Abmahnindustrie im Falle von urheberrechtlichen Verletzungen an den schwedischen Server wenden "und das ist denen zu aufwendig", sagte der Informatiker.

"Freies Netz lädt zu illegalen Handlungen ein"

Ob der Weg ins Ausland den Anschlussinhaber tatsächlich strafrechtlich schützt, daran hat Rechtsanwalt Thorsten Ambroselli allerdings seine Zweifel. Der Experte für Internetrecht rät davon ab, das private W-LAN für Unbekannte zu öffnen. "Wenn ich die Gefahrenquelle öffne, dann muss ich auch die Konsequenzen tragen." Der Lüneburger gibt auch zu bedenken, dass solch ein freies Netz zu illegalen Handlungen einladen könnte. Mehr Vertrauen hat da Freifunker Hauke Winkler: "Freifunk ist eine soziale Sache, dementsprechend wird man sich hier hoffentlich nicht asozial benehmen."

Flächendeckendes Freifunk-Netz in einem Jahr?

Bislang aber sind die Lüneburger ohnehin noch weit entfernt von einem umfassenden Freifunknetz wie in Lübeck, Hamburg oder gar Athen. Nach einem halben Jahr verteilen sich 15 Router über die Stadt. Für ein nahtloses Netzwerk allein in der Altstadt wären 50 der sogenannten Freifunk-Knoten notwendig. "In einem Jahr ist das aber realistisch", meint Heinrich.