Stand: 27.06.2017 17:39 Uhr

"Wenn das an mir liegt, finde ich das superschön"

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Die Bartherinnen Gundula (r.) und Christine Zilm kümmern sich um fünf Pflegekinder.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist von ihrem klaren Nein zur "Ehe für alle" abgerückt. Statt diese wie bisher abzulehnen, will sie die Unions-Abgeordneten nun selbst entscheiden lassen, ob sie dafür oder dagegen sind. Die Kanzlerin begründete ihren Meinungsschwenk am Montagabend auf einer Podiumsdiskussion mit einem "einschneidenden Erlebnis". Sie sei von einer lesbischen Frau eingeladen worden, zu Hause bei ihr und ihrer Partnerin vorbeizuschauen und zu sehen, dass es ihren Pflegekindern gut gehe. Merkel sagte, wenn das Jugendamt einem lesbischen Paar Pflegekinder anvertraue, könne sie nicht so einfach mit dem Kindeswohl gegen Adoptionen argumentieren.

"Die Kinder gehen so oder so ihren Weg"

Die Frau, die die Kanzlerin meint, ist Gundula Zilm aus Barth (Landkreis Vorpommern-Rügen). Sie und ihre Partnerin Christine kümmern sich um fünf Pflegekinder. "Die Kinder sind schon ganz klein zu uns gekommen", sagt Gundula Zilm NDR 1 Radio MV. Die erste ist schon erwachsen, 18 Jahre alt. Sie lebt aber weiter bei uns im Haus." Gundula Zilm und ihre Partnerin sind die gerichtlichen Betreuerinnen der Kinder. "Warum sollen gleichgeschlechtliche Paare nicht Kinder erziehen? Schwul oder lesbisch sein, ist doch nicht ansteckend. Und die Kinder gehen so oder so ihren Weg. Weil wir nun ein lesbisches Paar sind, achten wir auch darauf, dass unsere Kinder auch mit Männern Kontakt haben. Ich habe zum Beispiel einen erwachsenen Sohn, meine Frau auch. Die sind regelmäßig hier. Das ist alles ganz normal."

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Besuch der Kanzlerin steht noch aus

Die Einladung an die Kanzlerin, das lesbische Paar mit den Pflegekindern und den leiblichen zu besuchen, kam von ihrer Partnerin, als Merkel auf einer Wahlkampfkundgebung auf dem Markt in Barth zu Gast war. "Meine Frau hat gesagt: 'Sie können gerne bei uns gucken kommen. Wir sind ein lesbisches Paar, das zusammenlebt und fünf Pflegekinder hat, was sehr gut funktioniert.' Dann hat sie uns einen Besuch versprochen, aber der ist bis heute noch nicht gemacht worden", sagt Gundula Zilm. Als sie beim Neujahrsempfang in Trinwillershagen die Kanzlerin erneut traf, habe Merkel auch gleich gesagt: "Ich weiß, wer Sie sind. Und ich habe Ihnen ja einen Hausbesuch versprochen, das werde ich auch noch tun." Wenn es am Ende doch nicht klappen sollte, hätte Gundula Zilm dafür Verständnis - angesichts des vollen Terminkalenders der Kanzlerin.

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Dass das Paar aus der Vineta-Stadt möglicherweise den Anstoß für einen großen Schritt bei den Homosexuellen-Rechten in Deutschland gegeben haben könnte, freut Gundula Zilm: "Wenn das mit an mir liegen würde, finde ich das superschön." Dass die Union nun erneut über das Thema diskutiert, sei überfällig. "Denn warum sollen wir nicht dieselben Rechte haben wie alle anderen auch? Wer schreibt das vor? Das habe ich auch mit ihr (Merkel; Anm. d. Red.) diskutiert, aber da gab es noch kein Herankommen."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 27.06.2017 | 17:10 Uhr

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