Stand: 22.09.2015 15:29 Uhr

Massenkarambolage 2011: Lkw-Fahrer vor Gericht

Vor dem Amtsgericht Rostock hat am Dienstag ein weiterer Prozess um die tödliche Massenkarambolage im Sandsturm auf der Autobahn 19 vor vier Jahren begonnen. Angeklagt ist ein Lkw-Fahrer aus dem Landkreis Rostock. Bei dem katastrophalen Unfall am 8. April 2011 waren 85 Fahrzeuge ineinander gerast. Acht Menschen kamen dabei ums Leben, rund 130 wurden verletzt.

Angeklagter bestreitet Vorwürfe

Die Staatsanwaltschaft wird dem 52-Jährigen fahrlässige Tötung vor. Er soll damals mit zu hohem Tempo in die Sandwolke gefahren sein. Beim Aufprall auf ein Auto starb der Fahrer, dessen Ehefrau wurde schwer verletzt. Nach Meinung der Staatsanwältin hat der Angeklagte mit seiner Fahrweise das Sichtfahrgebot in eklatanter Weise verletzt. Doch der Mann widersprach vor Gericht. Er sei nicht zu schnell gefahren, sondern habe seine Geschwindigkeit dem vor ihm fahrenden Laster angepasst.

Ehefrau eines Toten als Zeugin

Auch sei er nicht aufgefahren, vielmehr habe er seinen Lkw rechtzeitig zum Stehen gebracht. Erst ein dritter Lkw habe ihn auf das Fahrzeug vor ihm geschoben. Der Anwalt des Angeklagten betonte, dass sein Mandant den Tod des Mannes bedaure, er trage daran aber keine Schuld. Die Streitpunkte blieben ungeklärt. Als Zeugen sagten unter anderem die Ehefrau des Toten sowie zwei weitere Lkw-Fahrer aus. Die Verhandlung soll am 6. Oktober fortgesetzt werden.

Vier Strafbefehle gegen Autofahrer

Im ersten Prozess, der Anfang Juli zu Ende gegangen war, wurde eine 54-jährige Autofahrerin vom Amtsgericht verwarnt. Die Staatsanwaltschaft hatte nach mehrjährigen Ermittlungen vier Strafbefehle wegen fahrlässiger Tötung erlassen. Die Autofahrerin aus Brandenburg und der Lkw-Fahrer hatten dagegen Einspruch erhoben. 

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 22.09.2015 | 16:00 Uhr