Stand: 15.04.2015 19:37 Uhr

Tollensetal-Schlachtfeld gibt weiter Rätsel auf

Seit fast 20 Jahren ist ein internationales Archäologie-Team im Tollensetal einer vorzeitlichen Schlacht auf der Spur. Seit Ostern graben die Forscher erneut nach Zeugnissen aus der Bronzezeit. Vor rund 3.300 Jahren hatten nahe des Flusses fast 4.000 Menschen einen brutalen Kampf mit vielen Toten ausgefochten. Nur Stück für Stück gibt der Boden die Spuren der Auseinandersetzung preis. Noch immer rätseln Experten über Ursache und Ausgang der Schlacht.

1996 fand man die ersten Hinweise

1996 wurden in dem Tal die ersten Knochen und eine Pfeilspitze gefunden. Später konnten die Historiker eine alte Wegtrasse festmachen, die zum Fluss führte. Nach Ansicht der Forscher wollte dort offenbar eine Gruppe den Fluss überqueren, die gegnerische Partei wollte das verhindern. Wie Grabungsleiterin Gundula Lidke im Gespräch mit NDR 1 Radio MV sagte, erstreckt sich das Forschungsgebiet - und vermutlich auch das Schlachtfeld - inzwischen auf über 2,5 Kilometer. Neben zahlreichen Opfern, die durch Pfeil und Bogen ums Leben kamen, fanden die Archäologen auch Kampfspuren.

Einige Kämpfer starben auf der Flucht

Offenbar wurden einige der Kämpfer durch Pfeilschüsse, Axt- und Keulen-Hiebe von hinten getötet. Vielleicht, so die bisherige Analyse, waren sie auf der Flucht. Die meisten der Opfer waren zwischen 20 und 30 Jahren alt und männlich.

Waffen aus Südosteuropa?

Neben den Archäologen kommen auch Chemiker wie Robert Lehmann von der Universität Hannover zum Einsatz. Mittels Analyse der chemischen Zusammensetzung lässt sich das Kupfer der Pfeilspitzen nach Südosteuropa zurückverfolgen. Andere Spuren weisen auf unterschiedliche Herkunftsgebiete der Kämpfer hin.

Ausgrabungen noch bis 2016

Die Experten glauben, manches inzwischen erklären zu können, etwa den Ausgangspunkt der Schlacht sowie Teile ihres Verlaufes. Auch zur Herkunft von Menschen und Waffen gibt es Erkenntnisse. Doch der Grund für die Auseinandersetzung ist bislang im Dunklen geblieben. Die Ausgrabungen werden seit Beginn der Forschungen mit Mitteln vom Land und der Deutschen Forschungsgemeinschaft in Höhe von insgesamt 1,5 Millionen Euro unterstützt. Noch bis zum kommenden Jahr wollen die Archäologen Spuren sammeln - um dann vielleicht ein besseres Bild von der Schlacht im Tollensetal zu bekommen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 12.01.2017 | 19:00 Uhr

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