Stand: 04.06.2015 13:25 Uhr

Sportplatz-Sanierung mit Wurmkur gescheitert

Im Jahr 2009 erregte die Stadt Bergen auf Rügen mit einer ungewöhnlichen Maßnahme Aufsehen: Auf dem Fußballrasen im gerade sanierten Stadion stand nach Regenfällen das Wasser und floss nicht ab. 200.000 Regenwürmer sollten Abhilfe schaffen und den Boden auflockern. Die Spezial-Würmer der Sorte "Dutch Nightcrawler" wurden für 8.000 Euro eigens aus den Niederlanden angeschafft.

Ein Mann hält eine durchsichtige Kiste mit Regenwürmern. © NDR Fotograf: Screenshot

Wurmkur für gefluteten Sportplatz

extra 3 -

In Bergen auf Rügen wurde der Sportplatz saniert. Doch seither läuft das Wasser nicht mehr ab. 200.000 Regenwürmer aus Holland sollen den Boden durchwühlen. Ein genialer Plan - der scheitert.

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"Die Regenwürmer haben versagt"

Nun ist die ungewöhnliche Wurmkur offiziell für gescheitert erklärt worden. "Die Regenwürmer haben versagt", hatte schon Bauamtleiter Rainer Starke einem NDR Team von extra 3 gesagt. Anstatt den Rasen trocken zu legen, türmten die eifrigen Tierchen zahllose kleine Erdhäufchen auf. Die Qualität des Rasens verschlechterte sich weiter. Laut dem Präsidenten der Stadtvertreter, Eike Bunge, ist der Hauptplatz nur bespielbar, wenn es sehr trocken ist. 80 bis 90 Prozent der Spiele würden auf dem Nebenplatz mit Kunstrasen ausgetragen.

Kritik vom Steuerzahlerbund

Diesen hatte die Stadt im Rahmen einer Stadionertüchtigung zusammen mit einer Drainage für den Hauptplatz errichten lassen. Die rund eine Million Euro teure Maßnahme wurde aus dem Konjunkturpaket des Bundes gefördert, was der Steuerzahlerbund kritisiert hatte. Auch der Regenwurm-Einsatz war 2010 von den Steuergelder-Wächtern angeprangert worden.

Würmer verstopfen Drainage

Jetzt soll der Rasen auf dem Hauptplatz saniert werden, dies sei beschlossen, sagte Bunge. "Der Platz soll zur Fußballsaison 2015/2016 wieder voll nutzbar sein." Laut "Ostsee-Zeitung" verursacht das Kosten in Höhe von rund 20.000 Euro. Dazu müssen die Regenwürmer wieder vertrieben werden. Denn ausgerechnet die Würmer verstopfen die neu angelegte Drainage. Auch der Regenwurm-Einsatz war 2010 von den Steuergelder-Wächtern angeprangert worden.

Regenwürmer sollen an die Oberfläche getrieben werden

Wie Stadtpräsident Bunge erläuterte, wird bei dem "Regenbogenumsiedlungsprogramm" Biodyozon eingesetzt. Dabei handelt es sich um ein umweltfreundliches Mittel, das die Tiere an die Oberfläche treibt. Helfer sollen die Tiere dann einsammeln und an anderer Stelle wieder aussetzen. "Das ist eine kleine Provinzposse", gesteht Bunge ein. "Aber wir müssen da jetzt durch."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 04.06.2015 | 16:00 Uhr