Stand: 05.08.2015 18:14 Uhr

"BuzzFeed", "ze.tt" und Co.: Jung und angesagt?

von Daniel Bouhs, NDR Info
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Sebastian Horn, Chef von "ze.tt", plant, auf dem jungen Portal viel auszuprobieren.

Auf klassischen Nachrichtenportalen geht es im Idealfall seriös zu. Viele Nutzer nehmen die Welt allerdings über Artikel wahr, die ihre Freunde in sozialen Netzwerken verbreiten. Hier aber sind vor allem Nachrichten gefragt, die mit Emotionen spielen. Das ist ein Geschäft, in das jetzt auch klassische Verlage mit neuen Angeboten einsteigen.

Alles dreht sich um die Frage: Wann steht wo welche Geschichte? Somit geht es eigentlich zu wie in jeder Redaktion. Doch hier in einer alten Fabrikanlage in Berlin bespielen eine Handvoll äußerst junge Redakteure ein junges Portal: Ze.tt ist die neue kleine Schwester von Zeit Online. Sebastian Horn, der Chef von ze.tt, verspricht Gesprächsstoff für die WG-Küche: "Grundlegend anders ist, dass wir wirklich primär auf Social Media setzen." Anders sei auch die Ansprache und die vielen neuen Erzählformen, die ze.tt ausprobieren wolle. "In gewisser Hinsicht ist es ein bisschen eine neue Form des Journalismus."

Junge Nutzer stehen im Fokus der Verlage. © NDR

Jochen Wegner: "Ze.tt" soll "uns ärgern"

ZAPP -

Jochen Wegner, Chef von "Zeit Online", erklärt, warum sich das etablierte Nachrichten-Portal mit seinem neuen Ableger "Ze.tt" selbst Konkurrenz macht.

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Diese neue Form des Journalismus will junge Nutzer erreichen, die sich häufig nur noch in sozialen Netzwerken informieren. "Wir wollen das Thema so aufbereiten, dass man es sieht und denkt: Ja, das möchte ich jetzt gerne weitererzählen." Nutzer sollen sich amüsieren oder aufregen, damit sie die Artikel teilen, Geschichten wie "Recycling-Idee: Eine Schülerfirma macht aus Autogurten Flaschenöffner" oder "10 gute Ausreden für unbeantwortete WhatsApp-Nachrichten". So ein frisches Portal könne mehr wagen als sein eigenes, sagt Jochen Wegner, Leiter von Zeit Online. "Wir haben neun Millionen Leser. Die erwarten bestimmte Dinge, wenn sie morgens zu uns kommen. Wir können die nicht komplett irritieren. Ein Angebot das ganz neu ist, kann sich nochmal völlig neu finden." 

Bald will auch Spiegel Online ein junges Portal starten. Im Verlag will zwar noch niemand darüber reden. Doch ein offenes Geheimnis ist längst, dass sich der "Spiegel" dafür mit Watson zusammengetan hat. Dieses Portal hat sich in der Schweiz erstaunlich schnell als Nachrichtenangebot für die Generation Facebook etabliert.

Soziale Netzwerke als Verbreitungskanal

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BuzzFeed ist seit einem Jahr in Deutschland am Start.

Schon seit einem Jahr am Start ist unterdessen der deutsche Ableger des US-Portals BuzzFeed, das nicht zuletzt Fundstücke aus dem Netz aufbereitet und konsequent auf soziale Netzwerke als Verbreitungskanal setzt. "Die Zahlen sagen, dass die Leute momentan von uns Unterhaltung wollen - ganz klar", erklärt Chefredakteurin Juliane Leopold. Ihre Leute liefern etwa "16 Foto-Beweise, dass Angela Merkel in Wahrheit ein Emoji ist" und zeigen die grinsende Kanzlerin neben einem entsprechenden Smiley. Wenn BuzzFeed nicht witzig ist, dann will die Redaktion ihre Leser empören, etwa mit den "17 Vorurteilen, die sich alle Schwarzen im Sommer anhören müssen".

Mit der "Unterleibswoche" am Start

Dass nun auch traditionelle Verlage in dieses Geschäft einsteigen, darüber macht sich Leopold keine besonderen Sorgen. Sie könne im Zweifel nämlich viel weiter gehen als die neue Konkurrenz. So hat BuzzFeed gerade eine sogenannte Unterleibswoche hinter sich, heißt: Es wurden vor allem Bilder gepostet, die irgendwie einem Penis glichen.

"Klar driftet es auch ab und zu ab in so einen Moment, wo man sich denkt: 'Moment mal, was machen wir hier eigentlich?'". Gleichzeitig sei es aber immer noch dieses Experiment, bei dem das Team von BuzzFeed die Freiheit habe, das einfach auszuprobieren. "Wir können das machen, ohne dass die Nase gerümpft wird", sagt Leopold. So etwas ist - auch wenn sie sich am Prinzip von BuzzFeed orientieren - auf Ablegern großer Nachrichtenportale eher nicht zu erwarten. Vielleicht ist das ja auch besser so.

 

Interview
18:55 min

Julian Reichelt: "Byou" ein Experiment zum Lernen

23.09.2015 23:20 Uhr
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Mit "Byou" hat die Boulevardzeitung einen Ableger gestartet und veröffentlicht zudem erste Artikel komplett auf Facebook. "Bild.de"-Chef Reichelt hofft auf junge Leser. Video (18:55 min)

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Netzwelt | 06.08.2015 | 08:08 Uhr