Stand: 28.02.2012 14:13 Uhr

Trotz Insolvenz: G8-Hotel bleibt geöffnet

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Schwarzer Tag für das weiße Haus: Am Montag hatte das Amstsgericht Aachen die Insolvenz des Grand Hotel Heiligendamm festgestellt.

Eine Frau sitzt mit acht Männern in einem Strandkorb: Das Bild vom G8-Gipfel mit Angela Merkel und den Regierungschefs der G8-Staaten ging 2007 um die Welt. Jetzt ist das Strandkorb-Hotel pleite. Am Montag hatte das Grand Hotel in Heiligendamm Insolvenz anmelden müssen. Am Dienstagmittag nahm der vorläufige Insolvenzverwalter, Jörg Zumbaum, die Geschäfte auf. Damit setzte er einen Beschluss des zuständigen Amtsgerichtes Aachen um. Das Gericht hatte die Insolvenz der Grand Hotel Heiligendamm GmbH & Co. KG sowie der Grand Hotel Heiligendamm GmbH angenommen.

"Ein schwarzer Tag"

Grund für die Entscheidung des Gerichts: Die Kreditzinsen konnten nicht mehr gezahlt werden. Zudem hätten die Banken erklärt, ihre Kredite nicht zu verlängern, sagte Firmenchef Anno August Jagdfeld. "Die Insolvenz der Fonds-Gesellschaft ist ein schwarzer Tag. Ich bedauere diesen Schritt zutiefst, war aber dazu gesetzlich gezwungen."

Hotel-Chef wirft Kommune "Sabotage" vor

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Das Grand Hotel in Deutschlands ältestem Seebad an der Ostsee ist die bekannteste Immobilie der Fundus Gruppe.

Gleichzeitig erhob Jagdfeld Vorwürfe gegen die Kommune Heiligendamm. Die ständigen Querelen mit der Stadtgemeinde und den Anwohnern hätten zum  schlechten Ruf des Hotels beigetragen und Gäste abgeschreckt. "Das Image von Heiligendamm war von da an ruiniert, als das Hotel zum öffentlichen Gelände erklärt wurde", so Jagdfeld weiter. Jahrelang seien die Gäste durch Heerscharen von Radlern und neugierigen Spaziergängern gestört worden. "Jetzt noch besteht die Gemeinde auf einem Wanderweg mitten durch das Hotelgelände, das ist reine Sabotage", sagte der Geschäftsführer.

"Ruinöse fixe Idee"

Der Stadtvertretervorsteher Bad Doberans, Guido Lex (Bürgerbund) reagierte seinerseits mit Vorwürfen. Das Aus sei vorhersehbar gewesen, so Lex. Die offenbar "ruinöse fixe Idee" von der Abschottung Heiligendamms habe ihr Ende gefunden. Er erwarte ein neues Konzept, das ökonomisch-realistische Gegebenheiten beachte. Der designierte Bürgermeister Bad Doberans, Thorsten Semrau (parteilos), betonte am Dienstag, nun gelte es, für den Erhalt der Arbeitsplätze nach Möglichkeiten zu suchen.

300 Beschäftigte bangen um ihre Jobs

In den kommenden Wochen soll der Insolvenzverwalter nach einer Lösung suchen, wie der Hotelbetrieb aufrechterhalten und eine Zerschlagung verhindert werden kann. Das Unternehmen sei aber nicht überschuldet, hieß es. Alle Gläubiger könnten von einer vollständigen Zahlung ausgehen. "Ich bin aber zuversichtlich, dass eine Lösung möglich ist, die den dauerhaften Betrieb des Grand Hotel Heiligendamm sichert", erklärte Jagdfeld. Derzeit arbeiten im Grand Hotel Heiligendamm fast 300 Frauen und Männer. Deren Gehaltsansprüche seien durch das Insolvenzgeld abgesichert.

Pleite trotz schwarzer Zahlen

Das Insolvenzverfahren eröffne die Chance, neue Interessenten zu finden, die die erforderlichen Investitionen finanzieren und das unternehmerische Risiko tragen, sagte Jagdfeld. Im Jahr 2010 hatte das Hotel erstmals ein Plus von 800.000 Euro erwirtschaftet. Auch im vergangenen Jahr schrieb das Hotel schwarze Zahlen. Noch Ende Januar sprach Hoteldirektor Henning Matthiesen davon, neue Mitarbeiter einstellen zu wollen.