Stand: 25.10.2015 13:59 Uhr

Zehn Autos nach Anti-Flüchtlingsdemo in Flammen

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Diese Fahrzeuge gingen in Stralsund während einer Demonstration gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung in Flammen auf.

Am Freitag und Samstag hat es in Mecklenburg-Vorpommern zahlreiche Demonstrationen für und gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung gegeben. Bei den meisten Kundgebungen blieb es friedlich. In Stralsund brannten jedoch nach der Demonstration zehn Autos, niemand wurde verletzt.

Autos wurden offenbar angezündet

Etwa 400 Menschen waren am Freitag dem Stralsunder Demonstrationsaufruf der "MV-Patrioten" gefolgt. Das Motto lautete "Stralsund wehrt sich - Asylantenwahnsinn stoppen". Die Polizei zählte bei der Gegenkundgebung "Herz statt Hetze" etwa 180 Teilnehmer. 230 Polizisten sicherten die beiden Veranstaltungen. Als am späten Abend bekannt wurde, dass auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums in der Nähe Autos brannten, beschuldigte ein Sprecher der Anti-Flüchtlings-Kundgebung die Teilnehmer der Gegendemonstration, die Brände gelegt zu haben. Die Demonstration wurde daraufhin beendet. Mittlerweile ermittelt der Staatsschutz und prüft einen politisch motivierten Hintergrund. Die Polizei geht von Brandstiftung aus.

Caffier: Aktion gegen Grundwerte des Rechtsstaats

Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) verurteilte das Anzünden der Autos: "Über die richtigen Ansätze in der Flüchtlingspolitik kann man sich sicher streiten. Keinesfalls darf diese Auseinandersetzung aber mit Gewalt fortgesetzt werden", teilte Caffier mit. Die Aktion habe sich gegen die Grundwerte des demokratischen Rechtsstaats gerichtet, seine Meinung friedlich und ohne Gewalt äußern zu können. Es gelte, alle Fakten zu sammeln und durch eine saubere Ermittlungsarbeit die Täter zu überführen. Auch die Initiatoren der Gegenkundgebung verurteilten die Brandlegungen: "Dieses hat nichts mit demokratischer Streitkultur zu tun", schrieb Sprecherin Suse Hawer.

Demonstration gegen Merkels Asylpolitik

In Greifswald demonstrierten dann am Sonnabend rund 100 Menschen mit Plakaten wie "Merkel muss weg" für eine Verschärfung der Asylgesetzgebung. Ein Sprecher der Demonstration verurteilte die Taten in Stralsund scharf und sah die Täter des Brandanschlags in Reihen der Gegendemonstranten. "Sie sagen, sie wollen keine Gewalt. Aber aus deren Reihen kommt Gewalt. Ich bezeichne so ein Verhalten als faschistoid", sagte er. Rund 300 Menschen stellten sich in Greifswald auf einer Gegendemonstration für Toleranz und eine humanitäre Flüchtlingspolitik den Asylgegnern entgegen. Die Kundgebungen verliefen friedlich.

Demo in Neubrandenburg friedlich

Eine weitere Demonstration in Neubrandenburg am Sonnabend blieb ebenfalls friedlich. Rund 350 Menschen gingen für die Aufnahme von Flüchtlingen auf die Straße und protestierten gegen eine Verschärfung des Asylrechts, gegen Rassismus und Fremdenhass. Das Bündnis "Neubrandenburg hilft" hatte landesweit Teilnehmer zu der Veranstaltung in Neubrandenburg eingeladen. Verschiedene demokratische Parteien schlossen sich dem Aufruf an.

Wismar: Ermittlungen gegen Demo-Redner

Nach einer Demonstration in Wismar ermittelt die Polizei gegen einen der Redner wegen des Verdachts der Volksverhetzung. Er hatte sich auf einer Kundgebung gegen Flüchtlinge und Asylbewerber fremdenfeindlich geäußert. Nach Angaben der Polizei kamen zu der Versammlung deutlich weniger Demonstranten als in den Wochen zuvor - etwa 100 Menschen waren dem Aufruf der Organisatoren gefolgt. Die Kundgebung wurde von friedlichen Protesten des Bündnisses "Wismar für alle" begleitet. In Eggesin demonstrierten rund 260 NPD-Sympatisanten gegen die Aufnahme von Asylbewerbern. Die Polizei war mit 50 Beamten im Einsatz. Die Veranstaltung verlief ohne Störungen.

An einer Brücke an der Landesstraße 321 zwischen Torgelow und Pasewalk (Landkreis Vorpommern-Greifswald) entdeckten Passanten am Sonntagmorgen ein Plakat mit der Aufschrift "Ausländer raus" sowie mehreren Hakenkreuzen und einer SS-Rune.

Keine Gewalt bei Kundgebung in Boizenburg

In Boizenburg (Kreis Ludwigslust-Parchim) hatten bereits am Freitagabend nach Polizeiangaben knapp 400 Menschen gegen die deutsche Asylpolitik demonstriert. Aufgerufen hatte die fremdenfeindliche Gruppierung MVgida. Zwischenfälle habe es nicht gegeben, teilte die Polizei mit.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 25.10.2015 | 15:00 Uhr