Stand: 17.03.2016 08:30 Uhr

"Power for Kids": Mehr Opfer melden sich

In der Missbrauchsserie in einem Schweriner Jugendverein hat sich die Opferzahl offenbar deutlich erhöht. Wie NDR 1 Radio MV berichtete, wäre das gegenüber dem Prozess gegen den Mit-Gründer von "Power for Kids" eine Verdoppelung der Opferzahl. Wie der Sozialdezernent für Schwerin, Andreas Ruhl, am Rande des mit den Vorgängen befassten Untersuchungsausschusses mitteilte, haben sich mittlerweile insgesamt 26 Kinder gemeldet. Allen betroffenen Kindern und ihren Familien habe man individuelle Hilfsangebote gemacht oder werde das noch tun, sagte Ruhl.

Gramkow zieht Konsequenzen

Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow (Die Linke) hatte bereits am Dienstagabend vor dem Hauptausschuss personelle Konsequenzen im Jugendamt angekündigt. So soll der Abteilungsleiter der Behörde auf einen anderen Posten in der Verwaltung versetzt werden. Eine Sozialarbeiterin und die Amtsleiterin bekommen eine Abmahnung.

Amt soll neu strukturiert werden

Außerdem sollen das Amt neu strukturiert und alle Mitarbeiter besser geschult werden, damit sich Vorkommnisse wie bei den Missbrauchsfällen bei "Power for Kids" nicht wiederholen. Der inzwischen verurteilte Vereinsmitgründer konnte nach den ersten konkreten Hinweisen im Jugendamt Kinder in 42 weiteren Fällen sexuell missbrauchen, bevor er verhaftet und zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt wurde.

Stadtvertreter kritisieren mangelhafte Schulung

Unklar bleibt allerdings die Rolle des damals zuständigen Jugenddezernenten. Er hat sich bislang noch nicht zu den Vorfällen geäußert, obwohl er bereits zweimal dazu aufgefordert worden ist. Den Stadtvertretern im Hauptausschuss reichten Gramkows Konsequenzen nicht. Sie kritisierten eine völlig unzureichende Schulung und Weiterbildung der Jugendamtsleiter. Diese hatten offenbar bestehende Dienstanweisungen nicht umgesetzt. Zu diesem Ergebnis war ein Untersuchungsbericht gekommen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 16.03.2016 | 07:00 Uhr