Stand: 17.01.2016 11:19 Uhr

Stralsunder Forscher im Wal-Bergungseinsatz

Forscher des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund haben am Wochenende bei der Bergung der toten Pottwale an der Nordseeküste geholfen. Zwei Tage lang waren die Experten in Schleswig-Holstein im Einsatz. Die Stralsunder Meeresbiologen zerlegten auf der Halbinsel Nordstrand drei Pottwal-Kadaver, untersuchten deren Organe beispielsweise auf Parasitenbefall und legten die Skelette frei. Unterstützt wurden sie dabei von Studenten der Universität Rostock.

Begehrte Skelette

Die Stralsunder Forscher erhoffen sich von den Untersuchungen neue Erkenntnisse über den Bestand und die Entwicklung der Meeressäuger. Fleisch- und Fettmassen wurden bereits in mehreren Containern entsorgt. Einige Organe und Gewebe wollen die Wissenschaftler aber noch genauer im Labor untersuchen. Außerdem sind die riesigen Walskelette sehr begehrt. Sie sollen präpariert und in Museen und Forschungseinrichtungen ausgestellt werden. Auch das Meeresmuseum Stralsund hatte sich um ein Skelett beworben, die habe aber nicht geklappt, wie der Kurator für Meeressäuger, Michael Dähne, NDR 1 Radio MV sagte.

Zwölf Pottwale verendet

Insgesamt waren in der Nordsee innerhalb einer Woche mindestens zwölf Pottwale verendet. Die Forscher vermuten, dass sich die Tiere ins Flachwasser verirrten, in Stress gerieten und dann qualvoll verendeten. Im Magen eines Tieres waren zwar Reste eines Fischernetzes entdeckt worden, doch dies ist nicht die Todesursache gewesen, so die Experten.

Vermehrtes Walsterben Zeichen für gewachsene Population?

Nach Ansicht der Stralsunder Experten ist das vermehrte Walsterben der vergangenen Jahre aber nicht zwangsläufig negativ zu deuten. So könnte es auch Anzeichen dafür sein, dass insgesamt wieder mehr Wale in den Meeren unterwegs seien, weil diese nicht mehr so stark bejagt würden. Gesicherte Ergebnisse dazu gebe es aber noch nicht.

Abschleppen, bergen, untersuchen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 17.01.2016 | 12:00 Uhr