Stand: 19.11.2015 15:01 Uhr

Anonymous führt Cyberkrieg gegen den IS

von Nicole Markwald, ARD-Korrespondentin in Los Angeles

Hacker-Aktivisten unter der Flagge von Anonymous bekämpfen die Terror-Organisation "Islamischer Staat" (IS) im Netz. Sie brandmarken zum Beispiel IS-Accounts bei Twitter, attackieren Websites oder Propagandavideos. Die entsprechenden Daten leiten sie an einen früheren Erzfeind weiter: die US-Behörden. Eine ungewöhnliche Allianz.

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"Wir zahlen es euch zurück, nicht mit Gewalt, sondern mit unserem Hackerwissen", sagen die Anonymous-Aktivisten in Richtung IS.

Das kurze Video beginnt mit einem roten Schriftzug vor schwarzem Hintergrund: "Hallo Welt, wir sind Anonymous." Nach einem Vorspann, der aussieht, als wäre es für eine Abend-Nachrichtensendung gemacht, sagt die männliche Stimme: "Haltet Euch bereit." Gerichtet ist diese Botschaft an die Terror-Organisation "Islamischer Staat". Gelesen wird sie von einem Unbekannten, gekleidet in schwarzer Kapuzenkutte, sein Gesicht ist bedeckt von einer Maske des englischen Rebellen Guy Fawkes.

"Ihr habt eine Grenze erreicht", heißt es in dem Video, explizit werden die Anschläge von Paris genannt. "Ihr seid keine Muslime, ihr seid Terroristen und eine Schande für Eure Gesellschaft. Und: "Wir zahlen es euch zurück, nicht mit Gewalt, sondern mit unserem Hackerwissen."

Twitter-Konten von mutmaßlichen IS-Unterstützern veröffentlicht

Bereits am vergangenen Wochenende veröffentlichten die Netzaktivisten unter dem Hashtag #OpISIS Links zu einer Liste mit 900 Twittern-Konten. Die sind ihrer Recherche nach dem IS und seinen Unterstützern zuzuordnen. Nach eigenen Angaben hat Anonymous bislang dafür gesorgt, dass 149 Webseiten, die Verbindungen zum "Islamischen Staat" haben sollen, abgestellt wurden. Außerdem meldeten sie über 100.000 Twitter-Konten und 5.900 Propaganda-Videos, schreibt das Magazin "Foreign Policy".

Es ist nicht der erste Großeinsatz für die lose Gruppe von Aktivisten. Anonymous unterstützte unter anderem die Occupy-Bewegung und die Proteste des Arabischen Frühlings. In den USA übernahmen sie zeitweise zwei wichtige Twitterkonten des Ku-Klux-Klans.

Wurden verschlüsselte Botschaften verschickt?

Noch immer ist unklar, wie die Attentäter von Paris ihre Anschläge planten und welche Kanäle sie beispielsweise für ihre Kommunikation genutzt haben. Trotzdem nutzen Politiker in den USA die Gelegenheit, um sich erneut für weiterreichende Kompetenzen stark zu machen. CIA-Direktor John Brennan sagte vor einem außenpolitischen Forum des Center for Strategic and International Studies (CSIS), dass die Pläne des IS schon lange bekannt gewesen seien. Allerdings sei es immer schwerer, die Kommunikation und die genauen Vorbereitungen zu überwachen.

Möglicherweise haben die Attentäter Botschaften per iMessenger oder Whatsapp verschickt. Die werden verschlüsselt, können also auf ihrer Reise von dem einen aufs andere Gerät nicht abgefangen werden.

Apple-Chef wehrt sich gegen Forderungen der Geheimdienste

Schon seit Längerem fordern Geheimdienste und Behörden, dass US-IT-Dienstleister wie Google, Apple oder Facebook Hintertüren in ihre Verschlüsselung einbauen, über die man bei Bedarf die Kommunikation verdächtiger Personen einsehen kann. Zuletzt hatte sich Apple-Chef Tim Cook im vergangen Monat in einem Interview mit dem Radiosender NPR dagegen gewehrt. Natürlich sei nationale Sicherheit wichtig, so Cook. Aber wenn man in seiner Software eine Tür für die guten Jungs hätte, würden auch die bösen Jungs reinkommen.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 19.11.2015 | 08:08 Uhr