Stand: 22.12.2015 14:08 Uhr

Wrack eines Weltkriegsflugzeugs wird geborgen

Bei Boizenburg-Gothmann hat die Bergung eines Weltkriegsflugzeugs begonnen. Das Wrack war bereits Mitte Oktober bei Befestigungsarbeiten am Sude-Deich entdeckt worden. Arbeiter wollten dort Holzpfähle in das Ufer rammen, jedoch brachen die Pfähle in der Tiefe von einem Meter ab. Außerdem gelangte Munition an die Oberfläche. Der daraufhin gerufene Munitionsbergungsdienst sondierte das Ufer an dieser Stelle - und die Sonde zeigte ein größeres Wrack an. Die Arbeiter hoffen, dass die Bergung bis Mittwochmittag abgeschlossen ist. Dann kann das Loch im Deich wieder geschlossen werden.

Focke-Wulf statt Messerschmitt

Eigentlich war man von einer Messerschmitt Bf 109 ausgegangen, nach der Bergung des Motors war aber klar, dass es sich um eine Focke-Wulf Fw 190 handeln muss. Die deutsche Luftwaffe setzte sie ab Mitte 1941 neben der Messerschmitt als zweiten Standardjäger ein. Mehr als 19.000 Stück dieses Flugzeugs wurden bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs produziert.

Augenzeuge erinnert sich

Die Maschine an der Sude war am 1. Januar 1944 abgestürzt. Der heute 79-jährige Ludwig Köppen hat den Absturz als achtjähriger Junge miterlebt. "Der ist so in den Deich rein, da war alles zerfleddert. Die Jungs aus dem Dorf haben sich die Munition rausgesucht", sagt Köppen. Der Pilot von damals liegt nicht mehr in den Trümmern, er konnte sich retten. "Der ist mit dem Fallschirm abgesprungen - aufs Eis. Er war verletzt und wurde dann versorgt", erinnert sich Köppen.

Viele Einzelteile

Nach der langen Zeit heben die Arbeiter kein komplettes Flugzeug, sondern viele Einzelteile. So werden zum Beispiel Teile der Bordkanone sowie passende Munition aus dem Schlick geholt. Die Zwei-Zentimeter-Granatpatronen enthalten jeweils zehn Gramm Sprengstoff. Die gefährlichen Fundstücke werden in den Munitionszerlegebetrieb Jessenitz gebracht.

Flugzeugbergung bei Boizenburg-Gothmann

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 22.12.2015 | 18:40 Uhr

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