Stand: 16.12.2015 12:00 Uhr

Viele ortsfremde Investoren in der Landwirtschaft

Investoren halten landwirtschaftliche Flächen im Nordosten offenbar für sehr lukrativ. (Archivbild)

Wem gehören die Landwirtschaftsbetriebe in Ostdeutschland wirklich - den Bewirtschaftern vor Ort oder kapitalkräftigen Investoren im Hintergrund? Dieser Frage sind Wissenschaftler am Thünen-Institut in Braunschweig nachgegangen. In einer Studie der Agrarforschungsanstalt wurden von 2007 bis 2014 acht Landkreise untersucht, darunter auch Vorpommern-Rügen und die Mecklenburgische Seenplatte. Die Forscher kommen zu dem Ergebnis, dass sich überregional aktive Investoren häufig in die Betriebe einkaufen und damit auch in erheblichem Umfang Eigentümer von Grund und Boden werden.

Investoren erwerben häufig Anteile

Die Studie zeigt, dass sich die Investoren insbesondere durch den Erwerb von Anteilen oder von ganzen Betrieben in die Landwirtschaft einkaufen. Häufig treten sie demnach als sogenannte juristische Personen mit mehreren Eigentümern auf - also als eingetragene Genossenschaften, GmbH, Aktiengesellschaft oder GmbH & Co. KG. Als überregionale Investoren bezeichnen die Studien-Verfasser solche, die mehr als 50 Kilometer vom Landwirtschaftsbetrieb entfernt ihren Wohnsitz haben.

Der Nordosten ist besonders lukrativ

Mecklenburg-Vorpommern ist für die Investoren offenbar am lukrativsten. Denn im Vergleich mit anderen ostdeutschen Ländern treten hierzulande besonders viele in Erscheinung. In den beiden untersuchten Kreisen wurden 330 Agrarbetriebe berücksichtigt. Gut ein Drittel der von diesen Betrieben bewirtschafteten Fläche gehört zu Unternehmen, die sich im Mehrheitseigentum von nicht ortsansässigen Personen befinden. Gut ein Drittel davon sind meist Landwirte aus anderen Bundesländern. Der größere Teil von 18 Prozent gehört außerlandwirtschaftlichen Investoren aus verschiedensten Wirtschaftsbereichen an.

Wissenschaftler: Grundstücksverkehrsgesetz wirkt nur teilweise

Die Studienergebnisse könnten zu Konsequenzen im Grundstückverkehrsgesetz führen. Dieses erfülle seinen Zweck in Ostdeutschland nur teilweise, folgert der Autor der Studie, Andreas Tietz. Der Kauf von Agrarflächen müsse von den Behörden genehmigt werden. Dies treffe auf die Übernahme von Gesellschafteranteilen aber nicht zu, so dass den Behörden solche Geschäfte verborgen blieben.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 16.12.2015 | 13:00 Uhr