Stand: 17.02.2017 14:08 Uhr

Winterferien enden mit Streit um Lehrermangel

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Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) betont, das Land habe viel getan, um den Lehrerberuf attraktiver zu machen.

Kurz vor Beginn des zweiten Schulhalbjahres verschärft sich der Streit um den Lehrermangel in Mecklenburg-Vorpommern. Die Linksfraktion wirft Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) vor, die Situation an den Schulen des Landes schönzureden. Hesse hatte zuvor erklärt, Mecklenburg-Vorpommern bilde immer mehr neue Lehrer aus. Nach den Winterferien steigt die Zahl der Referendare ihren Angaben zufolge auf 648. Noch nie seien so viele Nachwuchslehrer beschäftigt gewesen wie jetzt, so die Ministerin.

Ministerin sieht Beruf mit Zukunft in MV

Im vergangenen Jahr hätten 555 Referendare an den Schulen gearbeitet, 2010 seien er sogar nur etwa 190 gewesen. Der Lehrerberuf sei in Mecklenburg-Vorpommern ein Beruf mit Zukunft, so die Ministerin. Hesse erklärte: "Ich freue mich daher über jeden, der diesen anspruchsvollen und schönen Beruf ergreifen will". Das Land habe viel getan, um die Aufgabe attraktiver zu machen: Die Arbeit werde besser bezahlt als früher, außerdem sei die Verbeamtung für die jungen Menschen wichtig und ein Anreiz.

Linke vermutet weiterhin Lehrermangel

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Simone Oldenburg (Linke) geht davon aus, dass sich der Lehrermangel im Nordosten weiter verschärfen wird.

Die Chefin der Linksfraktion, Simone Oldenburg, hält dagegen. Über 300 Referendarsposten seien offen, das werde den Lehrermangel weiter verschärfen. Wahrscheinlich könnten 500 Lehrerstellen im nächsten Schuljahr gar nicht besetzt werden. Hesses Aussagen zur Zukunft des Lehrerberufs nennt Oldenburg eine "Farce". Die Ministerin verschweige, dass sich die Arbeitsbedingungen allein durch immer größere Klassen weiter verschlechtert hätten. Hinzu komme die hohe Unterrichtsstunden-Verpflichtung.

Oldenburg: Referendare als "preiswerte Lehrer"

Seit Jahren beklagt die Bildungsexpertin außerdem eine vergleichsweise schlechte Bezahlung der Grundschullehrer. Referendare würden außerdem von Beginn an als "preiswerte Lehrer" genutzt, denn sie müssten ohne Betreuung erfahrener Lehrer allein vor der Klasse stehen und Unterricht erteilen. Das schrecke den Nachwuchs zusätzlich ab. Hesse widerspricht: Auch in anderen Ländern müssten Referendare selbstständig Stunden geben - teilweise sogar noch mehr als die in Mecklenburg-Vorpommern üblichen zehn Wochenstunden. Mit Blick auf Oldenburgs Kritik meinte Hesse, die steigende Zahl der Referendare spreche eine andere Sprache.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 17.02.2017 | 15:00 Uhr

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