Stand: 29.02.2016 19:20 Uhr

Drogenhandel im Netz: BKA verhaftet vier Niedersachsen

Drogen, Waffen, Falschgeld, gefälschte Ausweise und Datenspionage - sie hatten offenbar die ganze Palette im Angebot: Dem Bundeskriminalamt (BKA) ist nach eigenen Angaben ein Schlag gegen die mutmaßlichen Betreiber und Nutzer verschiedener deutschsprachiger Underground-Economy-Foren gelungen. Neun dringend Tatverdächtige wurden festgenommen, vier von ihnen stammen aus Niedersachsen. Auch im benachbarten Schleswig-Holstein hat es dem zuständigen Landeskriminalamt zufolge mehrere Razzien gegeben - und zwar in Lauenburg, Kiel, Lürschau und Pinneberg. Insgesamt wurden bei der groß angelegten Aktion, an der Beamte des BKA aus zwölf Bundesländern sowie aus Bosnien-Herzegowina, Frankreich, Litauen, den Niederlanden, Russland und der Schweiz beteiligt waren, 69 Wohnungen und Firmenräume im In- und Ausland durchsucht.

Pistolen, Bargeld, bunte Pillen

Ermittler stellen Server sicher

Neben Beweismitteln wurden Bargeld und Vermögenswerte in Höhe von 150.000 Euro beschlagnahmt. Außerdem stellten die Ermittler zwei sogenannte Bitcoin-Tresore sicher, mit der die auf den UE-Foren angebotenen Waren oder Dienstleistungen mutmaßlich gezahlt wurden. Auch die Server, über die die kriminellen Geschäfte betrieben worden sein sollen, wurden in Frankreich, Litauen, Russland und den Niederlanden beschlagnahmt. Die Underground-Economy-Foren findet der normale Nutzer nur, wenn er die Adresse kennt - über Suchmaschinen sind sie unauffindbar.

Ein Bosnier im Zentrum

Woher die Verdächtigen genau stammen, wollte ein BKA-Sprecher nicht sagen. "Die Örtlichkeiten sind eher ländlich geprägt", sagte er zur Begründung. Im Zentrum der Bande stand offenbar ein 27-jähriger Bosnier. Er soll drei Foren betrieben haben und eine "Schlüsselrolle bei der technischen Verwaltung" gespielt haben. Der 27-Jährige ist am 24. Februar in Bosnien-Herzegowina verhaftet worden. Bei den Verdächtigen aus Niedersachsen handelt es sich um einen 29-Jährigen, einen 22-Jährigen, einen 19-Jährigen sowie dessen 28-jährigen Bruder. Auch sie sitzen nach Angaben der Ermittler derzeit in Untersuchungshaft.

Drogen im Straßenverkaufswert von 250.000 Euro

Der 29-Jährige soll als Administrator eines der Internetforen betrieben haben. Dem 22-Jährigen wird vorgeworfen, im Netz mit Kokain, Cannabis, Amphetamin und Ecstasy gehandelt zu haben. In diese illegalen Geschäfte sollen auch der 19-Jährige und dessen Bruder verwickelt gewesen sein - beide syrische Staatsbürger, die derzeit in Niedersachsen leben. Bei einer Hausdurchsuchung wurden 36 Kilogramm Amphetamin, dazu 1,5 Kilogramm Kokain, 2 Kilo Haschisch und 2,3 Kilo Ecstasy sichergestellt. Die Drogen haben einen geschätzten Straßenverkaufswert von etwa 250.000 Euro.

Die verschiedenen Verdächtigen erwarten nun Verfahren wegen des Handels mit Betäubungsmitteln, Verstößen gegen das Waffengesetz und des Ausspähens von Daten, sagte der Sprecher NDR.de.

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