Stand: 21.12.2012 09:33 Uhr  | Archiv

Wirbel in Anklam: CDU und NPD an einem Tisch

von Stefan Ludmann

Provinz-Posse, Sturm im Wasserglas oder doch ein echter Skandal? In Anklam im Landkreis Vorpommern-Greifswald gerät die CDU wegen ihres Umgangs mit den beiden NPD-Stadtvertretern ins Kreuzfeuer der Kritik. Denn die Kommunalpolitiker der Union hatten sich in einer Sitzungspause in einer öffentlichen Gaststätte an einen Tisch mit den beiden Rechtsextremisten gesetzt.

Bürgermeister Galander fotografiert

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Bürgermeister Galander hat eine Debatte über den Umgang mit der NPD ausgelöst.

Der parteilose und wegen zweifelhafter Vergabe von Bauaufträgen umstrittene Bürgermeister Michael Galander fotografierte die Szene ungefragt, um den Umgang der Union zu dokumentieren. Nachdem die Lokalzeitung darüber kritisch berichtet hat, überschlagen sich vor allem auf diversen Blogs im Internet die Ereignisse. Der CDU-Stadtvertreter und ehemalige Bürgermeister-Kandidat Marco Schulz hat im sogenannten Pommern-Blog der CDU Galander scharf angegriffen. Der 32-jährige stellvertretende Kripo-Verwaltungsleiter in Anklam verteidigt die fehlende Distanz der Union zur NPD. Es sei doch eine Frage, "ob wir tatsächlich Menschen zwanghaft meiden wollen, nur weil sie einer anderen, momentan noch legalen Partei angehören."

Vergleich mit der Judenverfolgung

Und dann vergleicht Schulz die Judenverfolgung mit dem Kampf gegen die NPD: Im Dritten Reich, so Schulz, "wurden solche Bürger letztlich sogar markiert, damit jeder sehen konnte, dass dieser Mensch wegen seiner Anschauung beziehungsweise Religion ein Staatsfeind ist". Er wolle es nicht akzeptieren, dass Menschen wegen ihrer Anschauung vorverurteilt würden. Es gehe um einen offenen Diskurs - und Schulz meint damit ausdrücklich die NPD.

Linksfraktion: "Das geht zu weit"

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Sieht großen Nachholbedarf bei der Auseinandersetzung mit der NPD: Peter Ritter (Die Linke).

Seitdem tobt ein Sturm der Entrüstung in dem Blog. Beifall hat Schulz dagegen vom CDU-Kreisvorsitzenden und Landtagsabgeordneten Egbert Liskow bekommen. Er bedankt sich ebenfalls im Pommern-Blog "über den offenen und klarstellenden Bericht" seines Parteifreundes. "Das geht zu weit" - sagt die Linksfraktion im Landtag. In den Augen ihres Innenexperten Peter Ritter zeigt Liskows Bemerkung, "einmal mehr, welch großen Nachholbedarf es bei der Union in Sachen Auseinandersetzung mit der NPD gibt." 

Ritter: NPD ist verfassungsfeindlich

Natürlich brauche es den von Schulz geforderten offenen Diskurs mit den NPD-Vertretern, in der Stadtvertretung und in der Öffentlichkeit, aber nicht "in einer möglicherweise vertrauenserweckenden Kaffeerunde", so Ritter. Der Linkspolitiker warnte die Union vor einem zu sorglosen Umgang mit den Rechtsextremisten: "Die NPD, dass dürfte auch der CDU in Anklam bewusst sein, versucht alles, um den Eindruck einer normalen Partei zu erwecken. Diesem Versuch einer verfassungsfeindlichen Partei muss entschieden entgegengewirkt werden."

Liskow verteidigt Schulz - etwas

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"Doch deutlicher Distanz zeigen": Der CDU-Landtagsabgeordnete Liskow hätte anders gehandelt.

Die CDU ist derweil um Schadensbegrenzung bemüht. Marco Schulz erklärte in dem Blog, er bedauere, wenn sein Dritte-Reich-Vergleich als verharmlosend angesehen werde. Liskow sagte auf Anfrage des NDR, man dürfe nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen, Schulz habe sich entschuldigt. Er zeigte aber Verständnis für das Vorgehen seiner Parteifreunde in Anklam. Die Sache habe sich in einer öffentlichen Gaststätte abgespielt, da könne jeder sitzen wo er wolle, auch im Landtag müssten die Fraktionen in den Ausschüssen mit der NPD an einem Tisch sitzen.

Liskow räumte aber ein, man hätte die NPD-Vertreter auch abweisen oder aufstehen können. "So hätte ich es wohl auch gemacht", so Liskow. Er könne seinen Kollegen nur empfehlen, "da doch deutlicher Distanz zu zeigen." Am Abend veröffentlichte Liskow eine gesonderte Pressemitteilung. Darin sprach er von "teilweise auch böswilligen Missinterpretationen meiner Äußerung" zu dem Blog-Eintrag seines Parteifreundes Schulz. Unter dem Titel "Klarstellung" teilt Liskow mit: "Von der Äußerung von Marco Schulz, in der er einen Vergleich mit dem Dritten Reich vornimmt, distanziere ich mich vollumfänglich." Liskow verwahrte sich im Gespräch mit NDR 1 Radio MV aber gegen weitere Vorwürfe. Die CDU auch in Vorpommern stehe für Demokratie und Toleranz. "Wir sind eigentlich immer da, wo sich die Demokraten gegen die NPD positionieren."

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 20.12.2012 | 16:10 Uhr

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