Stand: 19.03.2017 14:00 Uhr

WikiWolves: Helfer bauen wolfssichere Zäune

Der Wolf ist in Mecklenburg-Vorpommern wieder heimisch geworden. Des einen Freud ist des anderen Leid: Wie das Landwirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommern kürzlich bekannt gab, wurden allein in diesem Jahr bereits 20 Tiere Opfer von Wölfen. Ganz besonders betroffen sind Schafhalter. Sie müssen aufrüsten, um dem Wolf keine Chance zu geben, die Tiere zu erreichen. Hilfe und Unterstützung erhalten Schäfer und andere Landwirte seit rund zwei Jahren auch von der Interessengemeinschaft WikiWolves.

Hintergrund
02:06 min

Mit vereinten Kräften gegen den Wolf

Die Sicherung von Weideflächen gegen Wolfsübergriffe ist teuer und aufwendig: Die Initiative WikiWolves hilft den Landwirten mit Freiwilligen bei der Sicherung ihrer Zäune. Video (02:06 min)

Tatkräftige Unterstützung für Schäfer im Land

Etwa 15 Helfer trafen sich am Wochenende in Müritzhof bei Waren (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte). Sie wollen sich für die Schäfer im Land engagieren. Ziel der Initiative ist es, Schäfer beim Schutz ihrer Tiere zu beraten, aber auch selbst Hand anzulegen, wenn Schäfer aus eigener Kraft nicht dazu in der Lage sind, ihre Schafe mit wolfssicheren Schutzzäunen zu sichern. Igor Heintzel aus Kargow hat selbst Schafe, unterstützt die Initiative von Anfang an und nimmt die Hilfe auch gern selbst in Anspruch. "Das ist ein arbeitsintensives Unterfangen", sagte er NDR 1 Radio MV. Vor allem der Aufbau sogenannter Festnetzzäune sei sehr aufwendig. "Jeder Helfer, der da freiwillig zur Sache geht, ist willkommen", sagte Heintzel.

Entschädigung vom Land nur mit Schutzzaun

Einen hundertprozentigen Schutz können die Weidezäune nicht garantieren. Finanzielle Entschädigung nach Wolfsrissen erhalten Schäfer jedoch nur, wenn wolfssichere Schutzzäune vorhanden sind. Allerdings dürfen nicht überall Zäune aufgestellt werden, wo Schafe weiden. Auch solche Fragen klärt die Interessengemeinschaft WikiWolves.

Finanzierung der Schutzmaßnahmen vom Wolfsmanagement

Eine weitere Hürde sei häufig die Finanzierung der Schutzmaßnahmen. Die Mittel für den Bau solcher Schutzzäune sollen vom Wolfsmanagement bereitgestellt werden. Ob die Gelder für die Herdenschutzmaßnahmen ausreichend sind, darüber jedoch herrscht derzeit Uneinigkeit. Doch Geld allein ist nicht alles. Schäfereibetriebe sind oft Ein- oder Zweimannbetriebe. Zeit, sichere Zäune aufzustellen bleibt oftmals nicht. In den vergangenen zwei Jahren haben die ehrenamtlichen Helfer bereits bei 14 Tierhaltern beim Aufbau sicherer Zäune unterstützt. Sogar ein Tierpark in Brandenburg hat die Hilfe von WikiWolves bereits in Anspruch genommen.

Wolf alleine keine Gefahr für Schafhaltung

Auch Nathalie Soehte ist von Anfang an dabei. Als Agrar-Ingenieurin habe sie "ein Herz für die Schäfer" und freue sich auch über die Rückkehr des Wolfes. Davon, dass die Schäfer - die Berufsgruppe, die von den Wölfen am meisten betroffen und obendrein häufig ökonomisch schwach ausgestattet sei - die Hauptlast tragen sollen, ist Soehte hingegen nicht überzeugt. "Ich sehe da auch die Gesellschaft in der Pflicht", sagte sie NDR 1 Radio MV. Der Wolf allein gefährde die Zukunft der Schäferei im Land nicht, so Soehte. Vielmehr seien auch die agrarpolitischen Rahmenbedingungen für die Förderung der Schafhaltung nicht optimal. Der Wolf sei nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringe.

Weitere Informationen
mit Video

Tier-Risse: Gentests überführen Wölfe

Gen-Tests bestätigten den Verdacht: Wölfe haben in diesem Jahr in vier Fällen Nutztiere in Mecklenburg-Vorpommern gerissen. Dabei wurden 20 Tiere getötet und acht verletzt. (17.03.2017) mehr

12 Bilder

Das Wolfs-Comeback in Mecklenburg-Vorpommern

Wölfe wurden in Deutschland im 19. Jahrhundert ausgerottet. Seit den 1990er-Jahren siedeln sich die Raubtiere hierzulande wieder an - auch in Mecklenburg-Vorpommern. Bildergalerie

Tierhalter wollen Problem-Wölfe loswerden

"Entnahme" statt "Abschuss"? In der Debatte um den Umgang mit Wölfen in Mecklenburg-Vorpommern fordern die Tierhalter konkrete Maßnahmen. Tierschützer warnen vor "Panikmache". (03.01.2017) mehr

Kalißer Heide: Drittes Wolfsrudel in MV

Ein drittes Wolfsrudel ist im Süden von Mecklenburg-Vorpommern unterwegs. Das hat das Landwirtschaftsministerium bestätigt. Die Tiere sind in eine Fotofalle getappt. (01.02.2017) mehr

Kommt eine Obergrenze für Wölfe?

Nach Ansicht von Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) muss sich der Bund mit einer Obergrenze für Wölfe beschäftigen. Der Bauernverband fordern das seit langem. (02.12.2016) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 19.03.2017 | 13:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

00:31 min

Rügen: Hamburgerin von Kreidefelsen gestürzt

23.04.2017 07:00 Uhr
NDR 1 Radio MV
00:20 min

Hartumkämpftes Duell des SSC in Stuttgart

22.04.2017 20:17 Uhr
NDR Fernsehen
01:59 min

Infrastruktur wird nur schleppend verbessert

21.04.2017 19:30 Uhr
Nordmagazin