Stand: 26.08.2015 17:41 Uhr

Übergriff auf Asylheim: Kein Schnellverfahren

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In dem Parchimer Asylbewerberheim leben etwa 50 Flüchtlinge in Wohnungen.

Nach dem Übergriff auf ein Asylbewerberheim in Parchim hat das Amtsgericht Ludwigslust am Mittwochnachmittag den Antrag auf ein beschleunigtes Verfahren abgelehnt. Da beide Angeklagte am Mittwoch in der Verhandlung vor dem Amtsgericht Ludwigslust nicht geständig gewesen seien, sei kein beschleunigtes Verfahren möglich, sagte ein Gerichtssprecher.

Eine Flüchtlingsunterkunft in Parchim

Bewaffnete dringen in Flüchtlingsheim ein

Nordmagazin -

Zwei mit einem Messer bewaffnete Männer sind in eine Flüchtlingsunterkunft in Parchim eingedrungen. Die Flüchtlinge brachten sich in Sicherheit und alarmierten den Wachdienst.

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Beschuldigte wieder freigelassen

Die Hauptverhandlung gegen die 29 und 31 Jahre alten Beschuldigten aus Parchim werde daher erst im Frühjahr 2016 stattfinden. Das Gericht habe die in der Anklage erhobenen Vorwürfe der Bedrohung und des Hausfriedensbruchs abgemildert. Im Prozess gehe es nun um versuchte Nötigung, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Die Tatverdächtigen wurden auf freien Fuß gesetzt.

Auf Nachfrage sagte ein Richter des Amtsgerichts, dass zu Prozessbeginn weder eine vollständige Ermittlungsakte vorgelegen habe, noch Zeugen zur Verfügung gestanden hätten. Zudem gebe es keine Geständnisse der Männer.

Caffier: "Hätten deutliches Signal gebraucht"

Innenminister Lorenz Caffier (CDU) bedauerte die Entscheidung gegen ein beschleunigtes Verfahren. "Wir hätten dieses deutliche Signale an potenzielle Straftäter dringend gebraucht. Und auch die Menschen in unserem Land, die sich für ein friedvolles Miteinander engagieren, erwarten als klares Signal des Rechtsstaates, dass er solche Aktionen bestraft", erklärte Caffier.

Sellering zeigt sich besorgt

Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) sprach von einem besorgniserregenden Vorfall. Er sei froh, dass niemand zu Schaden gekommen sei, erklärte Sellering am Rande seiner Bürgersprechstunde in Kirchdorf auf der Insel Poel.

Nach dem Übergriff hatte Innenminister Caffier Landkreise und kreisfreie Städte aufgefordert, den Wachschutz in den kommunalen Gemeinschaftsunterkünften zu verstärken. Die finanziellen Aufwendungen dafür würden wie bisher auch vom Land erstattet.

Bewaffnet und betrunken

Laut Staatsanwaltschaft hatten sich die beiden Männer am Dienstagabend gewaltsam Zutritt zum Asylbewerberheim verschafft und "sich in feindseliger Absicht einer Gruppe von Flüchtlingen genähert". Die alarmierte Polizei konnte sie überwältigen und festnehmen. Einer der Eindringlinge hatte ein 20 Zentimeter langes Messer bei sich. Ein Test ergab, dass beide über zwei Promille Alkohol im Blut hatten. Nach Angaben aus dem Polizeipräsidium Rostock sind die Männer wegen Körperverletzung und Eigentumsdelikten polizeibekannt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 26.08.2015 | 17:30 Uhr