Stand: 02.02.2016 15:20 Uhr

Rügen: 2.000 Kubikmeter Kreide abgebrochen

An der Steilküste Rügens ist es bei Sassnitz zu einem größeren Küstenabbruch gekommen.

Nach dem Wetterwechsel von einer längeren Frostperiode hin zu wärmeren Temperaturen mit Niederschlägen hat sich an Rügens Steilküste ein größerer Abbruch ereignet. Nach Angaben des Landesamtes für Umwelt und Geologie (LUNG) in Güstrow sind vor einigen Tagen zwischen Sassnitz und Lohme etwa 2.000 Kubikmeter Kreide, Mergel und Lehm abgerutscht. Rund einen Kilometer südlich der Mündung des Kieler Baches rage nun die etwa 30 Meter lange, zungenförmige Ausbruchsmasse in die Ostsee.

Leichtsinnig: Neugierige suchen Fossilien

Nach Angaben eines Sprechers des Nationalparkes Jasmund hätten Neugierige damit begonnen, an der Abbruchstelle südlich des Kieler Baches nach Fossilien zu suchen. Das Amt warnte erneut eindringlich vor Wanderungen unterhalb der Steilküsten. Insbesondere auf Rügen ist es in der Vergangenheit immer wieder zu Abbrüchen gekommen. Dabei waren schon weit größere Mengen Geröll in die Tiefe gestürzt als beim jüngsten Abbruch. So brachen in der Nacht auf den 24. Februar 2005 die leuchtenden Hauptzinnen der Wissower Klinken von der Steilküste ab. Dabei sackten 50.000 Kubikmeter Kreide in die Ostsee. Von dem Rügener Wahrzeichen blieben nur zwei Stümpfe übrig.

An diesen Steilküsten droht Gefahr

Gefährliche Steilküsten

Diese Abbrüche stellen insbesondere für Urlauber eine große Gefahr dar. Trotz Warnungen geraten Wanderer immer wieder in Notlagen. Tragischer Höhepunkt: Weihnachten 2011 war am Kap Arkona auf Rügen ein zehnjähriges Mädchen verschüttet worden. Die Leiche wurde erst Wochen später entdeckt. Als besonders gefährlich gelten die bis zu 70 Meter hohen Steilküsten bei Jasmund, Wittow und Granitz. Aber auch auf Hiddensee, auf dem Fischland bei Ahrenshoop und im Klützer Winkel kommt es an den Steilküsten immer wieder zu Abbrüchen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 02.02.2016 | 15:00 Uhr