Stand: 28.09.2017 16:56 Uhr

Unmut auf Usedom: Infrastruktur im Argen

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Jedes Jahr im Sommer quält sich der Reiseverkehr durch Wolgast und über Usedom. (Archivbild)

Jedes Jahr im Sommer bietet sich auf Usedom das selbe Bild: Kilometerlange Autokolonnen wälzen sich von Süden her in Richtung Küste. Die Urlauber kommen. Was die Gastronomie erfreut, treibt manch einem die Zornesröte ins Gesicht. Die Verkehrsprobleme auf der Insel sind mittlerweile für viele Einheimische unzumutbar geworden. Jetzt schlagen Unternehmer und Gemeinden auf der Insel Alarm.

Stau

Verkehrsinfarkt auf Usedom

Nordmagazin -

Lange Staus auf der Bundesstraße auf Usedom sind nicht nur für Urlauber eine Zumutung. Viele Handwerker lehnen mittlerweile Aufträge ab. Wann kommt der Straßenausbau?

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Handwerker berechnen höhere Anfahrtskosten

Die B 111 ist die einzige Bundesstraße auf Usedom, die den Inselnorden mit dem Süden verbindet. Im Sommer, wenn Hochkonjunktur herrscht und Urlauber bei Ausflügen oder der An- und Abreise die Straße frequentieren, geht dort fast nichts mehr. Unternehmen vom Festland meiden in dieser Zeit die Insel und nehmen kaum noch Aufträge an, sagt der Chef des Unternehmerverbandes Vorpommern, Gerold Jürgens: "Da muss man anders kalkulieren, als wenn wir in Greifswald oder Rostock arbeiten." Wenn beispielsweise ein Heizunsgmonteur vom Festland auf die Insel gerufen wird, müsse dieser wegen des Verkehrs teilweise je zwei Stunden für An- und Abreise zusätzlich auf die Rechnung draufschlagen.

Abwasser konnte nicht geklärt werden

Für die auf Usedom lebenden Menschen verteuerten sich somit Dienstleistungen, so Jürgens. Er fordert deshalb Abhilfe - etwa den dreispurigen Ausbau des rund 30 Kilometer langen Usedomer Teils der Bundesstraße. Bis zu 13.000 Autos fahren täglich auf ihr. Auch die Seebäder sehen Handlungsbedarf. Dort wurde wegen des steigenden Urlauberverkehrs eine Unterschriftensammlung für mehr Kreisverkehre gestartet. Heringsdorfs Bürgermeister Lars Petersen (parteilos) weist auf ein weiteres Problem hin: "Der Verkehr ist das eine. Das zweite ist, dass wir beispielsweise in Zinnowitz eine Abwasserproblematik haben." In den Sommermonaten sei es nicht möglich gewesen, dass entstandene Abwasser zu klären. "Es ist teilweise ungeklärt eingeleitet worden", sagt Petersen.

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Kurdirektor fordert Bettenobergrenze

Usedom gelange mit seinen steigenden Urlauberzahlen zusehends an seine Grenzen, so Petersen. Offiziell gibt es knapp 45.000 Betten auf der Insel, Privatquartiere nicht mitgerechnet. Experten schätzen die tatsächliche Bettenzahl deshalb deutlich höher ein. Obwohl die Insel größtenteils von Urlaubern lebt, vertrage sich der wachsende Tourismus nicht mit den Bedürfnissen der Einheimischen, meint Heringsdorfs Kurdirektor Thomas Heilmann. Er fordert deshalb eine Bettenobergrenze auf der Insel: "Da muss sich auch im Baugesetzbuch etwas ändern, weil ohne so eine Änderung bekommen wir das nicht hin." Heilmann plädiert für Qualitätsverbesserungen. Aus kleinen Einheiten sollten größere erzeugt werden. Die freiwerdenden Betten könnten dann verkauft werden und dann könnte man etwas Neues entstehen lassen.

Schlechte Bahnanbindung

Auch Bürgermeister Petersen will keinen Bettenzuwachs mehr, solange die Infrastruktur nicht stimmt. Selbst bei der Bahn gerate Usedom mehr und mehr aufs Abstellgleis: "Bei uns nimmt man die IC-Anbindung aus Berlin weg. Die DB Regio lässt die UBB nicht mehr durchfahren nach Greifswald oder Stralsund. Den letzten Tritt bekommen alle Einheimischen." Und: Ohne ausreichende Bahnanbindung fahren die meisten dann doch wieder mit dem Auto und reihen sich in den Stau ein. Eine neue Anbindung der Insel mit Brücke und Ortsumgehung in Wolgast ist laut Verkehrsministerium in der Planfeststellung. Wann sie den Verkehr auf Usedom entlasten wird, ist jedoch noch nicht klar.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 28.09.2017 | 16:15 Uhr

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