Stand: 09.02.2016 17:32 Uhr

Verbände fürchten um Existenz der Schulsozialarbeit

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Die Landeschefin der GEW, Lindner, unterstützt die Forderung nach finanzieller Unterstützung der Schulsozialarbeit durch das Land.

Die Erziehungsgewerkschaft GEW, Landesjugendring und mehrere Wohlfahrtsverbände in Mecklenburg-Vorpommern haben vor dem Aus der Schulsozialarbeit gewarnt. In einem offenen Brief forderte das "Aktionsbündnis Schulsozialarbeit" am Dienstag das Land zu verbindlichen Zusagen für die finanzielle Unterstützung auf. Bisher werden die etwa 330 Schulsozialarbeiter in MV größtenteils aus EU-Mitteln finanziert. Diese Förderung endet 2020.

Förderung aus ESF-Mitteln läuft 2020 aus

Sie schlichten im Schulhof-Streit, trösten Scheidungs-Kinder und organisieren Praxis-Tage in Betrieben. Die Schulsozialarbeiter kümmern sich für ihre Schüler um all das, wofür im Unterricht keine Zeit ist. Ihre Zukunft aber ist ungewiss. Seit 2008 werden die Betreuer überwiegend aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) bezahlt. Den Rest geben Kreise und Kommunen dazu, nicht selten aus Mitteln des Bildungs- und Teilhabepaketes, wenn dort Gelder übrig bleiben. Für jeden dieser Geldgeber müssen Schulsozialarbeiter ihre Arbeit dokumentieren, viele arbeiten befristet und werden je nach Haushaltslage in Voll- oder Teilzeit beschäftigt. Im Gespräch mit NDR 1 Radio MV berichten Sozialarbeiter von überbordender Bürokratie.

Wissenschaftler betonen die Bedeutung der Arbeit

Eine verlässliche Unterstützung forderte auch der Bildungswissenschaftler Franz Prüß, der Schulsozialarbeit lange an der Uni Greifswald gelehrt und erforscht hat. Die SSA leiste unersetzbare Arbeit in der Konfliktlösung. Die Betreuer seien diejenigen, die Konflikte sehr feinfühlig bearbeiten könnten, so der Wissenschaftler. Wie das Aktionsbündnis mitteilte, wollen die Vertreter das Wahljahr nutzen, um Druck auf die Politik auszuüben. Elf Millionen Euro aus Landesmitteln wären nötig, um die Sozialarbeiter weiter zu finanzieren, so die Forderung. Außerdem will das Bündnis die Arbeit der Betreuer gesetzlich verankern lassen. Die meisten Schulsozialarbeiter möchten in der Obhut des Sozialministeriums bleiben, sie verstünden sich nicht als Angestellte, hieß es.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 09.02.2016 | 16:00 Uhr