Stand: 23.08.2017 07:59 Uhr

Rostock gedenkt rassistischer Ausschreitungen

Bild vergrößern
Die Ausschreitungen von 1992 "mahnen und verpflichten uns bis heute auf besondere Weise", sagte Schwesig.

Rostock hat mit einer Gedenkveranstaltung an die rassistischen Ausschreitungen in Lichtenhagen vor 25 Jahren erinnert. "Wir wollen vor allem alles dafür tun, dass sich Ereignisse, wie wir sie im August 1992 erlebt haben, in Deutschland nie wieder wiederholen", sagte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) am Dienstag in der Rostocker Marienkirche. An den Vorfällen von 1992 gebe es nichts zu beschönigen.

"Von Hass und Hetze nicht weit bis zur Gewalt"

"Mecklenburg-Vorpommern hat in den vergangenen Jahren deutlich gemacht, dass wir den Kampf gegen den Rechtsextremismus als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstehen", so Schwesig weiter. Es sei wichtig, dass die Politik diejenigen unterstütze, die sich für Demokratie einsetzten. Gerade mit jungen Menschen, die sich abgehängt fühlten, müsse präventiv gearbeitet werden, da sie leicht empfänglich für radikale Ideologien seien. "Von Hass und Hetze ist es nicht mehr weit bis zur ausgeübten Gewalt", sagte die Ministerpräsidentin.

Gedenkveranstaltung 25 Jahre nach den rassistischen Ausschreitungen im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen

25 Jahre: Rostock gedenkt rassistischer Krawalle

Nordmagazin -

Am 22. August 1992 begannen die rassistischen Ausschreitungen im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen. In der Marienkirche fand nun der Auftakt für die Gedenkwoche statt.

bei Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Bürgerschaftspräsident: Stadt ist auf gutem Weg

Sie trage zwei Gefühle in ihrem Herzen, so Schwesig. "Auf der einen Seite die Scham über die Vorfälle '92. Und gleichzeitig der Stolz von heute zu sehen, dass viele Menschen sich der Verantwortung gestellt haben, wir das gut aufgearbeitet haben und dass wir heute zeigen, dass uns Mitmenschlichkeit ganz wichtig ist." Der Rostocker Bürgerschaftspräsident Wolfgang Nitzsche (Linke) sagte, die Stadt auf einem guten Weg. Beweis dafür sei das Engagement vieler Bürgerinnen und Bürger für Geflüchtete. "Ich war erstaunt, wie viele Menschen Hilfe geleistet haben, weil die Verwaltung eigentlich überfordert war. Darauf baue ich auch, dass in Rostock so etwas wie damals in Lichtenhagen in dieser Form nicht noch einmal vorkommt. Ich glaube, da gibt es genügend Menschen, die sich dann zusammenfinden und dagegen angehen."

Erste von fünf Stelen eingeweiht

Der Vorsitzende des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, betonte, Angriffe auf Ausländer oder Minderheiten seien immer auch Angriffe auf die Demokratie und den Rechtsstaat. Die aktuelle Flüchtlingsdiskussion zeige, dass die Politik dies noch nicht erkannt habe. Im Anschluss an die Veranstaltung wurde vor dem Rathaus die erste von fünf thematischen Gedenkstelen enthüllt. Vier weitere Stelen sollen bis zum Sonnabend in verschiedenen Stadtteilen eingeweiht werden.

Kommentar

Zusammenbruch der Zivilgesellschaft

Das brennende Hochhaus, grölende Leute draußen, verängstigte Menschen drinnen - Rostock-Lichtenhagen steht auch heute für den Zusammenbruch der Zivilgesellschaft. Ein Kommentar von Jürgen Hingst. mehr

Angriff mit Brandsätzen - Beifall von Anwohnern

Vom 22. bis 26. August 1992 hatten Hunderte Jugendliche und Erwachsene, darunter viele Rechtsradikale, die Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber im Sonnenblumenhaus sowie ein benachbartes Wohnheim für Vietnamesen belagert. Unter dem Beifall von Anwohnern griffen sie das Haus mit Brandsätzen an. 120 Vietnamesen und einige Deutsche hatten sich nur durch Flucht auf das Dach des Hauses vor dem Feuer retten können.

Gedenkwoche mit vielfältigen Veranstaltungen

Im Verlauf dieser Woche sind weitere Diskussionsveranstaltungen, Vorträge und Filmvorführungen in verschiedenen Einrichtungen geplant, mit denen ein deutliches Zeichen gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in Rostock gesetzt werden soll. Die Gedenkwoche endet am Sonnabend mit dem Tag der Vielfalt am Sonnenblumenhaus. Geplant ist dazu eine Fahrraddemonstration quer durch die Stadt nach Lichtenhagen.

Geschichte

Vor 25 Jahren: Ausschreitungen in Lichtenhagen

Vor 25 Jahren, am 22. August 1992 begannen die ausländerfeindlichen Krawalle in Rostock-Lichtenhagen. Die Bilder des brennenden Sonnenblumenhauses gingen um die Welt. mehr

Chronologie der Krawalle in Rostock-Lichtenhagen

Vier Tage dauern die Übergriffe an - was geschah wann? Eine Chronik der Ereignisse im August 1992. mehr

5 Bilder

Aufmerksam machen auf "Gestern Heute Morgen"

Im Sommer 1992 kam es in Rostock-Lichtenhagen zu massiven fremdenfeindlichen Ausschreitungen. Zum 25. Jahrestag soll mit Skulpturen daran erinnert werden. Die Entwürfe sind im Rathaus zu sehen. Bildergalerie

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 23.08.2017 | 07:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

02:42

Feuerwehr: "Stiefelgeld" sorgt für Diskussion

21.10.2017 19:30 Uhr
Nordmagazin
00:40

Hauptverkehrsader in Greifswald abgesackt

21.10.2017 19:30 Uhr
Nordmagazin
02:01