Stand: 20.02.2014 15:16 Uhr  | Archiv

Datenschützer warnen nach Facebooks Deal

Es ist ein Daten-Deal mit möglicherweise verheerenden Folgen für die Privatsphäre: Für umgerechnet 14 Milliarden Euro schluckt das Online-Netzwerk Facebook den Kurznachrichtendienst WhatsApp, den mehr als 450 Millionen Menschen nutzen. Datenexperten aus dem Norden sehen die Zusammenlegung der beiden Dienste überaus kritisch.

"Künftig auf Facebook und WhatsApp verzichten"

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Datenschützer Weichert rät, künftig auf Facebook und WhatsApp zu verzichten.

Schleswig-Holsteins Datenschutzbeauftragter Thilo Weichert rät bisherigen Nutzern, künftig auf Facebook und WhatsApp zu verzichten. "Wem die Vertraulichkeit der eigenen Kommunikation etwas wert ist, der sollte auf vertrauenswürdige Dienste zurückgreifen", sagte Weichert am Donnerstag. Besser sei es, Dienste mit einer sogenannten Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zu nutzen. Dabei werden die Daten auf Senderseite ver- und erst beim Empfänger wieder entschlüsselt.

Sowohl bei Facebook als auch bei WhatsApp stehen die Kommunikationsmetadaten und -inhalte dem Betreiber lesbar zur Verfügung. Kritiker befürchten, dass nun die Daten beider Dienste zusammengeführt, ausgewertet und zum Beispiel für Werbezwecke ausgenutzt werden. "Wir gehen davon aus, dass diese Daten auch mit den Facebook-Daten verknüpft werden", sagt Boris Wita von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Das sei schließlich bares Geld wert.

Was ist WhatsApp?

WhatsApp ist eine App, mit der Handynutzer Nachrichten austauschen können. Sie funktioniert über die Internetverbindung und kostet offiziell rund 80 Cent ab dem zweiten Nutzungsjahr. Dieser Zeitraum erneuert sich jedoch bei jedem Update. Nutzer können sich gegenseitig Textnachrichten, aber auch Bilder, Videos oder Sprachaufnahmen schicken - über alle Ländergrenzen hinweg ohne zusätzliche Kosten. Um miteinander zu kommunizieren, lädt man lediglich die App auf sein Handy. Die Software erkennt die Kontakte im Telefonbuch, die WhatsApp nutzen, automatisch. Dieser automatische Zugriff auf alle Nummern wird neben anderen Datenschutzproblemen kritisiert.

Datenschützer Caspar will mit Facebook sprechen

Auch der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar sieht die aktuelle Übernahme von WhatsApp durch Facebook mit großem Unbehagen. Er befürchtet, dass die enorme Übernahme-Summe "eine Kapitalisierung der personenbezogen Daten der Nutzer, die bei WhatsApp sind, hervorrufen wird." Caspar will diesbezüglich mit Facebook Gespräche führen. Die Deutschland-Zentrale des Unternehmens hat ihren Sitz in Hamburg.

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Hamburgs Datenschutzbeauftragter Caspar will gegen den drohenden Daten-Missbrauch aktiv werden.

Einen positiven Aspekt an der Übernahme findet Caspar jedoch: Der bislang dem deutschen Datenschutz weitgehend entzogene Dienst WhatsApp werde nun transparenter. Dass WhatsApp sich dann künftig an das europäische Datenschutzrecht halten werde, sei "ganz entscheidend", sagte Caspar in Hamburg.

Dazu zählten etwa Datenschutzbestimmungen in deutscher Sprache oder eine transparente Information über die Altersbeschränkung. "Das ist ab 16. Das wissen wahrscheinlich die wenigsten", sagte Caspar. Ein großes Problem sei das Auslesen von Adressbüchern in Smartphones durch WhatsApp.

"US-Firmen sind Meister im Hinauszögern von Bedingungen"

Der beim Hamburger Datenschützer für Telemedien zuständige Referatsleiter Ulrich Kühn zeigte sich dennoch skeptisch: Bislang sei WhatsApp hinsichtlich Datenschutz und in der Informationspolitik ein "völlig schwarzer Kasten". Zuständige seien überaus schwierig zu erreichen, bislang könne man an WhatsApp bestenfalls eine E-Mail schreiben. Und "ob da je eine Antwort kommt, ist dann völlig ins Belieben dieses Hauses gestellt. Wir hätten überhaupt keine Sanktionsmöglichkeiten."

Die Erreichbarkeit werde sich künftig zwar vermutlich über die Facebook-Kontakte ändern, inhaltlich sei man dann aber noch nicht weiter. "Diese amerikanischen Firmen sind Meister im Hinauszögern und Wegverhandeln von Bedingungen", sagte Kühn.

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Aktuell | 20.02.2014 | 13:00 Uhr