Stand: 08.10.2017 16:01 Uhr

Partei-Austritt: Manthei beklagt Hass in der AfD

von Maike Gross, NDR 1 Radio MV
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"Ein Teil der AfD-Mitglieder lebt in einer permanenten Weltuntergangsstimmung": Mit scharfen Worten würzt Matthias Manthei seinen Parteiaustritt.

Er war seit Gründung der Partei 2013 Mitglied der AfD - nun ist er aus der Partei ausgetreten: Der ehemalige Parlamentarische Geschäftsführer der Landtagsfraktion, Matthias Manthei, hat seinen Austritt am Sonntagnachmittag in einer persönlichen Erklärung bekannt gegeben. Der Schritt kommt nicht unerwartet: Bereits vor einigen Wochen war Manthei gemeinsam mit den drei weiteren AfD-Abgeordneten, Bernhardt Wildt, Christel Weißig und Ralf Borschke aus der Fraktion im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern ausgetreten. Kurz danach verließen der ehemalige Landessprecher der AfD, Wildt, und auch die Alterspräsidentin des Landtags, Weißig, die Partei. Nun zieht auch Manthei einen Schlussstrich unter das Kapitel AfD.

"Nach dem Scheitern der NPD fahren sie nun im Zug der AfD"

In der vierseitigen Erklärung erhebt der 45-Jährige schwere Vorwürfe gegen seine ehemaligen Parteifreunde, vor allem gegen die aus dem völkisch-nationalistischen Flügel der AfD. Manthei schreibt, es gebe viele Mitglieder, die glauben "mit der AfD nunmehr eine Plattform gefunden zu haben, auf der sie ihre radikalen Ansichten verwirklichen können. Nach dem Scheitern der NPD fahren sie nun im Zug der AfD." Die Themen illegale Masseneinwanderung und Islamisierung würden alle wichtigen Themen in der AfD von heute überlagern. "Ein erheblicher Teil der AfD-Mitglieder lebt allerdings in einer permanenten Weltuntergangsstimmung", schreibt Manthei weiter.

Manthei vergleicht AfD mit einer Mafia-Familie

In der AfD hätten sich zahlreiche frustrierte Menschen versammelt, die voller Hass gegen Andersdenkende seien - innerhalb und außerhalb der Partei, rechnet der ehemalige Parlamentarische Geschäftsführer der Fraktion ab. Wer es wage, die AfD zu kritisieren oder gar zu verlassen, werde als "Verräter, Ratte oder Schlappschwanz" beschimpft. Für die radikalen Mitglieder sei die AfD keine Partei, die als Organisation im parlamentarischen System notwendig sei. "Es scheint eher als Ersatzfamilie zu dienen, wobei Familie im Sinne einer Mafia-Familie zu verstehen ist, die man nicht verlassen kann und in der man sich gegenseitig wirtschaftlich versorgt." Manthei kommt nach Beschimpfungen auch gegen Christel Weißig zu dem Schluss: "Ich kann mittlerweile nachvollziehen, wie es Menschen gehen muss, die aus einer extremistischen Kameradschaft aussteigen wollen. Ich kann nunmehr die 'Exit'-Programme hierfür verstehen. Man muss eine starke Persönlichkeit sein, will man die AfD verlassen."

"Vielen Mitgliedern geht es allein um die Empörung"

Manthei hat diesen Schritt nun getan. Er glaubt außerdem, die AfD werde scheitern, sie biete keine Perspektive für eine positive Gestaltung unseres Landes. Vielen Mitgliedern gehe es allein um die Empörung. Das bräuchten sie wie Drogenabhängige ihre Drogen. Ob Manthei nun eine neue Partei gründet, in einer neuen Partei - etwa von der ebenfalls aus der AfD ausgetretenen Frauke Petry  - mitmacht oder sich in einer anderen Partei engagieren will, ließ der Jurist offen. In seiner persönlichen Erklärung heißt es dazu: "Politisch werde ich bleiben, der ich bin. Ich werde mich auch weiter für die Werte einsetzen, für die ich mich bisher eingesetzt habe, wie etwa Rechtsstaatlichkeit, soziale Marktwirtschaft, Meinungsfreiheit, innere Sicherheit oder Subsidiarität in der EU."

CDU hält Tür für die Abweichler offen

Die Einladung einer anderen Partei erhielt Manthei noch vor seinem Austritt aus der AfD. Der CDU-Politiker Sascha Ott, Mitbegründer des konservativen Kreises in der Union und stellvertretender Landesvorsitzender, hatte bereits erklärt, er könne sich jemanden wie Manthei gut in der CDU vorstellen. Die CDU kennt Manthei, von Beruf Richter in Anklam, allerdings bereits von innen: 1989 baute er in seinem Heimatort Anklam die Jugendorganisation der Partei, die Junge Union, mit auf, bevor er später aus der CDU wieder austrat.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 08.10.2017 | 16:00 Uhr

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