Stand: 11.01.2017 14:24 Uhr

Schutzzone für Schweinswale vor Schweden

Schweinswale gehören zu den kleinsten Walen der Welt.

Mit unter zwei Metern Länge ist der Schweinswal einer der kleinsten Wale und der einzige, der dauerhaft in der Ostsee lebt. Wissenschaftler haben drei Populationen ausgemacht: in der Nordsee, südlich von Dänemark und mittlerweile auch eine in der zentralen Ostsee. Aus wie vielen Tieren diese Population besteht, hat die Forschung bisher nur schätzen können. Ein Forschungsprojekt der Ostsee-Anrainerstaaten namens SAMBAH hat unter anderem darüber nun Klarheit geschaffen und bildet sogar die Grundlage für das größte Schutzgebiet Schwedens. Daran beteiligt waren auch Forscher vom Deutschen Meeresmuseum in Stralsund.

Großes Schutzgebiet zwischen Öland und Gotland

Das schwedische Schutzgebiet ist mehr als eine Million Hektar groß - das entspricht ungefähr derselben Fläche, die deutschlandweit von Biobauern beackert wird. Das schwedische Ostsee-Schutzgebiet liegt zwischen den Inseln Öland und Gotland. Es ist Ergebnis der SAMBAH-Studie (Static Acoustic Monitoring of the Baltic Sea Harbour Porpoise). Über zwei Jahre haben Forscher mit einem flächendeckenden Netz von mehr als 300 Detektoren in der Ostsee Schweinswale gezählt und damit verfolgen können, wo sie sich aufhalten.

Forscher ermitteln Fortpflanzungsgebiet

Die Auswertung dieser Schweinswal-Laute ergab: Die Meeressäuger sind nahezu überall in der Ostsee anzutreffen, aber nur wenige in der zentralen Ostsee, fasst Mats Amundin, der schwedische Projektleiter, zusammen: "Das Interessanteste war, dass wir in der zentralen Ostsee, in flachen Gestaden südlich von Gotland, eine Konzentration von Schweinswalen im Sommerhalbjahr gefunden haben. Das ist die Paarungszeit und das Gebiet offensichtlich ein bedeutendes Fortpflanzungsgebiet für den Ostsee-Schweinswal."

"Der Ostsee-Schweinswal ist ernsthaft gefährdet"

Außerdem konnten die Wissenschaftler die Zahl der Schweinswale in der zentralen Ostsee erstmals genauer bestimmen. Zuvor war diese spezielle Population im Wesentlichen geschätzt worden. Nun müsse die Forschung davon ausgehen, dass es nicht einmal mehr 500 Tiere sind, sagt der Zoologe aus Kolmarden: "Der Ostsee-Schweinswal ist ernsthaft gefährdet und ist als solches auch von der IUCN klassifiziert." Die IUCN - die Weltnaturschutzunion - führt den Ostsee-Schweinswal auf der Roten Liste der Arten.

Noch kann etwas getan werden

Mit nur 500 Exemplaren gelte der kleine Wal als vom Aussterben bedroht, ergänzt Amundins deutscher Kollege Michael Dähne, Kurator für Meeressäuger am Deutschen Meeresmuseum in Stralsund: "Wir sind in einem Bereich, in dem wir noch sehr gut noch etwas tun können. Da die Schätzungen in den letzten zehn bis 20 Jahren gar nicht so sehr voneinander abgewichen sind, ist die Nachricht, dass es jetzt ein Schutzgebiet gibt, eine sehr gute Nachricht.“

Stalsunder Forscher leisteten Pionierarbeit

Das sei vor allem auch das Verdienst der Forscher am Deutschen Meeresmuseum, betont Mats Amundin, der sich seit den frühen 1970er-Jahren in der Walforschung - insbesondere in der Echo-Ortung - einen Namen gemacht hat: "Die Kollegen vom Meeresmuseum sind die mit der längsten und weitreichendsten Erfahrung. Im Bereich der Arbeit mit Click-Detektoren sind sie die Pioniere und waren ein wichtiger Projekt-Partner. Sie wurden wegen bürokratischer Hürden nicht von der EU finanziert, haben aber trotzdem Mittel und Wege gefunden. Und sie haben sehr genaue Daten gesammelt - typisch deutsch eben. Wichtig waren alle Projektpartner, aber die Deutschen, die waren die Wichtigsten."

"Nur ein erster Schritt"

Erst vor Kurzem hat die schwedische Regierung einen Antrag an die Europäische Kommission gestellt, das neue Schutzgebiet in das Natura-2000-Netzwerk aufzunehmen. Das Schutzgebiet ist aus hiesiger Sicht nur ein erster Schritt, betont Michael Dähne: "Aber es ist ein sehr guter Schritt. Wir müssen jetzt sehen, dass das auch weiter untermauert wird durch Schritte, die in den anderen Baltic-Anrainer-Staaten unternommen werden - und das schließt Deutschland mit ein." Denn jeder Schweinswal der zentralen Ostsee, der vom Menschen getötet wird, auch wenn er unabsichtlich in einem Fischernetz verendet, sei ein Schweinswal zu viel, sind sich die Walforscher aller Ostsee-Anliegerstaaten einig. Frühestens in einem Jahr steht fest, ob das schwedische Großschutzgebiet auch in das europäische Schutznetzwerk Natura 2000 aufgenommen wird.

Weitere Informationen

Meeresmuseum peilt 2016 Besucher-Plus an

Das Deutsche Meeresmuseum peilt in diesem Jahr ein leichtes Plus bei den Besucherzahlen an. Pläne für eine Fusion von Ozeaneum und Meeresmuseum werden von der Museumsleitung bestätigt. (17.12.2016) mehr

Erneuter Salzwasser-Einbruch in die Ostsee

Novemberstürme haben 76 Kubikkilometer Salzwasser von der Nord- in die Ostsee befördert. Wissenschaftler bewerten solche Salzwasser-Einbrüche als positiv für den Lebensraum. (10.12.2015) mehr

Großer Lauschangriff auf Schweinswale

Ein internationales Forschunsgprojekt will neue Erkenntnisse über Schweinswale in der Ostsee gewinnen. Dazu werden 300 Schalldetektoren am Meeresgrund verankert. (14.10.2012) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 11.01.2017 | 18:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

00:41

Ahrenshoop: Kammermusiktage heben begonnen

22.10.2017 16:30 Uhr
Nordmagazin
00:28

Handball: Schwerin unterliegt Hamburg

22.10.2017 19:30 Uhr
Nordmagazin
02:30

Die Woche im Nordmagazin

22.10.2017 19:30 Uhr
Nordmagazin