Stand: 17.05.2017 07:34 Uhr

Talk im Funkhaus: Das war "Der NDR im Gespräch"

Die Zuschauer und Hörer stellten Fragen zum Programm - und die Verantwortlichen des Norddeutschen Rundfunks beantworteten diese. Der Talk im Funkhaus am Dienstagabend im NDR Landesfunkhaus in Schwerin ist bei den Zuschauern und Hörern des NDR auf breites Interesse gestoßen. Funkhausdirektorin Elke Haferburg, Intendant Lutz Marmor, Hörfunkdirektor Joachim Knuth und der Fernsehprogrammdirektor Frank Beckmann stellten sich den Fragen im Foyer des Funkhauses in einer von Stefan Horn, dem Leiter des NDR Ostseestudios Rostock, moderierten Runde.

Vielfältige und kritische Fragen

Dabei kam ein breites Spektrum zur Sprache: Es reichte von der Übertragungstechnik (Wann wird DAB+ ausgebaut? Antwort: Im ganzen Norden bis zum Jahr 2020 bzw. 2021) über die praktische Arbeit in den Redaktionen (Wie oft werden bei Hörfunk-Nachrichten eigentlich die Schlagzeilen variiert? Antwort: Laufend und je nach Gewichtung der Redaktionen) bis hin zu den unterschiedlich hohen Kosten einzelner Sendungen (Eine Tatort-Folge benötigt rund 24 Drehtage und eine lange Nachproduktion, dagegen können an einem Tag drei Kochsendungen aufgezeichnet werden). Auch die Inhalte des Nordmagazins und anderer Sendungen im NDR Fernsehen und ihre Zukunft kamen zur Sprache. Ein immer wieder aktuelles Thema ist auch das der Unabhängigkeit der Redaktionen.

Gibt es womöglich beim NDR Zensur, wollte ein Fragesteller wissen. "Nein, es wird nicht zensiert. Das ist ganz klar die Antwort", machte Elke Haferburg deutlich. "Natürlich wird in den Redaktionen überlegt, was wichtig ist und was gesagt wird. Natürlich gibt es auch abnehmende Redakteure, die darauf schauen, dass die Sachen verständlich und nachvollziehbar sind. Aber es ist schon ein riesengroßer Unterschied dazu, wie früher in der DDR Journalismus funktioniert hat. Journalisten können jetzt Politiker alles fragen und Missstände aufdecken und sie werden nicht von den Chefredakteuren zurückgehalten. Diese Meinungs- und Pressefreiheit zu leben, ist unser Anspruch."

Noch mehr aus den Regionen?

Es gab auch zahlreiche Anregungen aus Zuschriften, von Zuschauern des Online-Livestreams sowie aus dem Publikum. So äußerte ein Zuschauer den Wunsch, die Regionalität des Programms weiter auszubauen. Ein Anderer würde gerne nicht nur die vielen schönen Landschaften und Orte des Nordens im Programm sehen, sondern auch mehr über erfolgreiche Unternehmen aus den Regionen erfahren. Elke Haferburg nahm die Anregung auf und verwies auf das NDR Nordmagazin, in dem auch immer wieder Firmenporträts stattfinden. Auch in Sendungen wie "Wie geht das?", die von den Landesfunkhäusern produziert werden und in denen zum Beispiel gezeigt wird, wie Produkte gemacht werden, sind Unternehmen Teil der Berichterstattung.

Frank Beckmann erwähnte Sendungen wie die Landpartie, in denen viele Firmen vorgestellt würden, die Heike Götz auf ihrer Tour besucht. "Aber vielleicht kann man da auch schon ein bisschen mehr machen", sagte er. Intendant Lutz Marmor verwies darauf, dass letztlich auch alles eine Frage des Geldes sei. "Denn Sie müssen bedenken: Was wir mehr für Mecklenburg-Vorpommern machen, müssen wir dann auch mehr für die anderen drei Länder ausgeben."

Der Talk zum NDR in Bildern

Auch Schlagermusik Teil der Diskussion

Der Rundfunkbeitrag, das Musikprogramm im Radio und die Sportrechte waren ebenso Thema in der Diskussion. Es wurde auch nicht an Kritik gespart. Manch Einer würde sich mehr regionalen Sport wünschen, ein Anderer vermisst seine geliebte Schlager-Musik im Programm von NDR 1 Radio MV. Ja, der deutsche Schlager polarisiere ungemein, bestätigte Elke Haferburg und sie könne das Anliegen der Fans dieser Musikrichtung durchaus verstehen. Dennoch sei die Entscheidung, keine Schlagertitel auf NDR 1 Radio MV zu spielen aber keineswegs eine persönliche Geschmacksfrage, erklärte Haferburg, weder von ihr noch von einzelnen Redakteuren im Sender. Umfragen und Tests haben schlicht und einfach mehrfach erwiesen, dass für Menschen, die keinen Schlager mögen, ein solcher Titel im Programm ein klarer "Um-" und "Abschalter" sei und diese Hörer dann auch nicht so leicht wieder zurück zu NDR 1 Radio MV kommen würden. Das sei nicht im Sinne des Anspruchs, einschaltbares Programm für so viele Menschen wie möglich in Mecklenburg-Vorpommern zu machen, so Haferburg.

Hörfunkdirektor Knuth ergänzte, dass er froh sei, dass man mit NDR Plus mittlerweile ein Programm habe, das viele Schlagerfans abholt. Es werde in Zukunft versucht, den noch geringen Wortanteil dabei - zur Zeit Nachrichten und einzelne moderierte Stunden - weiter zu erhöhen. So gab es beispielsweise kürzlich ein langes Interview mit Rolf Zuckowski zu seinem siebzigsten Geburtstag. Doch mehr Wort koste mehr Geld und da müsse sorgfältig abgewägt werden, was möglich ist und woran dafür an anderer Stelle gespart werden müsse.

"Einem Intendanten geht es manchmal wie dem Bundestrainer"

Letztlich komme es darauf an, eine Ausgewogenheit in den Programmen zu finden, die möglichst vielen Menschen und deren Hör- und Sehgewohnheiten im Sendegebiet entspreche, so der Tenor in der Runde. Für Hörfunkdirektor Joachim Knuth ist deshalb die ausgewiesene Reichweite - im Hörfunk belegt das die sogenannte MA-Analyse - wichtig, um zu sehen, wie erfolgreich eine Radiowelle wie NDR 2, N-JOY, NDR Info oder NDR Kultur ist. Frank Beckmann machte deutlich, "als Fernsehdirektor kriege ich jeden Morgen um 8.25 Uhr Zeugnisse, nämlich die Einschaltquoten". Für Lutz Marmor ist klar, "einem Intendanten geht es manchmal wie dem Fußball-Bundestrainer: Jeder glaubt zu wissen, wie es am Besten geht."

"Beeindruckend, wie gut informiert die Zuschauer über unser Programm sind"

"Ich habe vor allem mitgenommen, wie gut informiert unserer Zuschauerinnen und Zuschauer und unsere Zuhörerinnen und Zuhörer über unsere Programme sind", resümierte ein sichtlich zufriedener Lutz Marmor. "Wie wichtig sie die Programme nehmen und wieviel Anregungen sie uns geben. Das ist wirklich beeindruckend. Wir werden nie alles erfüllen können, aber jeder Beitrag regt zum Nachdenken an und ist wichtig. Und was ich sehr sehr angenehm fand: Es war bei aller Kritik, die oft auch nachvollziehbar war, ein großes Grundwohlwollen zu spüren."

Alle Fragen, die zu diesem Talk in Funkhaus eingegangen sind und die aus Zeitgründen am Abend nicht mehr angesprochen werden konnten, werden im Nachgang von Mitarbeitern der Programmbereiche beantwortet.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Der Tag | 17.05.2017 | 07:00 Uhr

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