Stand: 28.03.2016 10:38 Uhr

Waschbär auch im Nordosten auf dem Vormarsch

Neugierig aber nicht ungefährlich: Waschbären können richtige Plagegeister sein.

Wenn der Mensch in die Natur eingreift, um die heimische Flora und Fauna aufzuwerten, dann ist dieses Vorhaben selten von Erfolg gekrönt. In der Regel passiert nämlich genau das Gegenteil, wie beispielsweise die derzeitige Waschbären-Plage in weiten Teilen Deutschlands zeigt. Vor rund 80 Jahren wurden in der Nähe von Kassel einige Exemplare der aus Nordamerika stammenden Raubtiere ausgewildert. 1945 konnten sich kurz vor Kriegsende nördlich von Berlin weitere Tiere aus einem Gehege befreien. Heutzutage gibt es nach Angaben des Leibniz-Instituts für Wildtierforschung etwa eine halbe Million Waschbären in Deutschland. Und es werden immer mehr.

Plagegeister mit Hang zum urbanen Leben

Statistiken zufolge hat sich die Zahl der Waschbären in Mecklenburg-Vorpommern seit dem Jahr 2004 mehr als verzehnfacht. Die Tiere können für Menschen zu regelrechten Plagegeistern werden. Sie plündern Obst- und Gemüsegärten, schleichen sich durch Katzenklappen oder gekippte Fenster ins Haus und hinterlassen dort zum Teil erhebliche Schäden. Gerade jetzt im Frühling suchen sie nach einem geeigneten Unterschlupf zur Aufzucht ihrer Jungen und finden in menschlichen Siedlungen häufig optimale Bedingungen.

Waschbär, Mink & Co.: Tierische Einwanderer

Der Waschbär hat ein gutes Gedächtnis

Mit seinem neugierigen Auftreten wächst der Waschbär vielen Menschen ans Herz, sagt der Präsident des Landesjagdverbandes, Völker Böhning. "Wir haben ein Problem in den Städten." Viele Menschen würden dort die Tiere absichtlich füttern. Waschbären seien relativ schlau und merken sich, wann und wo sie gefüttert wurden. "Und beim nächsten Mal bringen sie vielleicht gleich die ganze Verwandtschaft mit", so Böhning weiter.

Gefahr für heimische Arten

Natürliche Feinde haben Waschbären in Deutschland keine. Relativ ungehindert erobern sie so in Ökosystemen unbesetzte Nischen und verdrängen einheimische Arten, wie beispielsweise die Sumpfschildkröte. Denn der Waschbäre macht Jagd auf das in Deutschland vom Aussterben bedrohte Reptil. Auch deshalb sei das Füttern gesetzlich verboten und kann mit einem Bußgeld von bis zu 5.000 Euro bestraft werden, so Böhning.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 28.03.2016 | 12:00 Uhr