Stand: 10.06.2017 08:00 Uhr

Nobelpreisträger zur Hausen: Zu wenig Prävention

Der Nobelpreisträger für Medizin, Harald zur Hausen, hat sich enttäuscht über die Präventionslage in Deutschland geäußert. "Ich fände eine Impfpflicht von der Sache her richtig", sagte der Virologe am Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg am Freitag in Schwerin. Dort trug sich der Mediziner am Nachmittag ins Goldene Buch der Stadt ein, am Sonnabend gastiert zur Hausen auf einer Konferenz des Hartmannbundes. Ihn verbänden bewegende Erinnerungen mit der Stadt, schrieb der Wissenschaftler ins Goldene Buch, denn die Nacht des Mauerfalls 1989 habe er als Teilnehmer eines Kongresses in Schwerin erlebt.

Krebsforscher Harald zur Hausen im Gespräch.

Nobelpreisträger Harald zur Hausen im Gespräch

Nordmagazin -

Für seine Forschungen zu Viren und Gebärmutterhalskrebs hat Harald zur Hausen den Nobelpreis erhalten. Im Gespräch berichtet der Wissenschaftler von seiner Arbeit.

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Impfung gegen Krebsart ermöglicht

Zur Hausen hat den Zusammenhang zwischen Viren und der Entstehung von Krebs entdeckt. 2008 wurde er dafür mit dem Nobelpreis für Medizin geehrt. Aufgrund seiner Forschungsergebnisse gibt es heutzutage eine Imfpung gegen Gebärmutterhalskrebs. Es ist eine der häufigsten Erkrankungen bei Frauen. Rund die Hälfte der 12 bis 17 Jahre alten Mädchen in Mecklenburg-Vorpommern nimmt diese kostenlose Krebsprävention in Anspruch.

Schlechte Impfsituation in Deutschland

Im Vergleich zu Skandinavien, zu den Niederlanden oder England sei die Impfsituation von Mädchen und jungen Frauen in Deutschland schlecht. Maximal 40 Prozent von ihnen würden je nach Bundesland geimpft. Sachsen sei das einzige Land, das auch Jungen und Männer zwischen 15 und 40 Jahren impfe. Männer gelten als Hauptüberträger der Krankheit, weil sie in dieser Altersgruppe im Schnitt mehr Sexualpartner haben als Frauen, wie der Mediziner sagte.

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Mit 81 Jahren noch im Dienst der Wissenschaft

In Deutschland würden jährlich 2.400 bis 2.500 Frauen an Gebärmutterhalskrebs erkranken. Knapp 100.000 vorbeugende Operationen würden durchgeführt, die durch eine Impfung ebenfalls verhindert werden könnten. Als Skandal bezeichnete es zur Hausen, dass es trotz Impfmöglichkeiten in Deutschland noch Masern gebe, sogar mit Todesfällen. Zur Hausen war 20 Jahre Leiter des Krebsforschungszentrums in Heidelberg. Dort forscht der inzwischen 81-Jährige immer noch.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 09.06.2017 | 17:30 Uhr

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