Stand: 26.02.2015 19:54 Uhr

Volkstheater: Intendant ist kämpferisch

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Intendant Latchinian will an Bord bleiben und kämpfen - ein Bürgerentscheid würde das Theater stärken, hofft er.

Nach dem Beschluss der Bürgerschaft könnten künftig mehr als 80 der aktuell 270 Stellen am Volkstheater Rostock wegfallen. Nach der Entscheidung zur Zukunft des Theaters gibt sich Intendant Sewan Latchinian kämpferisch. Gegenüber NDR 1 Radio MV betonte er, nicht zurücktreten zu wollen, sondern Verantwortung für das Haus zu übernehmen. Latchinian sprach von einer nichtdemokratischen Entscheidung, von einer Erpressung der Bürgerschaft. Ihm sei die Geschäftsgrundlage seiner Arbeit entzogen worden.

Bürgerentscheid soll es richten

Der Intendant setzt jetzt auf ein Bürgerbegehren in der Hansestadt, um dann mit einem Bürgerentscheid das Volkstheater in seiner jetzigen Form doch noch retten zu können. Für das Begehren sind 4.000 Unterschriften nötig. Für den Bürgerentscheid müssten allerdings mehr als 42.000 wahlberechtigte Rostocker mit Ja stimmen. Latchinian glaubt, dass in den kommenden Monaten die Unterstützung in der Stadt für das Theater wachsen werde. Er warte ab, wie es weitergehe, aber alles sei besser, so der Intendant, als zurückzutreten.

Knappe Mehrheit für Kooperationsmodell

Die Rostocker Bürgerschaft hat am Mittwoch einem Kooperationsmodell für das Rostocker Theater zugestimmt. 26 Abgeordnete von CDU, SPD, Grünen, FDP und "Für Rostock" votierten für das sogenannte "Funktionelle Vier-Sparten-Theater", 21 Abgeordnete dagegen, zwei enthielten sich. Der 2+2-Vorschlag sieht vor, Schauspiel und Konzertwesen als eigenständig zu erhalten. Musik- und Tanztheater sollen allerdings mit anderen Bühnen kooperieren.

Theater-Leitung soll selbst Sparkonzept erstellen

Vorausgegangen war der Abstimmung eine turbulente und emotionale Sitzung, die von Zwischenrufen und persönlichen Angriffen unterbrochen wurde. Intendant Sewan Latchinian appellierte für die Ablehnung der "schleichenden Spartenschließung" in seinem Haus. Pikant: Ausgerechnet die Theaterleitung soll nun ein Umsetzungskonzept erstellen. Geschäftsführer Stefan Rosinski hatte dies zuvor bereits als unmöglich bezeichnet. Die erhofften, wirtschaftlichen Spareffekte, so der Theater-Chef, würden sich nicht einstellen. Am Ende stünde man mit einem reduzierten Angebot da und einem Verlust, der nicht zu reparieren sei.

Stellenstreichungen würden viele Bereiche treffen

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Seit Monaten demonstrieren Rostocker gegen Spartenschließungen.

Am Ende setzten sich die Konzept-Befürworter durch. Betriebsbedingte Kündigungen werden in dem Konzept zunächst ausgeschlossen. Sie seien aber möglich, wenn betroffene Mitarbeiter alternative Angebote ablehnen, hieß es. Mit der Umsetzung der Pläne könnten im Haus bis zu 80 Stellen wegfallen. Betroffen davon wären nicht nur Sänger und Tänzer, sondern auch Mitarbeiter aus Technik und Verwaltung. Wie NDR 1 Radio MV berichtete, überlegte Latchinian nach der Sitzung zunächst laut, seinen Posten aufzugeben. Der Rostocker Bund bereitet ein Bürgerbegehren vor, um den Spartenabbau doch noch zu verhindern. Intendant Latchinian hat am Donnerstagnachmittag die Belegschaft des Hauses über die Auswirkungen der Entscheidung informiert.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 26.02.2015 | 20:00 Uhr

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