Stand: 14.01.2016 20:35 Uhr

Zinstief beschert Deponie Ihlenberg rote Zahlen

Die landeseigene Müll-Deponiegesellschaft Ihlenberg (IAG) ist in ihrer aktuellen Geschäftsbilanz erstmals in die roten Zahlen gerutscht. Das Unternehmen fuhr nach NDR Informationen im Jahr 2014 ein Minus von 2,3 Millionen Euro ein. Der Verlust ist nach Angaben der Geschäftsleitung jedoch kein Grund zur Sorge, die Liquidität sei gesichert.

Angelegtes Geld bringt weniger ein

Die Lage für eine der größten Sondermülldeponien Europas erscheint tatsächlich paradox: Die Müllgeschäfte laufen weiter gut und werfen Millionen-Erträge ab. Allerdings trüben die historisch niedrigen Zinsen die an sich guten Zahlen. Die millionenschweren Rücklagen - insgesamt 324 Millionen Euro - bringen der Deponie immer weniger Zinseinnahmen (2014: 10,1 Millionen Euro), obwohl das Geld noch zu vergleichsweise guten Bedingungen angelegt wurde. Mit ähnlichen Problemen kämpfen beispielsweise Lebensversicherungen.

Höhere Zahlungen für Rekultivierung und Nachsorge

Bei der IAG kommt erschwerend hinzu, dass der Betrieb gezwungen ist, höhere Summen an den Topf für Rekultivierung und Nachsorge (R+N) abzuführen. Der Grund: Die prognostizierten Zinserträge würden nicht ausreichen, um die angepeilten dreistelligen Millionen-Summen zu erreichen. Die kaufmännische Geschäftsführerin Beate Ibiß erklärte, das neue Bilanzrecht verschärfe die Lage. Die Bundesbank lege die Zinssätze für die sogenannten Abzinsungen fest, die seien so niedrig, das die R+N-Rückstellungen deutlich stärker aufgestockt werde mussten als geplant, statt 9,9 Millionen Euro waren 17,5 Millionen Euro fällig. Das hat auch die übrigen Kalkulationen durcheinander geworfen: Im Mai 2014 ging der damalige Geschäftsführer Berend Krüger noch von einem leichten Bilanzüberschuss in Höhe von 600.000 Euro aus - daraus ist jetzt ein bilanzielles Minus geworden.

Verlust wird durch Eigenkapital ausgeglichen

Das ist zwar ärgerlich für den Landesbetrieb mit seinen rund 130 Beschäftigten, aber unterm Strich wohl kein Problem. Der aktuelle Verlust wurde durch einen Griff ins Eigenkapital ausgeglichen - die Gesellschaft hat immerhin noch 139 Millionen Euro Eigenkapital auf der hohen Kante, so Geschäftsführerin Ibiß. Sie stellt klar: Auch nach neuesten Finanzgutachten erwirtschaftet die Deponie so viel Kapital, dass das Deponie-Gelände nach Ende des Betriebes gesichert und rekultiviert werden kann. Dennoch sind die fetten Jahre offenbar vorbei: 2008 hat die IAG noch 25 Millionen Euro Plus erwirtschaftet, 2012 waren es immerhin noch 12,6 Millionen Euro.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 15.01.2016 | 07:00 Uhr