Stand: 04.01.2016 15:17 Uhr

Schülermangel an Grundschulen

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Mindestens 20 Schüler müssen in MV angemeldet werden, um eine erste Klasse aufzumachen.

Mecklenburg-Vorpommern kämpft weiter mit den Folgen des Geburtenknicks. Fast jede dritte Grundschule im Land bringt nicht die nötige Schülerzahl in den Einstiegsklassen auf. Das geht aus einer Antwort des Bildungsministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor, die dem NDR vorliegt.

Zu wenig Erstklässler-Anmeldungen

Von knapp 250 Grundschulen verfehlen immerhin 71 die Vorgaben. Das heißt, an Einzelstandorten kommen oft nicht die an sich nötigen 20 Schüler zusammen, um überhaupt eine erste Klasse aufzumachen. In Altenhof im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte sind es an der dortigen Grundschule beispielsweise nur neun Schüler. Allerdings hat diese Schule wie 37 andere im Land den Status "Kleine Grundschule auf dem Land" - für diese Schulen gelten bisher Ausnahmeregeln.

Müssen Mindestschülerzahlen gesenkt werden?

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Bildungsexpertin Simone Oldenburg (Die Linke) fordert, die Mindestschülerzahlen zu senken.

Die Bildungsexpertin der Linksfraktion, Simone Oldenburg, fürchtet um den Bestand vieler kleinerer Schulen vor allem auf dem Land. Die Vorgaben für die Mindestschülerzahlen müssten dringend gesenkt werden, von 20 auf 15, fordert Oldenburg. Denn sollten weitere Schulen geschlossen werden, drohten noch weitere Wege für viele Grundschüler. Schon jetzt werde die zumutbare Fahrzeit von höchstens 40 Minuten zwischen Haustür und Schule für Grundschüler oft nicht eingehalten. Ab der fünften Klasse gelten 60 Minuten Schulweg als zumutbar.

Auch Regionalschulen und Gymnasien schwächeln

Aus den Zahlen des Bildungsministerium geht außerdem hervor, dass auch viele Regionalschulen - nämlich 59 von 137 Schulen - nicht die erforderlichen Schülerzahlen in der fünften Klasse aufbringen. Außerdem haben immerhin sieben von 51 Gymnasien in der elften Klasse nicht die nötigen Schülerzahlen für den Einstieg in die Oberstufe. Nach Oldenburgs Berechnung verfehlt demnach rund jede vierte Schule im Land die Mindestschülerzahl.

Bildungsministerium: Debatte an den Haaren herbeigezogen

Das Bildungsministerium sieht keinen besonderen Grund zu reagieren. Das Schulgesetz biete schon jetzt die Möglichkeiten, in bestimmten Fällen Ausnahmen zu erlassen. Die Debatte sei an den Haaren herbeigezogen und nur dazu geeignet, Eltern und Lehrkräfte unnötig zu verunsichern, so ein Sprecher auf Anfrage des NDR. Seit dem Jahr 2009 steige die Gesamtschülerzahl in Mecklenburg-Vorpommern wieder kontinuierlich an. Dieser Trend werde sich nach den Prognosen im gesamten Jahrzehnt fortsetzen - dabei sei die steigende Zahl der Flüchtlinge noch nicht einmal berücksichtigt.