Stand: 07.04.2017 12:51 Uhr

Neue Pflegeausbildung kommt - mit Kompromiss

von Louisa Maria Giersberg

Jetzt also doch. Was hatten CDU und SPD, Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverbände gestritten: Mehr als ein Jahr stand die Reform der Pflegeausbildung auf der Kippe. Überraschend ist allerdings, dass es jetzt anders kommt als ursprünglich geplant. Denn vorgesehen war eigentlich, Kranken-, Kinderkranken- sowie Altenpflege zu einer gemeinsamen, einer generalistischen Ausbildung zusammenzulegen. Von dieser Idee war Ulrika Gehrke aus Rostock nie begeistert. In ihren mehr als 40 Jahren Berufserfahrung als Kinderkrankenschwester hat sie schon einige Reformen erlebt - unter anderem die Umstellung auf die integrative Ausbildung vor zehn Jahren. Damals wurden Lehrinhalte der Kranken- und der Kinderkrankenpflegeausbildung zusammengelegt. Dadurch sei es zu Kompetenzverlusten bei den Absolventen gekommen, sagt Gehrke, die heute Vorstandsmitglied des Berufsverbandes der Kinderkrankenpflege Deutschland ist. Sie befürchtet, dass durch eine weitere Zusammenlegung von Inhalten das Wissen und die praktische Expertise für die Kinderkrankenpflege verloren gehen.

Frühchen überleben dank hoch spezialisierter Pflege

Auf der Frühgeborenen-Intensivstation der Helios-Kliniken Schwerin werden Babys versorgt, die nur ein paar 100 Gramm wiegen. Die Hälfte der Schwestern, die hier arbeitet, hat neben der dreijährigen Ausbildung zur Kinderkrankenschwester noch eine Zusatzausbildung hinter sich. Denn Frühchen und Kinder überhaupt brauchen besondere Pflege, erklärt Ines Niemann, Pflegeleiterin der Station. Sie seien keine kleinen Erwachsenen; die Krankheitsbilder unterschieden sich deutlich von denen erwachsener Patienten. Deshalb seien Fachwissen und Erfahrung so enorm wichtig.

Die neue Ausbildung - ein Kompromiss

Der Berufsverband der Kinderkrankenpflege Deutschland hatte dafür geworben, eine generalistische Pflegeausbildung mit Schwerpunktbildung einzuführen. Tatsächlich überlappende Inhalte sollten gemeinsam gelehrt werden, alles andere sollte, wie heute auch, separat unterrichtet werden. Der Plan des Gesetzgebers sieht jetzt eine zweijährige Grundausbildung für alle Pflegeberufe vor. Danach können Auszubildende entweder den allgemeinen Weg wählen oder sich auf Altenpflege beziehungsweise Kinderkrankenpflege spezialisieren. Es bleibt also ein Jahr, um das gesamte Fachwissen zu erlernen. Damit werde die Qualifizierung junger Leute in die Weiterbildung geschoben, befürchtet Gehrke.

Die Pflege zukunftssicher machen

Auf den Seiten des Gesundheitsministeriums klang schon die geplante generalistische Ausbildung wie eine Verheißung: "Mit dem Pflegeberufsgesetz wird die langjährig vorbereitete Reform der Pflegeberufe umgesetzt: Die Qualität der Pflege wird gesteigert und die Attraktivität des Pflegeberufs erhöht. Dabei wird auch das Schulgeld abgeschafft, denn Schulgeld darf es in einem Mangelberuf nicht geben." Die Berufsbezeichnungen Altenpfleger, Krankenpfleger, Kinderkrankenpfleger sollten abgeschafft und durch den Pflegefachmann oder die Pflegefachfrau ersetzt werden. Das ist mit dem Kompromiss nun offenbar vom Tisch. Immerhin wird es - und dafür haben die Berufsverbände erbittert gestritten - weiterhin Altenpfleger und Kinderkrankenpfleger geben. Die Bezeichnung Gesundheits- und Krankenpfleger wird hingegen tatsächlich abgeschafft.

Die Ausbildung zeitgemäß ausgestalten

Landessozialministerin Stefanie Drese (SPD) begrüßt die Zusammenlegung: Schon heute gebe es viele Überschneidungen der Ausbildungsinhalte. Und später werde für die Absolventen ein Wechsel zwischen den Branchen möglich. Das sei in Zeiten hoher Mobilität und Flexibilität wünschenswert. Vor allem müsse man dem Fachkräftemangel in der Altenpflege begegnen. Wenn sich die Absolventen den Arbeitsplatz zukünftig aussuchen können, weil sie ja Wissen aus allen Fachbereichen haben, müssten auch die Gehälter in der Altenpflege steigen. Der Beruf würde attraktiver. Dem widerspricht Sven Wolfgram vom Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste. Pflegeheime beziehungsweise ambulante Pflegedienste würden aus einem anderen Topf finanziert als Krankenhäuser. Dort würden immer bessere Gehälter gezahlt, weil mehr Geld zur Verfügung stehe. Wolfgram befürchtet deswegen, dass der Fachkräftemangel in der Altenpflege sogar noch verschärft wird. Allerdings warten jetzt alle gespannt auf Details der Reform: wird die Ausbildung weiter für Hauptschüler offen sein, wird es am Ende eine gemeinsame oder drei verschiedene Prüfungen geben, wie sehen überhaupt die Lehrpläne aus? Nur eines steht wirklich fest: 2019 soll der erste neue Ausbildungsjahrgang starten - dann ohne Schulgeld. Und das finden wirklich alle gut.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 07.04.2017 | 17:10 Uhr

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