Stand: 25.12.2012 10:20 Uhr  | Archiv

Wachstumsmotor im Nordosten läuft

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Wirtschafsminister Harry Glawe (CDU) ist optimistisch: Der Wachstumsmotor im Nordosten läuft.

Ungeachtet der gedämpften Konjunkturaussichten rechnet Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) für das kommende Jahr erneut mit einem Wirtschaftswachstum.

Die Wirtschaft im Land werde 2013 aller Voraussicht nach stärker zulegen als die Ostländer insgesamt. Vor allem das verarbeitende Gewerbe erweise sich als verlässlicher Wachstumsmotor. Zahlreiche Unternehmen hätten Investitionen angekündigt. "Auch wenn uns nicht immer ein solch großer Fisch wie Nestlémit der Firmenansiedlung in Schwerin an die Angel gehen wird, so zeichnen sich doch weitere interessante Projekte ab."

Zusätzliche 5.000 Arbeitsplätze angepeilt

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Auf der Werft in Warnemünde gebaut: BorWin beta, eine von drei Offshore-Plattformen für Windparks in der Nordsee.

"Wir hatten bis Ende September im Land einen leichten Anstieg bei den sozialversicherungspflichtigen Jobs auf 537.000. Wenn wir im neuen Jahr 5.000 zusätzliche Arbeitsplätze bekommen, wäre das schon sehr positiv", sagte Glawe. Dabei setze er auch weiter auf den Tourismus, die Ernährungs- und Gesundheitswirtschaft sowie das Handwerk, die sich als "verlässliche Konstanten" erwiesen hätten.

Mehr Süßigkeiten

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Süssigkeiten aus Mecklenburg haben Konjunktur.

Erst kürzlich hatte der Süßwarenhersteller Trolli GmbH den Ausbau seiner Produktionskapazitäten in Hagenow und die Aufstockung der Belegschaft um rund 100 Angestellte angekündigt. Das Werk in Hagenow gehört wie die Produktionsstätte in Boizenburg zur Mederer-Gruppe mit Hauptsitz im bayerischen Fürth.

Auch der Boizenburger Süßwarenhersteller Sweet Tec erweitert seine Produktion und investiert 9,3 Millionen Euro in den Bau eines 1,1 Hektar großen Logistikzentrums sowie in die Anschaffung von Maschinen wie eine Hartkaramell-Koch- und eine Siloanlage. Sweet Tec will 25 zusätzliche Arbeitskräfte einstellen. Das vor acht Jahren gegründete Unternehmen produziert Kau- und Hartbonbons und beliefert große Einzelhandelsketten sowie Kunden in Russland, Singapur und den Niederlanden. Am Standort Boizenburg sind derzeit drei Süßwarenhersteller mit zusammen 300 Mitarbeitern tätig.

Wachstum gegen den Trend

Entgegen dem Trend in Deutschland schließt der Seehafen in Wismar das Jahr 2012 mit einem kräftigen Umschlagsplus von etwa 20 Prozent ab. Nach Angaben der Hafengesellschaft wurden auf dem Hafengelände rund 7,7 Millionen Tonnen Güter bewegt. Im Vorjahr waren es noch 6,4 Millionen. Der Bundesverband der deutschen Seehäfen rechnet wegen der schwächeren Weltkonjunktur für 2012 nur mit einem Umschlagsplus von drei Prozent. Auch für das neue Jahr hofft der Wismarer Hafen auf überdurchschnittliche Zuwachsraten und setzt dabei vor allem wie die Hafengesellschaft in Rostock auch auf den wachsenden Markt für erneuerbare Energien. So sollen Windenergieanlagen verschifft und mehr der in Wismar als Brennstoff produzierten Holzpellets umgeschlagen werden. Dazu sind 2013 weitere Hafenerweiterungen geplant. Zudem will sich die Hansestadt als Anlaufpunkt für Kreuzfahrtschiffe profilieren.

Sorgen bereitet der Schiffbau

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Das neue Geschäftsmodell ist erfolgreich: Nordic Yards baut derzeit drei Offshore-Plattformen für Windparks.

Mit zwiespältigen Gefühlen betrachtet Glawe die Entwicklungen im Schiffbau. Während die Nordic-Werften in Wismar und Warnemünde sowie die Neptunwerft in Rostock neue Aufträge erhalten hätten, stehe die Rettung der insolventen P+S Werften noch aus. "Auch wenn es derzeit noch viele Probleme zu lösen gibt, glaube ich fest daran, dass wir für beide Werften Investoren finden", übte sich Glawe in Zweckoptimismus. Bislang hat jedoch nur die Peenewerft in Wolgast einen Käufer gefunden. Die Bremer Lürssen-Werft kaufte das Unternehmen für 20 Millionen Euro. Die Zukunft der Werft in Stralsund ist weiter offen. Vor allem der verlustreiche Bau der beiden Fährschiffe hatte zur Schieflage des Unternehmens geführt. Die von Scandlines georderten Fähren seien zum Verkauf ausgeschrieben. Wegen der übernommenen Kreditbürgschaftendrohen dem Land Verluste von rund 270 Millionen Euro.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 25.12.2012 | 08:00 Uhr