Stand: 25.08.2015 18:35 Uhr

Notärztin verweigert krankem Flüchtling Transport

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Eine Notärztin verweigerte den Rücktransport eines an Tuberkulose erkrankten Afghanen. (Archivbild)

In Wolgast hat die Besatzung eines Rettungswagens den Transport eines offenbar an Tuberkulose erkrankten Flüchtlings verweigert. Erst nachdem die Polizei die zuständige Notärztin auf die Pflicht zum Transport des Mannes hingewiesen hatte, wurde der Mann ins Wolgaster Krankenhaus gebracht. Das bestätigten ein Sprecher der Polizei und der zuständige Landkreis Vorpommern-Greifswald.

Mann mit Mundschutz wird von Polizei aufgegriffen

Der Vorfall ereignete sich am vergangenen Sonntag, wurde aber erst jetzt bekannt. Der 21-jährige Flüchtling aus Afghanistan wurde demnach am Vormittag mit Verdacht auf Tuberkulose in das Wolgaster Krankenhaus eingewiesen und in einem Einzelzimmer untersucht. Er war kurz zuvor bereits untersucht worden, eine Gewebeprobe bestätigte den Krankheitsverdacht. Kurze Zeit nach der Aufnahme verließ der Mann allerdings eigenmächtig das Krankenhaus, nach einer Fahndung griffen ihn Polizisten am Abend in der Nähe des Wolgaster Flüchtlingsheims auf, er trug einen Mundschutz.

Rettungswagen hätte desinfiziert werden müssen

Die Notärztin verweigerte allerdings den Rücktransport ins Krankenhaus in dem Rettungswagen, so ein Polizeisprecher. Als Begründung habe sie angegeben, dass das Fahrzeug aufwändig desinfiziert werden müsse und deshalb für andere Einsätze erst einmal nicht zur Verfügung stehe. Die Ärztin soll den Beamten empfohlen haben, den Mann im Streifenwagen zurück ins Krankenhaus zu bringen.

Polizisten belehren Notärztin

Die Polizisten wiesen die Ärztin auf die Pflicht zum Transport hin, der eine halbe Stunde später - auch nach Rücksprache mit der Polizeieinsatzleitung - erfolgte. Ein Sprecher des Landkreises Vorpommern-Greifswald bestätigte das, der Vorfall werde intern ausgewertet. Bei dem Einsatz trugen die Beamten Mundschutz. Eine Ansteckung gilt als unwahrscheinlich. Der Mann wird derzeit im Krankenhaus weiterbehandelt. Nach NDR Informationen soll untersucht werden, ob sich Mitbewohner in der Flüchtlingsunterkunft angesteckt haben.

Ärzte haben in der Vergangenheit immer wieder einen besseren Gesundheitsschutz für Flüchtlinge und Asylbewerber angemahnt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 26.08.2015 | 06:00 Uhr