Stand: 04.02.2016 17:25 Uhr

Wie hoch trägt der Aufwind die FDP im Nordosten?

von Michael Weidemann, NDR Info

In sieben Monaten wird in Mecklenburg-Vorpommern ein neuer Landtag gewählt. In der bisher einzigen Vorwahlumfrage schneidet die FDP mit fast acht Prozent überraschend stark ab. Ergebnis einer inhaltlichen Erneuerung - oder Reaktion auf eine Spitzenkandidatin, die so gar nicht in das Klischee einer FDP-Politikerin passt? NDR Info hat sich bei den Liberalen im Nordosten umgesehen.

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Die FDP geht mit Spitzenkandidatin Cécile Bonnet in den Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern.

Ein winterlicher Grillabend in einer Neubausiedlung am Stadtrand von Schwerin. Ein Mitglied des örtlichen FDP-Kreisverbands hat in seinen Garten eingeladen. Gut zwanzig Parteifreunde sind gekommen. Die Stimmung unterm Heizpilz ist gelöst, die jüngste Umfrage macht den Liberalen sichtlich Mut. "Es lohnt sich wieder weiterzumachen. Wenn man immer nur unter fünf Prozent gesehen wird, dann frustet das. So macht es mehr Spaß. Es ist mehr Energie drin", meint ein langjähriges Parteimitglied. Doch es haben sich auch auffallend viele junge Leute um den Gartengrill versammelt.

FDP bewegt sich weg vom Wirtschaftsliberalismus

Von akuten Nachwuchssorgen werden die Freien Demokraten in Mecklenburg-Vorpommern offensichtlich nicht geplagt. An diesem Abend geht es vor allem um Kommunalpolitik. Die Landtagswahl dagegen spielt eher am Rande eine Rolle. "Mit unserem Programm können wir aber durchaus punkten", sagt einer der älteren FDPler. "Es ist nicht der reine Wirtschaftsliberalismus, der vorher die Partei dominierte - auch hier im Lande. Sondern es sind junge Menschen da, die mehr soziale und kulturelle Aspekte sehen. Es steht ihr gut, wenn das wieder aufgenommen wird."                                                                                                                 

FDP setzt auch im Nordosten auf eine Frau

Cécile Bonnet, die 33-jährige Spitzenkandidatin der FDP, wird erst später zur Gartenparty unter dem eisigen Sternenhimmel dazu stoßen. Sie besucht - in einem Gasthof am anderen Ende der Stadt - eine Parteiversammlung, auf der die Direktkandidaten für die Wahl im September aufgestellt werden. Auch hier herrscht angesichts der guten Umfragewerte eine gewisse Erleichterung. Denn so geschlossen wie jetzt sind die Liberalen im Nordosten nicht immer aufgetreten. Intrigen und Personalquerelen haben die Partei über viele Jahre gelähmt und selbst Stammwähler verschreckt. "Bewältigte Vergangenheit", sagt Bonnet. "Ich glaube, es ist uns gelungen, das Vertrauen unserer Wähler zurückzugewinnen. Wähler, die vielleicht vor zehn Jahren die FDP unterstützt haben und dann gesagt haben: 'Das passt nicht mehr!' Ich glaube, dass die mittlerweile natürlich sehen: Die FDP ist wieder da. Und ich bin auch bereit, dass ich dann meine Stimme der FDP gebe."     

Imagewandel zur modernen Familienpartei

Bonnet ist gebürtige Französin und lebt erst seit fünf Jahren in Mecklenburg-Vorpommern. Sie setzt die Riege der jungen, attraktiven Frontfrauen fort, mit denen die FDP schon bei den Bürgerschaftswahlen in Hamburg und Bremen erfolgreich punkten konnte. Angst, wegen ihrer fremden Herkunft von den eher bodenständigen Mecklenburgern abgelehnt zu werden, hat sie nicht: "Ich spiele keine Rolle. Ich verstecke mich nicht. Ich versuche nicht, meine auswendig gelernten Reden herunterzuspulen. Und das kommt auch bei den Leuten an, weil ich glaube, dass sie bei mir auch diese gewisse Authentizität spüren."  

Den Wahlkampf wird Bonnet allerdings unterbrechen müssen. Sie erwartet ihr erstes Kind und wird dem FDP-Team im Frühsommer eine Weile fehlen. Schaden dürfte das den Liberalen nicht. Eine junge Mutter als Spitzenkandidatin: Besser kann man den Imagewechsel zur modernen Familienpartei wohl kaum dokumentieren.

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NDR Info | 05.02.2016 | 07:20 Uhr