Stand: 04.03.2016 18:25 Uhr

Nordic-Werften: Kurzarbeit nach Übernahme?

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Auf die 1.400 Beschäftigten könnte bis Mitte 2017 Kurzarbeit zukommen.

Einem großen Teil der Mitarbeiter der Nordic-Werften in Wismar, Warnemünde und Stralsund könnte nach Informationen von NDR 1 Radio MV in einigen Monaten Kurzarbeit drohen. Offenbar gibt es bereits Gespräche über die Gewährung von Hilfen. Der Grund: Den Werften geht allmählich die Arbeit aus. Die Endfertigung der Konverter-Plattform "DolWin gamma" ist möglicherweise schon im Sommer abgeschlossen. In Wismar und Stralsund werden die Fundamente gefertigt, in Warnemünde wird der Aufbau abgeschlossen. Der neue Eigner, die Genting Gruppe aus Malaysia, werde mit dem angekündigten Bau von Kreuzfahrtschiffen jedoch nicht gleich im Anschluss beginnen, heißt es aus Kreisen der Schiffbauer. Das brauche eine längere Vorlaufzeit - frühestens Mitte 2017 wird mit ersten Schweißarbeiten gerechnet.

Kurzarbeit

Die Hilfe wird von der Arbeitsagentur gezahlt, wenn für mindestens 30 Prozent der Belegschaft ein "vorübergehender und erheblicher Arbeitsausfall" festgestellt wird. Das Kurzarbeiter-Geld beträgt bei Beschäftigten, die mindestens ein Kind haben, 67 Prozent des letzten Nettolohns, bei allen übrigen 60 Prozent.

Arbeitsministerium bestätigt Gespräche

Um die drohende beschäftigungslose Zeit für einen großen Teil der 1.400 Mitarbeiter zu überbrücken, ist offenbar an Kurzarbeit gedacht. Auch zusätzliche Hilfen des Landes sind im Gespräch. Nach NDR-Informationen hat es dazu Gespräche mit der Landesregierung und der Arbeitsagentur gegeben, auch von Qualifizierungsmaßnahmen der Arbeitsagentur ist die Rede. Ein Sprecher von Arbeitsministerin Birgit Hesse (SPD) wollte zu Inhalten nichts sagen, er bestätigte lediglich, dass es Gespräche gebe. Der Warnemünder Betriebsratschef Harald Ruschel erklärte, er wisse nichts von Kurzarbeit, an allen drei Standorten würden sich die Kräne drehen. Denkbar ist auch, dass Genting die Belegschaft nach kompletter Übernahme aus eigener Tasche voll bezahlt - um einen Weggang von Fachpersonal zu verhindern.

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Lloyd-Vorstand: "Riesiges Auftragsvolumen"

Dagegen gab der Vorstand des neuen norddeutschen Werften-Verbundes eine Art Arbeitsplatzgarantie. "Keiner muss Angst haben um seinen Arbeitsplatz. Im Gegenteil: Es wird eine besondere Aufgabe sein, das alles an Arbeit zu schaffen, was vor uns liegt", teilte Lloyd-Vorstand Rüdiger Pallentin am Freitag in Bremerhaven mit. Das Auftragsbuch bringe Arbeit für die nächsten zehn Jahre, hieß es. Bislang war die Rede von vier neu zu bauenden Luxuskreuzfahrtschiffen und vier Flusskreuzfahrtschiffen. Der Neubau-Bestand der Lloyd Werft sei durch den Genting-Konzern auf zehn Einheiten gewachsen. Was genau unter "Einheiten" zu verstehen ist und ob es dabei schon um Schiffe für die Genting-Kreuzfahrtreedereeien geht, blieb unklar. Die von der Genting-Gruppe in Auftrag gegebene Serie von Kreuzlinern und erstmals auch Flusskreuzfahrtschiffen lasse die Werft stärker gen Osten blicken - insbesondere zu den Werften nach Mecklenburg-Vorpommern, die künftig zur Lloyd Familie gehören. Es gebe ein "riesiges Auftragsvolumen".

Bau von Kreuzfahrtschiffen bereitete Probleme

Nach dem Verkauf der Nordic-Werften an die Genting-Gruppe hoffen die maritimen Zuliefer-Firmen in Mecklenburg-Vorpommern auf bessere Geschäfte. Allerdings warnt die Branche auch vor Euphorie. Der Zulieferer-Verband "MAZA" will in zwei Wochen die neue Situation beraten. Aus dem Umfeld hieß es, die Firmen im Nordosten hätten Kapazitäten und Erfahrungen im Bau von Kreuzfahrtschiffen. Allerdings solle niemand so tun, als ob die Fertigung dieser Schiffe keine Herausforderung wäre. In der Vergangenheit habe es Schwerigkeiten gegeben: in Wismar bei der Fertigung für Aida und in Stralsund bei den Scandlines-Fähren. Außerdem gehe ein großer Teil der Zulieferer-Aufträge in andere Länder. Die Motoren beispielsweise kämen traditionell aus Süddeutschland. Insgesamt habe die Branche durch die Auftragsflaute unter Nordic gelitten. Die Abkehr vom Bau der Konverter-Plattformen mache auch technische Umrüstungen auf den Werften erforderlich. Die IHK-Rostock würdigte den russischen Werfteneigner Witali Jussofow, er habe die Werften über Jahre "heiß gehalten" und so eine Übernahme erst möglich gemacht.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 04.03.2016 | 05:00 Uhr