Stand: 19.06.2017 15:32 Uhr

Studie warnt: Zuviele Neubauten auf dem Lande

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Eine Studie warnt vor den Folgen zu vieler Haus- und Wohnungsneubauten in ländlichen Regionen. (Archivbild)

Das Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW) kritisiert die starke Zunahme des Wohnungsbaus in ländlichen Gebieten. Gerade in strukturschwachen Regionen werden laut einer IW-Baubedarfsanalyse mehr neue Wohnungen und Einfamilienhäuser gebaut als aufgrund der schrumpfenden Einwohnerzahlen benötigt werden. Spitzenreiter im negativen Sinne sind in Mecklenburg-Vorpommern die beiden Vorpommern-Kreise.

Vorpommern-Kreise negative Spitzenreiter

Dort seien in den vergangenen Jahren rund fünfmal soviel Wohnungsneubauten errichtet worden als nach der Bevölkerungsprognose benötigt würden. Die Kölner Wirtschaftsforscher sehen den Wohnungsmarkt zu 529 beziehungsweise 473 Prozent gedeckt. Das heisst: Es wird rund fünfmal mehr gebaut als tatsächlich benötigt wird. In Nordwestmecklenburg sind es der Studie zufolge immerhin noch doppelt soviele Wohnungen (200 Prozent). Der Landkreis Rostock kommt auf 190 Prozent und Ludwigslust-Parchim auf 160 Prozent.

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In den Städten fehlen Wohnungen

In den Städten stellt sich die Situation dagegen entgegengesetzt dar. Während auf den Dörfer die Leerstände von morgen gebaut würden, fehlten in den Städten Wohnungen - insbesondere eher kleinräumige. So auch in Mecklenburg-Vorpommern: Weiter steigenden Bedarf sehen die Kölner Wirtschaftsforscher in Rostock und Schwerin. In der Landeshauptstadt müsste demnach fast doppelt so viel gebaut werden, um den Bedarf langsfristig zu decken. In Rostock fehlen immerhin noch 12 Prozent bis zur Bedarfsdeckung.

Neubrandenburg wurde in der Untersuchung nicht eigens ausgewiesen, da die Stadt nicht mehr kreisfrei ist. Dies könnte für den statistischen Effekt verantwortlich sein, dass im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte als einzigem Landkreis nicht mehr Häuser gebaut werden als benötigt. Denn in Demmin beispielsweise ist die Leerstandsquote eindeutig höher als in Neubrandenburg. Auch dort gibt es inzwischen kaum noch freie Wohnungen.

Leerstand und Verödung drohen

Die Autoren der Studien bemängeln, dass die niedrigen Zinsen und die Menge an verfügbaren Baugrundstücken die aus ihrer Sicht negative Entwicklung befördern. Das Institut warnt vor steigenden Leerständen und Verödung der Dorfkerne, wenn an den Rändern immer neue Baugebiete ausgewiesen würden. Durch die Zersiedlung kämen zusätzliche Infrastrukturkosten auf die Kommunen zu. Außerdem könnten die finanziellen Folgen für die Bauherren drastisch sein, wenn sich die Eigenheime im Alter als unverkäuflich erweisen.

Gemeinden sollten umsteuern

Die Fachleute fordern ein Umdenken in den Gemeinden. Trotz des interkommunalen Wettbewerbs sollten Bürgermeister keine neuen Bauflächen ausweisen und Neubau an einen Abbau von Leerstand koppeln, "um den Bestand attraktiver zu machen". Gleichzeitig sollten Kommunen mit schrumpfender Bevölkerung die Innenentwicklung fördern und ihre Zentren attraktiver gestalten. Hier sei auch die Unterstützung von Bund und Land gefordert, so das IW.

Aktuell Rückgang der Bautätigkeit

Insgesamt geht derzeit der Bau von Wohnungen im Nordosten zurück. In den ersten vier Monaten des Jahres 2017 erteilten die Behörden in Mecklenburg-Vorpommern laut Statistischem Bundesamt Genehmigungen zum Neubau von 1.271 Wohnungen. Das waren 19 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres, als noch Anträge für 1.580 neue Wohnungen genehmigt worden waren. Der Rückgang fiel damit im Nordosten noch deutlicher aus als im gesamten Bundesgebiet.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 19.06.2017 | 12:00 Uhr

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