Stand: 05.01.2016 09:47 Uhr

Sellering besorgt über Passkontrollen

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Erwin Sellering zeigte sich auf NDR Info besorgt über die dänischen Grenzkontrollen.

Schweden hat seine Grenzen lange Zeit für Flüchtlinge offen gehalten. Doch nun werden an der Grenze zu Dänemark die Pässe kontrolliert. So will man den bislang ungeordneten Zustrom in den Griff bekommen. Als Folge hat auch Dänemark wieder Kontrollen an der Grenze zu Deutschland eingeführt, damit nicht mehr so viele Flüchtlinge ins Land kommen. So verlagert sich das Problem, ohne dass es gelöst wird. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) zeigte sich im NDR Info Interview besorgt über diese Entwicklung.

Sorge einerseits, Verständnis andererseits

Sellering sagte, dass sich Europa durch seine Freizügigkeit innerhalb der Länder auszeichne - und diese sieht er nun gefährdet: "Wenn es jetzt im Rahmen der Flüchtlingskrise dazu kommt, dass wir die Grenzen schließen, ist das kein gutes Zeichen." Gleichzeitig äußerte der SPD-Politiker Verständnis für den Wunsch, dass Länder wie Schweden, die sich bisher besonders aufnahmewillig gezeigt hätten und nun darunter leiden, die Flüchtlingsbewegung jetzt in geordnetere Bahnen lenken möchten. Es sei aber dringend notwendig, diese Ordnung insgesamt in der EU herzustellen.

Rückstau von Flüchtlingen nicht wahrscheinlich

Einen Rückstau von reisenden Flüchtlingen in Mecklenburg-Vorpommern erwartet Sellering nicht. Er verwies darauf, dass mehrere Tausend Flüchtlinge über Rostock nach Schweden gereist seien, als die Grenzen offen waren. Als klar war, dass Schweden die Grenzen "dichter" machen würde, sei dieser Strom sofort abgeebbt. Es handele sich um eine Generation von Flüchtlingen, die über Smartphones sehr eng vernetzt sei. Das Problem sei, dass im Moment so viele Menschen aus den Krisengebieten unterwegs seien: "Das muss gelöst werden durch eine große Anstrengung der EU insgesamt." Deutschland alleine könne das nicht schaffen.

Flüchtlinge vernünftig integrieren

Zu der Frage, ob er glaube, dass das Thema Flüchtlinge die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern im September entscheiden oder mitentscheiden werde, antwortete Sellering: "Ich hoffe nicht. Ich nehme doch wahr hier in der Diskussion im Land, dass die meisten Menschen sehr klug unterscheiden. Diejenigen, die auf die Straße gehen und rechtsextreme Parolen brüllen, erfahren sehr viel Ablehnung." Ihm liege viel daran, dass die demokratischen Parteien zusammenhalten und auch die große Zahl der Menschen ernst nehmen, die Bedenken und Sorgen haben, ohne sich laut zu äußern, sagte Sellering weiter. Man müsse alles tun, um die Flüchtlinge vernünftig zu integrieren und diejenigen zurückschicken, die keinen Bleibeanspruch haben. "Wir müssen das Problem insgesamt so in den Griff bekommen, dass es uns nicht über Gebühr belastet."

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NDR Info | 05.01.2016 | 06:50 Uhr