Stand: 28.11.2012 18:00 Uhr  | Archiv

Kein Netz: Windräder stehen immer öfter still

Bild vergrößern
Nicht mangels Wind sondern mangels Netze stehen Windräder immer häufiger still.

Der schleppende Stromnetzausbau sorgt immer häufiger für still stehende Windräder in Deutschland. Laut einer Studie des Beratungsunternehmen Ecofys im Auftrag des Bundesverbands Windenergie ging im vergangenen Jahr der Rekordwert von bis zu 407 Gigawattstunden (GWh) Windstrom verloren - ein Anstieg von fast 200 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Mit dem nicht eingespeisten Strom hätten etwa 116.000 Haushalte ein Jahr lang versorgt werden können. Die Zwangsabschaltungen kommen die Bürger teuer zu stehen: Weil die Betreiber für die Drosselungen entschädigt werden müssen und dies auf die Verbraucher abgewälzt wird, entstehen Millionenkosten.

Nordosten von Abschaltungen besonders betroffen

Mit 32 bis 38 Prozent entfiel der größte Anteil der Zwangsabschaltungen auf das das Gebiet des Verteilnetzbetreibers Eon Edis, der in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg tätig ist. Die Angaben der Studie decken sich im wesentlichen mit einer Studie, die am Mittwochvormittag im Energieausschuss des Landtags von Mecklenburg-Vorpommern vorgestellt wurde. In der Studie wird betont, dass es sich "weiterhin in den meisten Fällen um ein regionales Problem des Verteilungsnetzes" handele. Sprich: Es liegt an fehlenden oder zu alten Netzen. Neben den kleineren Verteilernetzen betrifft dies aber auch die großen 380-kiloVolt-Stromtrassen.

Eine "Stromautobahn" als Sackgasse

Ein konkretes Beispiel ist derzeit entlang der Autobahn 24 zu sehen. Dort endete bis vor Kurzem ein aus Schwerin-Görries kommendes Teilstück einer 380-kiloVolt-"Stromautobahn" kurz vor Landesgrenze zu Schleswig-Holstein. Mangels eines Planfeststellungsbeschlusses konnten die fehlenden 19 Trassenkilometer zum Umspannwerk in Krümmel nicht fertiggestellt werden. Auch wenn die "Sackgasse" seit September zur "Durchfahrtstraße" weitergebaut wird: Die Folgen waren und sind noch weitreichend. "Bei der Existenz von nur einem Großkraftwerk im Großraum Hamburg bedeutet das, dass es schwierig ist, die Spannung zu halten und das Netz entsprechend zu managen, so dass die Versorgungssicherheit im Großraum Hamburg gewährleistet bleibt", sagte Volker Kamm vom Leitungsinvestor 50Hertz Transmission.

Im gesamten Netzgebiet von 50Hertz, vor allem in Ostdeutschland, Berlin und Hamburg, mussten - nicht nur, aber auch wegen des fehlenden Teilstücks nach Krümmel - laut Kamm 2011 an insgesamt 46 Tagen Anlagen zur Produktion erneuerbarer Energie vom Netz genommen werden, um dessen Stabilität zu gewährleisten. Strom wurde teilweise über Polen und Tschechien nach Südwestdeutschland geleitet. Konventionelle Kraftwerke wurden häufiger als eigentlich nötig hoch und runter gefahren. Entstandene Zusatzkosten: 100 Millionen Euro. Immerhin: Bereits im Dezember soll der Lückenschluss nach Krümmel vollzogen und damit ein Engpass beseitigt sein.

Studie: Milliardenkosten für Netzausbau in MV

Die Bundesnetzagentur hat jüngst angekündigt, dass in Deutschland rund 2.800 Kilometer Höchstspannungsleitungen gebaut werden sollen. Mecklenburg-Vorpommern will erreichen, dass die Kosten des Netzausbaus bundesweit getragen werden müssen. Der Vorsitzende des Ausschusses, der energiepolitische Sprecher der SPD, Borchert sagte, die Autoren der Studie hätten ausgerechnet: Mindestens 1,3 Milliarden Euro kostet der Netzausbau in Mecklenburg-Vorpommern bis zum Jahr 2025.

Sellering: Keine Energiewende ohne Offshore-Windparks

Derweil sprach sich Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) für die Chancen der Offshore-Windkraft stark gemacht. Die Energiewende in Deutschland könne ohne Offshore-Windparks nicht gelingen, sagte der SPD-Politiker auf einer Veranstaltung der Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommerns in Berlin. Außerdem wertet Sellering es als großen Erfolg, dass sich die Bundesregierung und die 16 Länder auf ein gemeinsames Energiekonzept verständigt haben. Er betonte aber auch, dass der Leitungsausbau vorangebracht werden müsse.

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/windenergie265.html