Stand: 25.02.2016 15:41 Uhr

Polizei-Panne: Mehr Aufklärung gefordert

 

Der umstrittene Einsatz eines Mobilen Einsatz-Kommandos (MEK) vor rund zwei Wochen in Lutheran (Landkreis Ludwigslust-Parchim) hat am Donnerstag den Innenausschuss des Landtags in Schwerin beschäftigt. Innenminister Lorenz Caffier (CDU) hatte den Mitgliedern des Gremiums jedoch nicht allzu viel zu berichten. Er könne zu dem Polizeieinsatz nicht viele Details nennen, da die Staatsanwaltschaft in dem Fall noch ermittle, so Caffier. "Wir haben den Sachverhalt dargestellt, wie er sich derzeit abbildet." Dass Hamburger Polizisten in Mecklenburg-Vorpommern einen Mann festnehmen wollten, sei ein normales Verfahren. Allerdings seien die Folgen in diesem Fall fatal gewesen, räumte Caffier ein.

Verhängnisvolle Verwechslung

Bei dem Versuch eines Hamburger MEKs, einen gesuchten Straftäter aus dem Hamburger Rotlichtmilieu zu verhaften, war es zu einer Verwechslung gekommen. Dabei hatte ein Polizist dem Fahrer eines verdächtigen Autos in den Kopf geschossen. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den Verletzten, weil er angeblich eine Polizeisperre durchbrechen wollte. Der 27-jährige Mann lag tagelang im Koma. Inzwischen ist er erwacht. Nach Angaben seines Anwalts konnte er jedoch noch nicht befragt werden.

Weiterer Polizeieinsatz misslang

Zwei Tage vor dem Zwischenfall in Lutheran hatte bereits ein Einsatzkommando des Landeskriminalamts Mecklenburg-Vorpommern drei Bauarbeiter bei Plau am See überwältigt. Weil das Auto des Gesuchten in der Nähe stand, hatten die Ermittler den Mann unter den Arbeitern vermutet. Dies war jedoch nicht so.

Opposition will Hilfe aus Hamburg

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Bei dem Zugriff wurde eine andere Person als die gesuchte durch einen Kopfschuss schwer verletzt. (Archivbild)

Der Landtags-Opposition gingen die Ausführungen Caffiers nicht weit genug. Grüne und Linke verlangen mehr Details zum Ablauf des missglückten Zugriffs. "Mir stellt sich schon die Frage, warum man in Lutheran so agiert hat. Wenn man das Fahrzeug aus Hamburg bis hierher verfolgt hat, dann hätte man die Festsetzung auch an einer anderen Stelle machen können als im Umfeld einer Kita und einer Fleischerei", sagte der innenpolitische Sprecher der Linksfraktion, Peter Ritter.

War das MEK als Polizei zu erkennen?

Auch Johann Georg Jaeger von den Grünen hatte sich mehr von der Ausschuss-Sitzung erhofft - vor allem Klärung darüber, ob das MEK als Polizei für den Verfolgten klar zu erkennen war. In Mecklenburg-Vorpommern werde man nun erst einmal nicht mehr viel erfahren, sind sich Linke und Grüne sicher. Es bleibe der Weg über die Parteikollegen in Hamburg, meint Ritter. Das überlegen auch die Grünen, so Jaeger: "Weil es offensichtlich - wenn es länderübergreifende Einsätze gibt - nicht mehr ganz klar ist, wer zuständig ist. Unser Innenminister sagt: 'Das waren die Hamburger' und in Hamburg wird es kein Thema sein, weil es ja außerhalb des Landes geschah." Deshalb müsse es eine bessere Zusammenarbeit zwischen den Ländern geben.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 25.02.2016 | 16:15 Uhr