Stand: 12.05.2011 14:42 Uhr  | Archiv

Paul-Spiegel-Preis für Ehepaar aus Jamel

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Zentralratspräsident Dieter Graumann (l.) zeichnete das Ehepaar Birgit und Horst Lohmeyer mit dem Paul-Spiegel-Preis aus.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat Birgit und Horst Lohmeyer aus Jamel bei Wismar für ihre Zivilcourage mit dem Paul-Spiegel-Preis ausgezeichnet. Das Ehepaar kämpft in dem nordwestmecklenburgischen Dorf gegen die Dominanz der dort ansässigen Nazis. Birgit und Horst Lohmeyer seien Helden des Lebens, so der Präsident des Zentralrats, Dieter Graumann. Er sprach von Tapferkeit im Tun des Ehepaars und bewunderte das beherzte Engagement. Jamel - der Ort, in dem die Lohmeyers nebeneinander mit zahlreichen Neonazis leben, bezeichnete Graumann zugleich als einen unhaltbaren Zustand, mit dem sich niemand in Deutschland abfinden dürfe.

Kritik am Verhalten der Behörden

Graumann rügte bei der Preisverleihung in Schwerin in seiner Rede das Verhalten der Behörden. Sie hätten über viele Jahre hinweg viel zu wenig gegen die braunen Umtriebe in Jamel getan. Erst in jüngster Zeit, wohl auch befeuert mit der durch den Preis verbundenen Öffentlichkeit, scheine sich Einiges positiv bewegt zu haben, so Graumann.

Mutig und kreativ

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Inmitten von Neonazi setzen sich die Lohmeyers im kleinen Dorf Jamel gegen Rechtsextremismus ein.

Das Engagement des Ehepaars gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit sei mutig und kreativ, der Kampf gegen die Neonazi-Szene beherzt, begründete der Zentralrat die Auszeichnung. Seit 2007 setzen die Künstler mit dem jährlichen Rockfestival "Jamel rockt den Förster" auf ihrem Grundstück ein hörbares Zeichen gegen die ortsansässigen Nazis.

Birgit Lohmeyer sprach im Namen ihres Mannes in ihrer Dankesrede davon, dass ihr Tun in Jamel auch Ausdruck sei, lautstark um Hilfe bei der Verteidigung der Demokratie zu bitten. Es sei ein Gebot der Menschlichkeit, nicht die Augen vor den Umtrieben der Rechtsextremisten zu verschließen, so die Schriftstellerin.

"Neues NPD-Verbotsverfahren nötig"

Für Mecklenburg-Vorpommerns Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider (SPD) stehen die "rechtsextremistischen Umtriebe" im Heimatort der Lohmeyers "in engem Zusammenhang mit den Aktivitäten der NPD im Landtag". Die rechtsextremistische Partei unterstütze personell und materiell die rechte Szene im Land. Ihre Präsenz im Landtag würden sie dafür schamlos ausnutzen, so Bretschneider. Die Erfahrung lasse nur einen Schluss zu: Ein neues Verbotsverfahren sei nötig.

Preis als Schutz gegen Nazis

Die Rechtsextremisten versuchen, das kleine Dorf mit rund 40 Einwohnern in ihrem Sinne umzugestalten. Erst kürzlich wurde an einem Schuppen ein Wandbild enthüllt - es weist auf die "freie und nationale Dorfgemeinschaft Jamel" hin. Die Lohmeyers lassen sich trotz Einschüchterungen und Drohungen nicht von ihrem Ansinnen abbringen. Die öffentliche Ehrung empfinden sie auch als Schutz gegen die Nazis von Jamel.

Der Paul-Spiegel-Preis ist mit 5.000 Euro dotiert. Die Auszeichnung erinnert zugleich an den 2006 verstorbenen Präsidenten des Zentralrats - Paul Spiegel.

Ein Schild mit der Aufschrift "Dorfgemeinschaft Jamel frei - soziale - national" © picture-alliance/ZB Fotograf: Jens Büttner

Allein unter Nazis

ZAPP -

Sie sind Medienprofis geworden - zwangsläufig. Ein Ehepaar aus Jamel bei Wismar kämpft gegen seine rechten Nachbarn - öffentlich und wirkungsvoll.

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